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19.03.2012

19:51 Uhr

Mordserie in Frankreich

Benjamin Netanjahu beklagt „mörderischen Antisemitismus'“

Nun steht fest, dass die drei Mordanschläge auf ausländischstämmige Menschen in Frankreich mit derselben Waffe verübt wurden. Israel fordert rasche Ermittlungen und Frankreich ruft die höchste Terrorwarnstufe aus.

Toulouse

Anschlag auf jüdische Schule

Toulouse: Anschlag auf jüdische Schule

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JerusalemDer israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hat den tödlichen Angriff auf Juden in Frankreich verurteilt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem „verabscheuungswürdigen Mord an Juden, darunter kleine Kinder“ um einen Akt „gewaltsamen und mörderischen Antisemitismus'“ handele, sagte Netanjahu während einer Sitzung seiner Likud-Partei in Jerusalem. Es sei noch zu früh, um Genaues über die Hintergründe der Tat zu sagen, doch könne Antisemitismus nicht ausgeschlossen werden.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy rief am Montagabend für die Region Toulouse die höchste Terrorwarnstufe aus. Mit Aktivierung des Anti-Terrorismus-Plans Vigipirate würden alle jüdischen und muslimischen Einrichtungen besonders gesichert, sagte Sarkozy nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts im Elysée.

Bei dem Angriff auf eine jüdische Schule im südfranzösischen Toulouse waren am Morgen drei Schüler und ein Lehrer erschossen worden. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris nahm Ermittlungen auf, weil es einen Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen auf drei französische Soldaten in derselben Gegend vor wenigen Tagen gibt. Die drei tödlichen Angriffe seien mit derselben Waffe verübt worden, verlautete aus Ermittlerkreisen.

Fremdenfeindliche Übergriffe in Frankreich

Traurige Tradition

Angriffe auf Juden, Synagogen oder andere jüdische Einrichtungen gibt es in Frankreich seit Jahren immer wieder; meist werden Molotow-Cocktails oder andere Gegenstände auf Gebäude geworfen. Als Motiv werden Anti-Semitismus, Israel-Hass oder Rechtsextremismus angenommen.

3. Oktober 1980

„Es ist schrecklich. Ich musste an das Attentat in der Rue Copernic vor 30 Jahren denken“, sagte der Vorsitzende des Rates jüdischer Einrichtungen in Frankreich (Crif), Richard Prasquier. Damals waren vier Menschen bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Paris gestorben. Am 3. Oktober 1980 war im Zentrum von Paris eine Bombe explodiert, die in einer Satteltasche eines Motorrades versteckt war. Bei dem Anschlag vor der Synagoge starben drei Franzosen und eine junge Israelin, neun Menschen wurden verletzt. Es war der erste tödliche Angriff auf Juden in Frankreich seit der Besatzung durch die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs.

9. August 1982

Entsetzen löste weltweit auch das Attentat auf das jüdische Restaurant Goldenberg in Paris aus, bei dem am 9. August 1982 sechs Menschen getötet und 22 verletzt wurden. Mit einer Maschinenpistole hatten die Täter unterschiedslos auf die anwesenden Gäste und Angestellten gefeuert, nachdem vor dem Lokal eine Handgranate gezündet worden war. Das in der Rue des Rosiers inmitten des alten jüdischen Viertels Marais gelegene Lokal war ein Treffpunkt der jüdischen Gemeinschaft von Paris.

In beiden Fällen wurden bis heute keine Täter verurteilt. Die Ermittlungen zum Restaurant Goldenberg verliefen im Sande, nachdem die französische Justiz zunächst von palästinensischen Tätern ausgegangen war. Der Überfall wurde von einem fünfköpfigen Kommando verübt.

Im Fall des Anschlages auf die Synagoge wurde Ende 2008 in Kanada ein Tatverdächtiger festgenommen. Der libanesischstämmige Mann Hassan D. bestreitet allerdings eine Tatbeteiligung und sieht sich als Opfer einer Namensgleichheit. Die französische Justiz hatte im Oktober 2007 neue Ermittlungen aufgenommen und geht von einem palästinensischen Kommando aus. Kanada stimmte schließlich im vergangenen Sommer einer Auslieferung von Hassan D. zu, nannte die Beweise gegen ihn aber schwach.

8. September 1995

Am 8. September 1995 explodierte eine Bombe vor der jüdischen Schule von Lyon; 14 Menschen wurden verletzt. Für den Anschlag wurden Islamisten verantwortlich gemacht. Ende März 1985 waren bei einer Explosion in einem Kino in Paris während eines jüdischen Filmfestes 18 Menschen verletzt worden.

31. Dezember 2001

Ein Klassenzimmer der jüdischen Schule Ozar Hatorah in Créteil bei Paris wird durch Brandstiftung zerstört.

1. April 2002

Die Synagoge Or Aviv in Marseille wird vermutlich durch Brandstiftung zerstört, gleichzeitig werden andere Synagogen mit Molotow-Cocktails attackiert.

10. April 2002

Ein Schulbus wird im 20. Arrondissement von Paris mit Steinen beworfen, ein Schüler wird leicht verletzt.

8. Juli 2003

Mehrere Schüler der Schule Beth Lubawitsch in Paris werden mit Eisenstangen angegriffen.

25. Mai 2005

Zwei junge Männer werfen Brandsätze auf eine jüdische Schule im 18. Arrondissement von Paris.

5. Januar 2009

Vor dem Zaun einer Synagoge in Toulouse wird ein Auto in Brand gesetzt, es gibt keine Verletzten.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman äußerte sich in einer Erklärung „tief geschockt“. Außenministeriumssprecher Jigal Palmor sagte, Israel vertraue auf die französischen Ermittlungsbehörden, dass „alles ans Licht kommt“. Der israelische Rundfunk berichtete in Sondersendungen über die Bluttat.

Frankreichs sozialistischer Präsidentschaftskandidat François Hollande hat nach dem Attentat auf eine jüdische Schule in Toulouse zu einer gemeinsamen Reaktion aufgerufen. „Wir müssen alles tun, damit antisemitische Taten und Rassismus zu einer gemeinsamen und entschlossenen Antwort der ganzen Republik führen“, sagte Hollande nach einem Besuch der Schule. Ganz Frankreich sei getroffen worden.

Hollande gilt bei den kommenden Präsidentschaftswahlen als Sarkozys wichtigster Kontrahent. Dieser hatte sich bereits am Vormittag am Tatort ein Bild von der Lage gemacht.

Von

afp

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