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17.10.2014

09:40 Uhr

Morddrohung gegen deutsche Geiseln

Islamisten bieten Aufschub an

Zwei Deutsche wurden im April von Islamisten auf den Philippinen verschleppt. Die Entführer verlangen 4,3 Millionen Lösegeld und drohen ansonsten die Geiseln zu töten. Nun bieten die Terroristen einen Aufschub an.

Dunkle Wolken über der Stadt Manila, Philippinen. Zwei deutsche Geiseln sind seit Monaten in der Gewalt von Islamisten. Heute wollten sie ihre Morddrohung in die Tat umsetzen. dpa

Dunkle Wolken über der Stadt Manila, Philippinen. Zwei deutsche Geiseln sind seit Monaten in der Gewalt von Islamisten. Heute wollten sie ihre Morddrohung in die Tat umsetzen.

ManilaIslamisten auf den Philippinen haben kurz vor Ablauf der Frist zur Ermordung einer ihrer beiden deutschen Geiseln Aufschub angeboten. „Wir sind gewillt, die Frist um zwei Stunden zu verlängern, wenn wir einen Anruf bekommen, dass das Lösegeld gezahlt wird“, sagte ein Sprecher der Gruppe Abu Sayyaf am Freitag in einem Telefonat mit dem Radiosender Mindanao Network.

Die Extremisten haben damit gedroht, um 9.00 Uhr MESZ eine ihrer Geiseln zu töten. Sie fordern umgerechnet etwa 4,3 Millionen Euro Lösegeld. Außerdem soll Deutschland seine Unterstützung der von den USA geführten Militärkampagne gegen die radikale Miliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien beenden. „Wenn wir keinen Anruf erhalten, wird der deutsche Mann hingerichtet“, sagte der Abu-Sayyaf-Sprecher, der sich Abu Rami nennt.

Die beiden Deutschen, ein über 70-jähriger Arzt und eine Frau Mitte 50, waren im April auf einer Jacht zwischen der Insel Borneo und den Philippinen unterwegs, als sie verschleppt wurden. Das Auswärtige Amt in Berlin hat einen Krisenstab eingerichtet und einen Krisenbeauftragten in die Region entsandt.

Die meistgesuchten Terroristen

Aiman al Sawahiri

Gesucht wegen Mordes an amerikanischen Staatsbürgern und Verschwörung zum Mord. Al Sawahiri wird eine entscheidende Rolle bei den Attacken auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi im Jahr 1998 zugeschrieben. Der Physiker gründete die Organisation Egyptian Islamic Jihad, die sich später mit al-Kaida zusammenschloss.

Belohnung: Bis zu 25 Millionen Dollar sind für Hinweise, die zur Festnahme oder Verurteilung führen, ausgeschrieben.

Adnan G. el Shukrijumah

Er wurde im Jahr 2010 einer terroristischen Verschwörung gegen die USA beschuldigt. El Shukrijumah soll Anschläge auf die New Yorker U-Bahn geplant haben und gilt als einer der Anführer der im Ausland tätigen Zellen von Al-Kaida.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Fahd al Quso

Gesucht wegen Verschwörung zum Mord an amerikanischen Staatsbürgern und Militärpersonal. Al Quso soll an der Attacke auf den amerikanischen Zerstörer USS Cole im Hafen von Aden (Jemen) beteiligt gewesen sein. Dabei wurden 17 amerikanische Matrosen getötet.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Jamel al Badawi

Auch al Badawi soll an den Angriffen auf die USS Cole beteiligt gewesen sein. Er wurde im März 2004 gefangen genommen, konnte aber aus dem jemenitischen Gewahrsam im Februar 2006 fliehen.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Abdullah Ahmed Abdullah

Abdullah wird eine Beteiligung an den Anschlägen auf US-Botschaften in Daressalam (Tansania) und Nairobi (Kenia) im Jahr 1998 angelastet. Er floh aus Kenia nach Karachi in Pakistan.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Saif al Adel

Er war maßgeblich an den Explosionen in den US-Botschaften beteiligt. Al Adel soll ein hochrangiges Mitglied des Al-Kaida-Netzwerkes sein.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Ahmed Mohammed Hamed Ali

Auch Ali soll an den Attacken auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia beteiligt gewesen sein. Wie Abdullah floh er aus Kenia nach Pakistan.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Anas al Liby

Steht auch im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die US-Botschaften. Al Liby lebt in Großbritannien, wo er Asyl beantragt hat.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Fazul Abdullah Mohammed

Mohammed, ein Computerspezialist aus Kenia, war ebenfalls an den Bombenanschlägen auf US-Botschaften beteiligt.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Ahmed Ibrahim al Mughassil

Beteiligt an den Anschlägen auf ein Gebäude in der Stadt Khobar, Saudi-Arabien. Dabei kamen zwanzig Menschen ums Leben, über 300 wurden verletzt. Im Gebäude waren ausländische Militärkräfte stationiert. 19 US-Soldaten kamen bei dem Anschlag ums Leben. Laut FBI ist Mughassil der Kopf des Militärflügels der saudischen Hisbollah.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Abdelkarim Hussein Mohamed al Nasser

Al Nasser ist der mutmaßliche Anführer der saudischen Hisbollah und nahm auch an den Angriffen auf die Gebäude in Khobar teil.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Ali Saed bin Ali el Hoorie

El Hoorie ist saudischen Ursprungs und ist ebenfalls an den Attacken auf die Khobar Towers beteiligt gewesen.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Isnilon Totoni Hapilon

Der philippinisch-stämmige Hapilon ist mutmaßlich eines der führenden Mitglieder der terroristischen Abu Sayyaf Gruppe. Diese Vereinigung hat sich der Geiselnahme und des Mordes schuldig gemacht.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Zulkifli Abdhir

Abdhir ist der mutmaßliche Anführer der Terrororganisation Kumpulun Mujahidin Malaysia. Zudem soll er andere Terroristen im Bau und Umgang mit Bomben schulen, darunter auch die Abu Sayyaf Gruppe. Er wurde in den USA zum Ingenieur ausgebildet.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Abdul Rahman Yasin

Yasin wird gesucht, weil er an den Bombenanschlägen auf das World Trade Center im Jahr 1993 beteiligt gewesen sein soll. Bei den Explosionen in New York starben sechs Menschen.

Belohnung: Bis zu 5 Millionen Dollar

Während des Telefonats mit dem Radiosender, über den die Extremisten bereits mehrfach kommuniziert haben, kam auch der deutsche Mann kurz zu Wort. Das Leben im Dschungel sei hart und belaste seine Gesundheit, sagte er.

Das philippinische Militär hatte mehr als 3000 Soldaten auf die Insel Jolo verlegt, wo die Geiseln vermutet werden. Auch ein Krisenbeauftrager aus Berlin ist vor Ort. Nach Informationen von „Bild.de“ will die Bundesregierung aber nicht direkt mit den Geiselnehmern verhandeln.

Die Abu Sayyaf erlangte mehrfach mit Entführungen westlicher Ausländer Aufmerksamkeit. Im April 2000 verschleppte die Gruppe mehrere Touristen von der malaysischen Insel Sipadan, darunter auch das deutsche Ehepaar Renate und Werner Wallert sowie deren Sohn, die nach zum Teil monatelanger Gefangenschaft freigelassen wurden.

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