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07.03.2017

10:29 Uhr

Mord in Herne

Täter veröffentlichte Video im Darknet

Am Montagabend wurde ein neunjähriger Junge im nordrhein-westfälischen Herne getötet. Der Mord soll im sogenannten Darknet vom flüchtigen Tatverdächtige hochgeladen worden sein.

Herne Der mutmaßliche Mörder eines neunjährigen Jungen in Herne hat sich im Internet mit seiner Tat gebrüstet. Das sagte ein Sprecher der Polizei in Bochum am Dienstagmorgen. Der Verdächtige habe ein Video in einem streng abgeschotteten Bereich des Internet veröffentlicht - dem sogenannten Darknet. Ein Nutzer des Darknets, der den Verdächtigen kennt, habe das Video gesehen und die Polizei informiert, die wenig später am Montagabend die Leiche des Neunjährigen im Keller eines Hauses in Herne fand. Ob das Video die Tat zeigte oder etwas Anderes zu sehen war, blieb zunächst offen. Über den genauen Inhalt konnte ein Polizeisprecher zunächst keine Angaben machen. Der Junge wurde nach Polizeiangaben erstochen.

So funktioniert das Darknet

Was das Darknet ist

Es gibt einen Teil des Internets, den die wenigsten Menschen kennen: Das Darknet ist ein Netzwerk, in dem der Standort von Websites genauso wenig bekannt ist wie die Identität der Nutzer. Diese fast perfekte Anonymität nutzen Whistleblower und Dissidenten ebenso wie Drogendealer und Waffenverkäufer.

Zugang durch Tor

Zugang zum Darknet bietet Anonymisierungssoftware wie Tor. Sie schleust die Datenpakete über mehrere Stationen und verschleiert damit Absender und Ziel. Gleichzeitig verschlüsselt sie die Informationen. Bei richtigem Einsatz gibt der Nutzer nichts über sich preis.

Software mit Mehrfachnutzen

Die Software ermöglicht zum einen die anonyme Nutzung klassischer Webportale. Das kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn ein Patient über eine Krankheit recherchieren will, ohne bei der Suchmaschine Google oder einem Medizinportal Spuren zu hinterlassen. Zum anderen eröffnet sie den Zugang zu „hidden services“, also versteckten Diensten, die Browser wie Firefox und Chrome nicht anzeigen. Diese abgeschottete Welt gilt als Darknet.

Installation mit wenigen Klicks

Die Installation von Tor ist anders als früher mit wenigen Klicks durchführbar: Nutzer laden einfach einen Browser mit der Software herunter. Bei der Bedienung gibt es nur wenige Unterschiede, bemerkbar macht sich die Software jedoch bei der Geschwindigkeit. Durch die Verschleierung arbeitet der Computer langsamer.

Schlichtes Design

Das Design des Darknet ist im Vergleich zum kommerziellen Web schlicht. Animierte Menüs und Videos filtert der Tor-Browser aus, auf opulente Grafiken verzichten die meisten Website-Betreiber wegen der geringen Bandbreite. Statt griffiger Adressen kommen kryptische Links zum Einsatz, an denen die Endung .onion hängt. Um Nutzern die Orientierung zu erleichtern, gibt es aber Übersichtsseiten und Suchmaschinen. Grams listet beispielsweise Angebote für Drogen, Waffen oder gestohlene Kreditkartendaten.

Kriminelle wickeln in dem anonymisierten Darknet Waffen- und Drogengeschäfte ab oder handeln mit Kinderpornografie. Die Polizei warnt vor dem Täter, den sie aufgrund ihrer Informationen als gefährlich einschätzt. Welche Informationen sie über den 19-Jährigen hat, will sie jedoch zunächst nicht preisgeben.

Von

dpa

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