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21.11.2013

16:50 Uhr

Münchener Kunstfund

Bundesregierung erhöht Druck auf Gurlitt

ExklusivBundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger warnt den Kunsthändler Cornelius Gurlitt vor Unnachgiebigkeit in der Diskussion über die Zukunft der sichergestellten Kunstwerke. Er trage „moralische Verpflichtungen“.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rät Gurlitt zu Nachgiebigkeit. dpa

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rät Gurlitt zu Nachgiebigkeit.

BerlinDie Bundesregierung erhöht den Druck auf den Kunstsammler Cornelius Gurlitt. „Herr Gurlitt trägt neben rechtlichen auch moralische Verpflichtungen“, sagte die amtierende Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) dem Handelsblatt (Freitagausgabe). „Ich denke, dass er sich dieser Tatsache nicht ewig wird verschließen können.“

Es sei für einen 80-jährigen Mann auch nicht angenehm, „so lange einem medialen Trommelfeuer ausgesetzt zu sein“, sagte die Ministerin. „Ich hoffe, dass er und diejenigen Personen, die zu ihm Zugang haben, dies bald einsehen werden.“ Wenn sich Gurlitt aber weiter unnachgiebig zeige, räumte Leutheusser-Schnarrenberger ein, „dann kann sich der Fall noch lange hinziehen, zum Schaden aller Seiten“.

Forderungen nach einer rückwirkenden Verlängerung der Verjährungsfristen wies Leutheusser-Schnarrenberger zurück. „Eine bereits eingetretene Verjährung per Gesetz nachträglich aufzuheben, ist nur sehr schwer vorstellbar. Wenn ein solches Gesetz in Karlsruhe scheitert, ist auch niemandem geholfen“, sagte sie. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings, räumte ein, dass die Verjährung der Rückgabeansprüche nach 30 Jahren „zu schwer vermittelbaren und moralisch fragwürdigen Ergebnissen führen“.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, mahnte zu höchster Sensibilität im Umgang mit den bei Gurlitt sichergestellten Kunstwerken. „Ich denke, wichtig ist es zu verstehen: unbedachte Äußerungen auf deutscher Seite können im Ausland in dieser sensiblen Sache oft geradezu desaströse Wirkung haben“, sagte er dem Handelsblatt. Transparenz, Sensibilität und Fairness seien nun das Gebot der Stunde. Zugleich lobte Graumann die neu eingerichtete Taskforce: „Die Politik hat nun klug und zügig reagiert.“

Von

tho

Kommentare (4)

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kfvk

21.11.2013, 17:21 Uhr

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat schon ein komisches Rechsverständnis. Wenn die Bilder inzwischen Herrn Gurlitt rechtmäßig gehören, sollte sie einfach ihre letzten Tage im Amt still absitzen, statt Dinge zu reden, die man als Justizministerin besser liese. Sie es dann ja in ihren Memoiren erzählen, wie schwer ihr das Schweigen gefallen ist ... Dass man privat diese Meinung äußert, ist ja in Ordnung und nachvollziehbar ...

Charly

21.11.2013, 17:27 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

anonym

21.11.2013, 18:34 Uhr

Es ist immer schwer, zwischen Recht und Moral zu unterscheiden. Den alten Mann nun seitens der offiziellen Stellen zu bedrängen ist aus der Sicht der Politik vielleicht nachvollziehbar wg des großen internationalen Drucks, wenngleich höchst unanständig. Natürlich ist man geradezu skandalös mit den Opfern der Nazi-Gewalt umgegangen. Aber man kann nicht ein Unrecht durch ein anderes heilen und einfach das Recht ausser Kraft setzen und eine lex Gurlitt erfinden. Der Umgang mit den Persönlichkeitsrechten von G. und seinem Besitz (vielleicht nicht Eigentum) ist mehr als fragwürdig durch die Behörden!

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