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29.04.2014

09:28 Uhr

Montana

Deutscher Austauschschüler in den USA erschossen

Ein deutscher Austauschschüler ist im US-Bundesstaat Montana vermutlich einer Verwechslung zum Opfer gefallen: Ein Hausbesitzer dachte offenbar, dass der 17-Jährige in seine Garage einbrechen wollte – und schoss.

Trauer in Montana

Deutscher Schüler in USA erschossen

Trauer in Montana: Deutscher Schüler in USA erschossen

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MissoulaSeinen Mitschülern bleibt er vor allem als begeisterter Fußballer in Erinnerung. An der Big Sky High School im US-Staat Montana hatte der 17 Jahre alte Austauschschüler aus Hamburg seine Liebe zum Leder jedenfalls schnell unter Beweis gestellt. Kaum war er im vergangenen August aus dem Flieger gestiegen, fragte er nach dem Fußballtraining. „Er liebte Sport“, sagte Hatton Littman, Sprecherin des zuständigen Schulbezirks, der Nachrichtenagentur dpa. In der Nacht zum Sonntag, nur wenige Wochen vor seiner Heimreise nach Hamburg, wurde er auf einem fremden Privatgrundstück durch mehrere Schüsse getötet.

Was der Teenager in der Garage eines 29-Jährigen und dessen Partnerin suchte, stellt die Polizei der Stadt Missoula noch vor ein Rätsel. Fest steht, dass sich der Mann nach zwei Einbrüchen innerhalb von drei Wochen in den Kopf gesetzt hatte, den Übeltätern das Handwerk zu legen. Angriffslustig und vulgär soll er einer Zeugin zufolge gegen die „verdammten Typen“ gewettert haben, die sich wiederholt an seinem Anwesen in Grant Creek zu schaffen machten. Stattliche Einfamilienhäuser reihen sich dort in eine hügelige Landschaft, hübsche Zäune trennen die Anwesen, der Rasen ist gestutzt.

Der 29-Jährige spickte sein Haus mit Bewegungssensoren, einem Babyfon und einer Kamera, die in Echtzeit das Geschehen aus seiner Garage auf einen Bildschirm im Haus übertrug. Dann legte er sich mit seinem Gewehr auf die Lauer. Seine Partnerin versuchte sogar, mögliche Eindringlinge mit einer Handtasche voller persönlicher Gegenständen zu ködern.

Als die Sensoren am Sonntag kurz nach Mitternacht Alarm schlugen, packte der Mann seine Shotgun und brachte sich zwischen zwei geparkten Autos vor der Garage in Stellung. „Hey, hey“, rief er von draußen in den dunklen Raum, bevor er eine Patronenhülse in den Lauf seines Gewehrs schob. „Hey“ oder „warte“ soll der Jugendliche noch gesagt haben - dann hallten vier Gewehrschüsse durch die Nachbarschaft.

Während der Schütze wegen vorsätzlicher Tötung für den Rest seines Lebens ins Gefängnis kommen könnte, enden die zehn Monate Amerika-Abenteuer auch für die Angehörigen des Austauschschülers in einer blutigen Tragödie. Die schwerste Aufgabe erwartet nun den aus Hamburg anreisenden Vater. Mit Hilfe der Austauschorganisation CIEE, der Gastfamilie und einer Vertreterin des deutschen Generalkonsulats in San Francisco muss er sich in den USA um das Geschehen kümmern und dann die Leiche seines Sohnes nach Hause holen.

Dass dieser in jener kalten, bewölkten Nacht nicht allein unterwegs war, lässt Fragen offen. Sein Weggefährte flüchtete, als die Schüsse fielen, und in der Nähe des Schülers entdeckte die Polizei sein Handy. Unabhängig davon, ob die beiden tatsächlich eine Straftat begehen wollten: Sie gingen dem falschen Mann in die Falle.

In der elften Klasse der Big Sky High School wollten Seelsorger am Dienstag und Mittwoch mit seinen Klassenkameraden sprechen. Auch seine Liebe zum Fußball dürfte dort Thema werden. Welch gute Figur der Verteidiger mit der Trikotnummer Vier auf dem Rasen machte, beweist das Match gegen die Glacier High School im vergangenen Oktober. „Tadellos“ sei sein Einsatz gewesen, heißt es in einem Bericht der Begegnung. Er wurde zum besten Spieler der Partie gewählt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.04.2014, 10:11 Uhr

Ich finde diese Geschichte auch mehr als undurchsichtig.
Was hat der Junge gegen 0 Uhr in einer fremden Garage zu suchen? Der Schütze gab zu Protokoll, dass in den letzten 3 Wochen 2 mal bei Ihm eingebrochen wurde. Sieht für mich so aus, als hätte der Austauschschüler sein Glück überstrapaziert. In Deutschland kann man genauso das Pech haben erschossen zu werden wenn man irgendwo einbricht.
Grade erst wird so ein Fall verhandelt.
http://www.bild.de/regional/hamburg/prozesse/rentner-erschiesst-raeuber-in-sittensen-35662082.bild.html
Naja selber schuld würde ich sagen.

Account gelöscht!

29.04.2014, 11:21 Uhr

Das ist sicher blöd gelaufen, aber selbst, wenn er Tag und Nacht Fußball gespielt hat, wie so betont berichtet, hatte er in einer fremden Garage, zudem auch noch in einem fremden Land, wohl nichts zu suchen.

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