Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.01.2012

15:01 Uhr

Mordanklage gegen Deutschen

„Falscher Rockefeller“ vor Gericht in den USA

Der Deutsche Christian Karl Gerhartsreiter steht in Los Angeles wegen Mordes vor Gericht. Der 50-Jährige soll vor 26 Jahren ein Ehepaar getötet haben. Bekannt wurde Gerhartsreiter als „falscher Rockefeller“.

Christian Karl Gerhartsreiter, der „falsche Rockefeller“. dapd

Christian Karl Gerhartsreiter, der „falsche Rockefeller“.

Los Angeles27 Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden eines kalifornischen Ehepaares droht einem deutschen Hochstapler in Los Angeles ein Mordprozess. Der als „falscher Rockefeller“ bekannte Christian Karl Gerhartsreiter ist am Mittwoch vor Gericht erschienen. Es war der Auftakt für eine mehrtägige Anhörung, in der die Staatsanwaltschaft Schuldbeweise vorlegen will, berichtete die „Los Angeles Times“. Am Ende muss das Gericht entscheiden, ob dem 50-Jährigen der Prozess gemacht wird.

Gerhartsreiter war im vorigen März wegen Mordes angeklagt worden. Im Juli hatte er auf „nicht schuldig“ plädiert. Der Fall dreht sich um das Verschwinden eines jungen Ehepaares im Jahr 1985. Damals soll der Deutsche unter dem Namen Christopher Chichester im kalifornischen Gästehaus von Linda und Jonathan Sohus gewohnt haben. Die Leiche des Mannes wurde 1994 zufällig bei Bauarbeiten im Garten des Hauses gefunden. Von der Frau fehlt weiterhin jede Spur. Dank neuer DNA- Untersuchungsmethoden waren die Ermittlungen wieder ins Rollen gekommen.

Der aus Bergen im Landkreis Traunstein (Bayern) stammende Gerhartsreiter sitzt bereits im Gefängnis. Er war 2009 wegen Entführung seines eigenen Kindes in Boston (US-Staat Massachusetts) zu mindestens vier Jahren Haft verurteilt worden. Eine Jury befand ihn damals schuldig, im Juli 2008 seine siebenjährige Tochter in einem Sorgerechtsstreit gekidnappt zu haben.

Gerhartsreiter hatte sich viele Jahre als „Clark Rockefeller“ ausgegeben und sich so Zugang zu wohlhabenden Kreisen in den USA verschafft. Die US-Behörden waren ihm zunächst nicht wegen des falschen Namens, sondern wegen der Entführung seiner Tochter auf die Spur gekommen.

Bei der Anhörung am Mittwoch berichtete ein Mann über den Fund eines Schädels im Jahr 1994 bei Bauarbeiten in einem Garten im kalifornischen San Marino. Die Staatsanwaltschaft will durch DNA-Tests belegen, dass es die Überreste von Jonathan Sohus sind.

Der zuständige Richter lehnte einen Antrag von Gerhartsreiters Anwälten ab, den Deutschen im Gericht mit seinem falschen Namen „Clark Rockefeller“ anzusprechen. Anwalt Brad Bailey zufolge war das der Name, den der Angeklagte während des Prozesses in Boston bei seinen Rechtsanwälten benutzte.

Während des Entführungsprozesses war ans Licht gekommen, dass sich der Hochstapler über Jahrzehnte hinweg eine Vielzahl falscher Identitäten zugelegt hatte. So gab er sich als Schauspieler, Mathematiker, Börsenmakler oder Herzchirurg aus. Er war 1978 als Schüler in die Vereinigten Staaten gekommen. Gerhartsreiters erste Ehefrau schilderte in dem Prozess, sie sei von ihm sofort völlig eingenommen gewesen. Er habe erzählt, in einem reichen New Yorker Stadtteil aufgewachsen zu sein und viel Geld geerbt zu haben. In zweiter Ehe war er mit einer wohlhabenden Unternehmensberaterin verheiratet. Bei der Scheidung verlor er das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×