Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2012

16:07 Uhr

Mord in Neuss

Mitarbeiterin war nur Zufallsopfer

Die Ermittler werten die tödliche Messerattacke im Neusser Jobcenter als Mord. Die getötete Sachbearbeiterin war dabei möglicherweise nur Zufallsopfer. Unterdessen gibt der 52-Jährige Verdächtige ein kurioses Motiv an.

Ein arbeitsloser Mann hat in einem Neusser Jobcenter eine Mitarbeiterin erstochen. dapd

Ein arbeitsloser Mann hat in einem Neusser Jobcenter eine Mitarbeiterin erstochen.

NeussNach der tödlichen Messerattacke in einem Jobcenter in Neuss soll der Verdächtige wegen Mordes in Untersuchungshaft. Der 52-jährige Langzeitarbeitslose habe die Tat sofort gestanden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Neuss. Als Motiv habe er Wut über den vermeintlichen Missbrauch seiner persönlichen Daten angegeben. Ein Fernsehbeitrag habe seinen Argwohn geweckt.

Der Vater von fünf Kindern war am Mittwochmorgen mit zwei Messern in die Behörde gestürmt, um einen Sachbearbeiter zur Rede zu stellen. Der hatte ihn eine Erklärung unterschreiben lassen, die die interne Datenweitergabe regelt. Weil der Mitarbeiter nicht da war, hatte er seine persönliche Sachbearbeiterin aufgesucht. Die Frau habe mit ihm kurz gesprochen, ihn wegen eines bereits wartenden Kunden mit Termin aber bald aus dem Büro geschickt.

Daraufhin habe der Mann ein Messer gezückt, dessen Klinge aber abbrach. Der 52-Jährige holte ein zweites Messer hervor und rammte es der 32-jährigen Mutter aus Düsseldorf mit voller Wucht in den Körper. Die 20 Zentimeter lange Klinge sei bis zum Heft eingedrungen. Die Frau erlitt drei tiefe Stiche in Brust, Bauch und Oberschenkel. Die Mitarbeiterin sei „möglicherweise nur Zufallsopfer“, sagte der Leiter der Mordkommission, Guido Adler. Der arbeitslose Mann habe nach eigenen Angaben schon „vor Wut gekocht“, als er das Büro betrat, sagte Staatsanwältin Britta Zur. Der Mann soll nun in der Untersuchungshaft auf seinen Geisteszustand untersucht werden. Er habe eine Tötungsabsicht zwar bestritten, die Tatspuren sprächen aber eine andere Sprache, sagte Zur weiter.

Die getötete 32-Jährige Sachbearbeiterin erlitt bei der Tat drei tiefe Stichverletzungen. dpa

Die getötete 32-Jährige Sachbearbeiterin erlitt bei der Tat drei tiefe Stichverletzungen.

Eine Leistungskürzung oder ähnliche gravierende Einschnitte hätten dem Mann nicht gedroht. Er habe in einem Projekt fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen. Ein Mitarbeiter eines kooperierenden Instituts habe dazu einen Lebenslauf mit dem 52-Jährigen erstellt, der früher Landwirt gewesen sein soll. Der Mann ist geschieden und nicht vorbestraft. Nach der Bluttat ist eine Sicherheitsdiskussion entbrannt. Die Sicherheitsmaßnahmen in den Jobcentern kämen auf den Prüfstand, sagte ein Sprecher der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Düsseldorf. „Man muss alles überdenken.“

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gutmensch

27.09.2012, 16:16 Uhr

Der Mann ist übrigens Marokkaner. Dauerarbeitslos und 5 kinder, schwer vermittelbar. So sieht gelungene Zuwanderungspolitik aus!

Atheist

27.09.2012, 16:51 Uhr

dpa hat sich genau an den Punkt 12.1 des Pressevertrages gehalten:
"Richtlinie 12.1 - Berichterstattung über Straftaten
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.
Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

Name (und Herkunft) des Mannes sind bekannt, wird aber nicht gemäß der üblichen Syntax "Vorname.N" benannt, warum wohl?

GegenHetze

27.09.2012, 17:33 Uhr

Zu diesem Thema Überhaupt ein Komentar abzugeben, ist eigentlich unpassend. Aber wir können nicht verheimlichen das es um so notwendiger geworden ist die Integration von Imigranten und Enheimischen noch besser zu machen. Den die Aktuelle situation verstärkt auch die Ungerechtigkeit die es auf dem Arbeitsmarkt gibt. Das Arbeitsamt selbst ist nur im Grunde eine Versicherung. Nämlich die Arbeitslosenversicherung. Manche erwarten einfach zuviel von Arbeitvermittlern. Diese Helfen. Aber können auch nicht immer den eigenen Willen einer Person herausfinden. Den muss man schon selbst finden. Und auch für das Ungerechte Schullsystem in Deutschland kan kein Arbeitsvermittler. Es ist traurig das diese Person so weit gekommen ist, den entschluss zu treffen einen Arbeitsvermittler zu Töden. Dieser kan am wenigsten dafür. Oder vieleicht hatte diese auch Persönliche demütigungen geggenüber diesem Arbeitslosen getätigt?? Das weis man nicht und es währe falsch solche vermutungen aufzustellen.Den dazu müsste man die sachlage und die Personen gekant haben.Rechtfertigt aber alles keinen Mord. Schlimm genug. Möge das Opfer in Frieden Ruhen. Viel schlimmer ist es was verleidete diesen Täter dazu? Warum gibt es Amockläufer? Warum redet man oft über die Täter aber über die Problemursache wird oft nicht geredet.Den das Problem ist nicht der Ausländer oder der schlimme Rechtextreme sondern eher die Tatsache warum, Jemand zu solchen "Kranken" Taten neigt. Oder warum dies geschieht. Vieles kan eine Ursache sein und ist nicht so leicht zu beantworten. nur wird gerne in Schwarz Weis gedacht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×