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10.03.2014

15:58 Uhr

Mordprozess

Pistorius übergibt sich im Gerichtssaal

Schockierende Details über die Leiche seiner getöteten Freundin bringen Südafrikas Sportstar Oscar Pistorius vor Gericht aus der Fassung. Er muss sich übergeben. Die Richterin hatte zuvor Live-Berichterstattung verboten.

Oscar Pistorius kann nicht mehr und muss sich vor Gericht übergeben. Vor ihm steht ein Eimer. Reuters

Oscar Pistorius kann nicht mehr und muss sich vor Gericht übergeben. Vor ihm steht ein Eimer.

PretoriaDer wegen mutmaßlichen Mordes an seiner Freundin angeklagte südafrikanische Paralympionike Oscar Pistorius hat sich am Montag während der Aussage des Pathologen übergeben. Der zweifach beinamputierte Sportler krümmte sich über eine Bank und würgte wiederholt, als der Mediziner Gert Saayman über die Einschusswunden am Körper der 29-jährigen Reeva Steenkamp berichtete.

Richterin Thokozile Masipa hatte auf Antrag der Staatsanwaltschaft zuvor jegliche Live-Übertragung sowie das Twittern und Bloggen verboten. Die Würde des Opfers und die Gefühle der Menschen müssten geschützt werden, hieß es.

Der Fall Pistorius – eine Chronologie

14./ 15. Februar 2013

Nach tödlichen Schüssen auf seine Freundin Reeva Steenkamp wird Pistorius festgenommen. Wegen Mordverdachts erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage.



19. Februar

Er habe geglaubt, auf Einbrecher zu schießen, beteuert der behinderte Profisportler. „Ich hatte nie die Absicht, meine Freundin zu töten“, heißt es in einer Erklärung.

Der 26-jährige beinamputierte Paralympics-Star erschoss - so viel ist unumstritten - am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp durch die geschlossene Badezimmertür. Er selbst gibt an, sie versehentlich getötet zu haben, da er sie für einen Einbrecher gehalten habe. Die Staatsanwaltschaft sieht hingegen einen vorsätzlichen Mord nach einem Streit des Paares.

20. Februar

Die Ermittler hätten das Dopingmittel Testosteron und mehrere Spritzen in Pistorius' Schlafzimmerschrank gefunden, teilt die Polizei mit. Sein Anwalt beteuert, es handele sich um pflanzliche Arzneimittel.

Dem jungen Athleten wird noch ein weiterer Anklagepunkt vorgehalten, nämlich illegaler Besitz von Munition. Vorab waren in südafrikanischen Medien auch noch andere Vorwürfe genannt worden. So soll Pistorius zwei Mal in der Öffentlichkeit eine Waffe benutzt haben. Einmal schoss er demnach aus dem offenen Verdeck eines Autos in die Luft und ein anderes Mal ging eine Waffe versehentlich in einem Restaurant los.

21. Februar

Der leitende Polizeiermittler Hilton Botha steht selbst unter dem Verdacht des versuchten Mordes, wie die Polizei bestätigt. Er wird von seinen Aufgaben entbunden.

22. Februar

Pistorius kommt gegen Kaution und Auflagen überraschend frei. Der Richter kritisiert Staatsanwaltschaft und Polizei: Es gebe keine klaren Beweise für eine vorsätzliche Tat. Aber auch Pistorius' Aussage sei widersprüchlich. Der Prozess soll am 4. Juni beginnen.

14. April

Der mordverdächtige Paralympics-Star vergnügt sich nach Berichten südafrikanischer Medien wieder auf Partys.

4. Juni

Der Prozess wird auf den 19. August vertagt. Weitere Ermittlungen seien notwendig, erklärt das Magistratsgericht in Pretoria. Pistorius bleibt auf freiem Fuß.

