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06.04.2017

11:43 Uhr

Mordfall Bögerl

DNA-Probe des Tatverdächtigen negativ

Die Tätersuche im Mordfall Maria Bögerl muss weitergehen. Der Verdächtige, der am Mittwoch festgenommen wurde, kann einer DNA-Analyse zufolge nicht der Mörder sein. Den suchen Behörden seit nunmehr sieben Jahren.

Mordfall Bögerl

Festgenommener wieder frei

Mordfall Bögerl: Festgenommener wieder frei

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WiesbadenKnapp sieben Jahre nach dem Mord an der Bankiersfrau Maria Bögerl aus Heidenheim hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Dennoch kommt der Mann kaum noch als Täter in Frage: Eine DNA-Probe bei dem Verdächtigen ist negativ. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen. Zur Identität des Verdächtigen und Details der Festnahme machte eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes zunächst keine Angaben. Sie sagte lediglich, es handele sich um den Verdächtigen, nach dem öffentlich gefahndet worden sei.

Der Mann soll in betrunkenem Zustand vor Zeugen erklärt haben, er habe die Frau erstochen. Er bestritt aber im Verhör, an der Entführung und Ermordung der Frau beteiligt gewesen zu sein, wie ein Sprecher der Anklagebehörde in Ellwangen mitteilte.

Der Verdächtige war am Mittwoch in seiner Wohnung in Königsbronn im Kreis Heidenheim festgenommen worden. Königsbronn liegt etwa zehn Kilometer von Heidenheim entfernt, wo die Familie Bögerl wohnte. Seine DNA wurde mit der Erbsubstanz verglichen, die im Auto der entführten und umgebrachten Maria Bögerl gesichert worden war.

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Die Haushälterin fand den Witwer Thomas Bögerl erhängt in seinem Haus.

Der Fall ist einer der bekanntesten ungeklärten Mordfälle in Deutschland: Die Ehefrau des damaligen Heidenheimer Sparkassenchefs war am 12. Mai 2010 aus ihrem Haus entführt und umgebracht worden. Die Täter verlangten 300.000 Euro. Die Übergabe des Lösegelds scheiterte, Anfang Juni fand ein Spaziergänger dann die verweste Leiche der 54-Jährigen an einem Waldrand bei Heidenheim. Bögerl, zweifache Mutter, war erstochen worden. Ihr Ehemann tötete sich später selbst. Er war in Verdacht geraten, in den Fall verwickelt zu sein.

Zuletzt hatten die Ermittler bundesweit mit Phantombild und Stimmprobe nach einem Mann gesucht, der die Tat im Juli 2016 vor Zeugen im westfälischen Hagen zugegeben und konkrete Angaben dazu gemacht hatte. „Ganz konkret hat er gesagt, er habe Maria Bögerl erstochen“, sagte der leitende Ermittler Michael Bauer von der Polizei in Ulm am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“: „Nach unserer Einschätzung könnte dieser Unbekannte tatsächlich der Mörder von Maria Bögerl sein.“

Den Angaben zufolge hatte der betrunkene Verdächtige den jungen Männern im vergangenen Sommer erzählt, dass er aus Ochsenberg in der Gemeinde Königsbronn in Baden-Württemberg stamme – das liegt nicht weit entfernt vom Tatort. Früher sei er nach eigenen Angaben Angehöriger der Bundeswehr gewesen und habe einen Speziallehrgang bei einer Kompanie für „Psychologische Verteidigung“ absolviert, hieß es im Fahndungsaufruf des Bundeskriminalamtes (BKA).

Die Zeugen hatten das Gespräch mit einem Handy aufgezeichnet und den Mitschnitt der Polizei übergeben. Seitdem gehen die Ermittler dieser Spur nach, am Mittwoch wandten sie sich mit der Bitte um Hinweise an die Öffentlichkeit. Am Ende der ZDF-Sendung hieß es bereits, es habe „eine Reihe von Hinweisen“ aus dem TV-Publikum gegeben, erste Überprüfungen konkreter Personen seien bereits am Abend angelaufen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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G. Nampf

06.04.2017, 09:12 Uhr

Bezeichnend bei dem Fall ist, daß Kommissar Zufall hier zum Erfolg führte und nicht die damalige Massen-DNA-Analyse der Ermittlungsbehörden.

Zur Erinnerung:

Damals wurde von allen männlichen Einwohnern der umliegenden Orte DNA-Proben genommen - selbstverständlich "auf freiwilliger Basis".

Was passiert jetzt mit den DNA-Daten der Unschuldigen - bleiben die gespeichert (nach dem Motto: Wer weiß, wofür es noch gut ist?").?

Sind vielleicht auch andere Massen- Datenerhebungen (Vorratsdatenspeicherung) ähnlich nutzlos?

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