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15.08.2013

20:25 Uhr

Mordprozess in den USA

„Falscher Rockefeller“ wandert lange hinter Gitter

Für mindestens 27 Jahre muss Christian Gerhartsreiter, der sich als „Rockefeller“ ausgab, ins Gefängnis. Der Bayer pocht auch bei der Urteilsverkündung weiter auf seine Unschuld.

Christian Karl Gerhartsreiter im Gerichtssaal: 27 Jahre muss er nun hinter Gitter. dpa

Christian Karl Gerhartsreiter im Gerichtssaal: 27 Jahre muss er nun hinter Gitter.

Los AngelesDer wegen Mordes verurteilte Bayer Christian Karl Gerhartsreiter, der sich als „Rockefeller“ ausgab, muss für mindestens 27 Jahre hinter Gitter. Ein Richter in Los Angeles setzte am Donnerstag das Strafmaß fest. In dem Indizienprozess ging es um einen Mord im Jahr 1985 an dem Ehepaar Sohus in Kalifornien, mit dem sich der heute 52-jährige gebürtige Bayer angefreundet hatte.

Ein Geschworenengericht hatte Gerhartsreiter bereits am 10. April wegen Mordes schuldig gesprochen. Er wurde allein für den Mord an dem Ehemann John Sohus verurteilt, dessen Knochen 1994 im Hinterhof seines Hauses ausgegraben worden waren. Von seiner Frau Linda fehlt bis heute jede Spur.

Gerhartsreiter war kurz nach der Tat untergetaucht und lebte fortan unter verschiedenen falschen Namen in den USA, unter anderem als angeblicher Millionenerbe Clark Rockefeller. Zudem gab er sich als Filmproduzent und erfolgreicher Spekulant an der Wall Street aus.

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Bei der Verkündung der Strafe trat Gerhartsreiter als sein eigener Anwalt auf. Seine Verteidiger hatte er nach dem Prozess im April entlassen. Der Deutsche pochte am Donnerstag weiter auf seine Unschuld. „Ich habe das Verbrechen nicht begangen“, sagte Gerhartsreiter nach Angaben der „Los Angeles Times“ im Gericht. Er glaube fest daran, dass die Ehefrau des Opfers den Mord begangen habe.

In dem Mordprozess gegen Gerhartsreiter im Frühjahr waren Dutzende Zeugen zu Wort gekommen. Es gab keine direkten Beweise wie Blutspuren oder Augenzeugen, die den Deutschen mit dem Verbrechen in Verbindung brachten. Die Staatsanwaltschaft hatte Gerhartsreiter als kaltblütigen Mörder dargestellt, der jahrzehntelang ein „Meister“ im Manipulieren gewesen sei und sich hinter verschiedenen Identitäten versteckt habe.

Seine wahre Identität flog auf, als er nach einem Sorgerechtsstreit die gemeinsame Tochter entführte. Gerhartsreiter weckte das Interesse der Medien, und wurde zum Gegenstand von Büchern und Fernsehfilmen. Das Interesse an seiner Person führte dazu, dass die kalifornischen Behörden ihre Ermittlungen zum Mordfall wiederaufnahmen.

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