14. August

Die Polizei schließt ihre Ermittlungen ab. Polizeisprecher Generalleutnant Solomon Makgale teilte mit, Ermittler, Experten für Forensik und Ballistik, Psychologen und Techniker seien mit dem Fall betraut gewesen und seien zuversichtlich, genügend Beweise gegen Pistorius gesammelt zu haben.
Zu den wichtigsten Beweismitteln dürften Telefondaten sowie die Ergebnisse einer Untersuchung der Badezimmertür sein, durch die Pistorius seine Freundin mit mehreren Schüssen getötet hatte. Vor allem die Einschusswinkel dürften Aufschluss darüber geben, ob Pistorius auf seinen Beinstümpfen stand, wie er selbst behauptet, oder ob er seine Prothesen trug, wovon die Anklage ausgeht.

19. August

Der Richter gibt bekannt, dass Pistorius sich ab dem 3. März 2014 wegen vorsätzlichen Mordes vor Gericht verantworten muss.

3. März 2014

Prozessauftakt: Der High Court in der Hauptstadt Pretoria befasst sich mit dem Fall. Sollte das Gericht Pistorius schuldig sprechen, droht dem Sportler lebenslang - was in Südafrika eine Mindesthaftstrafe von 25 Jahren bedeutet. Damit dürfte er frühestens mit Anfang 50 aus dem Gefängnis entlassen werden. In Südafrika gibt es keine Todesstrafe.

10. März

10. und 13. März: Pistorius übergibt sich bei der Verlesung des Autopsieberichts und als auf dem Bildschirm im Gerichtssaal eine Aufnahme von Steenkamps Leiche erscheint.

7. bis 15. April

Pistorius beginnt seine Aussage mit einer Entschuldigung bei Steenkamps Familie. Immer wieder bricht er im Kreuzverhör in Tränen aus und verwickelt sich auch in Widersprüche. Er bleibt aber dabei, dass er zwar geschossen hat, jedoch nicht wusste, dass sich Steenkamp in der Toilette aufhielt.

30. Juni

Nach sechswöchiger Unterbrechung, in der sich Pistorius psychiatrischen Untersuchungen unterziehen musste, erklären drei Psychiater und ein Psychologe übereinstimmend, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt voll schuldfähig war.

11. und 12. September

Richterin Thokozile Masipa spricht Pistorius von den Vorwürfen des Mordes und des Totschlags frei. Er wird wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässigen Waffengebrauchs in einem Fall schuldig gesprochen, das Strafmaß wird noch nicht verkündet. Es liegt allein im Ermessen der Richterin.

17. Oktober

Nach viertägigen Anhörungen zum Strafmaß fordert die Staatsanwaltschaft mindestens zehn Jahre Haft. Die Verteidigung plädiert auf Hausarrest sowie gemeinnützige Arbeit.

21. Oktober

Richterin Thokozile Masipa verurteilt Pistorius wegen der tödlichen Schüsse zu fünf Jahren Haft. Für den fahrlässigen Gebrauch einer Waffe in einem anderen Fall verhängt sie außerdem drei Jahre Haft auf Bewährung gegen den 27-Jährigen. Er wird nach der Strafmaßverkündung sofort ins Gefängnis gebracht.

Journalisten konnten jedoch über Saaymans Aussagen berichten, ohne ihn direkt zitieren zu dürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft Pistorius vor, Steenkamp nach einem Streit in der Nacht zum 14. Februar 2013 durch die geschlossene Toilettentür absichtlich getötet zu haben. Der Angeklagte spricht von einem Versehen, er habe das Model für einen Einbrecher gehalten.

Saayman blieb die meiste Zeit seiner Aussage im Zeugenstand stehen und nahm Bezug auf Fotos, die nicht gezeigt wurden, um die Schusswunden an Steenkamps Körper zu beschreiben. Er erwähnte einen Einschuss an der rechten Kopfseite, am rechten Arm und an der rechten Hüfte. Zudem sprach Saayman von Hautverfärbungen und Abschürfungen, die sich ergäben, wenn eine Kugel durch ein hölzernes Objekt geschossen werde und auf dem Körper auftreffe.

Seinen Angaben zufolge trug Steenkamp, die auch aus TV-Reality-Shows bekannt war, Sportshorts mit dem Logo eines bekannten Herstellers sowie eine schwarze Weste. An ihrer Hand habe sie zudem eine weitere Wunde gehabt.

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