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29.05.2013

16:53 Uhr

Mount Everest

Das dicke Geschäft in dünner Luft

VonMichael Stahl

Hunderte Abenteuerlustige bezahlen jede Saison viel Geld, um auf den höchsten Punkt der Erde zu klettern. Das Geschäft mit dem Mount Everest blüht. Viele wollen daran verdienen – und das, obwohl es regelmäßig Tote gibt.

Bald geschafft: Die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel sind nur noch mit Höheneuphorie und unbändigem Willen zu meistern. ap

Bald geschafft: Die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel sind nur noch mit Höheneuphorie und unbändigem Willen zu meistern.

Selten lag eine Zeitung mit einer Schlagzeile so daneben, wie die britische „Evening News“: „Verbissene Zähigkeit besiegt Everest. Er wird nie wieder erstiegen werden“, titelte das Blatt 1953, kurz nachdem die Nachricht über die erfolgreiche Erstbesteigung des höchsten Bergs im Königreich eintraf.

Der neuseeländische Bienenzüchter Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay hatten am 29. Mai 1953 gegen 11.30 Uhr als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest erreicht. Seitdem hat das nepalesische Tourismusministerium rund 4000 weitere Gipfelstürmer registriert.

Was damals als historische und heldenhafte Entdeckerleistung rund um den Globus gefeiert wurde, ist heute zu einem einträglichen Geschäft geworden. Schnellster Aufstieg, ältester Gipfelbezwinger, der erste Blinde auf dem Dach der Welt: Kritiker beklagen schon lange, der Everest würde zunehmend von Selbstdarstellern instrumentalisiert. Zu sehr stünden kommerzielle Interessen im Fokus, sagen sie.

Rekorde rund um den Mount Everest

Erste Menschen auf dem Everest

Edmund Hillary und Tenzing Norgay stehen 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest.

Erste Frau

Am 16. Mai 1975 erreicht die Japanerin Junko Tabei als erste Frau das Dach der Welt.

Ohne zusätzlichen Sauerstoff

Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen den Berg am 8. Mai 1978 ohne künstlichen Sauerstoff.

Winterbesteigung

Die erste erfolgreiche Besteigung im Winter gelingt den Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy am17. Februar 1980.

Solobesteigung

Am 20. August 1980 klettert Reinhold Messner alleine und ohne künstlichen Sauerstoff auf den Gipfel.

Paraglide-Flug

Der Franzose Jean Marc Boivin fliegt nach seinem erfolgreichen Gipfelsturm mit einem Paraglieder vom Berg.

Längster Gipfelaufenthalt

Babu Chiri Sherpa aus Nepal verbringt am 6. Mai 1999 21 Stunden auf dem Gipfel.

Die schnellste Besteigung

Lhakpa Gelu Sherpa aus Nepal gelingt am 26. Mai 2003 der Aufstieg von Süden her in zehn Stunden und 56 Minuten. Von Norden aus stellt der Südtiroler Hans Kammerlander am 24. Mai 1996 den Rekord von 16 Stunden und 45 Minuten auf.

Erste Abfahrt auf Skiern

Davo Karnicar aus Slowenien fährt am 7.Oktober 2000 in fünf Stunden vom Gipfel zum Basecamp ohne die Skier abzuschnallen.

Erste Abfahrt auf einem Snowboard

Der Franzose Marco Siffredi fährt am 23.Mai 2001 mit dem Snowboard vom Gipfel.

Der erste Blinde auf dem Gipfel

Ohne Augenlicht schafft es als erster Erik Weihenmayer aus den USA am 25.Mai 2001 auf den Berg.

Die meisten Besteigungen

Apa Sherpa stand insgesamt 21 Mal auf dem Dach der Welt.

Jüngster Mensch auf dem Everest

Der jüngste Besteiger ist bislang der US-Amerikaner Jordan Romero, der 2010 im Alter von 13 Jahren den Gipfel erreichte.

Ältester Mensch auf dem Everest

Am 23. Mai 2013 erreicht mit dem 80-jährigen Japaner Yuichiro Miura der bislang älteste Mensch auf dem Gipfel.

Einer dieser „Selbstdarsteller“ ist Aydin Irmak. Vergangenes Jahr versuchte der New Yorker Fahrradhändler mit seinem Drahtesel den Gipfel zu erreichen. Es wäre ein schöner PR-Gag gewesen, für ihn und die von ihm engagierte Expeditionsagentur. Doch im Basislager nahmen ihm Beamte der Umweltbehörde sein Gefährt ab. Am Ende stand er ohne Zweirad auf dem Gipfel. Ein Buch über sein Abenteuer hat er bereits fertig. Es sind Geschichten wie diese, die dafür sorgen, dass auch Menschen ohne große Bergerfahrung eine erfolgreiche Besteigung für möglich halten. Ihre Zahl wird Jahr für Jahr größer – und das sorgt für sprudelnde Einnahmen am Berg der Berge.

Das große Geschäft mit dem höchsten Punkt der Erde beginnt Mitte der 1980er Jahre. Richard „Dick“ Bass, Millionär aus Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma, will als erster Mensch auf dem höchsten Berg jedes Kontinents stehen. 1985 fehlt ihm von den so genannten „Seven Summits“ nur noch der Everest.

Nach drei missglückten Versuchen beauftragt der Unternehmer den Bergsteiger David Breashears damit, ihn auf den Gipfel zu führen. Als Bass am 30. April 1985 im Alter von 55 Jahren auf dem Dach der Welt steht, fällt der Startschuss für den Ausverkauf des Everest. Das erfolgreiche Unternehmen ruft weitere wohlhabende Abenteuerlustige auf den Plan und erfahrene Bergsteiger wittern ein einträgliches Geschäft darin, gutbetuchte Kunden auf den Gipfel zu führen.

Kommentare (7)

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sandansky

29.05.2013, 17:29 Uhr

Symbolisch auf die EU übertragen: wir sind über den Everestgipfel bei den Schulden WEIT HINAUS.
(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe

Account gelöscht!

29.05.2013, 17:37 Uhr

Der Mount Everest ist der höchste Friedhof der Welt, sehr viele Leichen wurde ja nie eingesammelt, die gammeln da teilweise direkt neben der Wegstrecke vor sich hin, im Netz gibt es entsprechende Bilder. Wer meint dahin zu wollen sollte sich überlegen, ob er der Menschheit nicht irgendwas sinnvolleres antun kann.

forenfux

29.05.2013, 19:17 Uhr

ich würd fast sagen, die Toten sind gut für's Geschäft. Wenn's ne Rolltreppe auf den Gipfel gibt, will da bestimmt keiner mehr hin....
Aber wer weiß, was die Chinesen da noch so hinklotzen. Wundern würd mich das nicht :)

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