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22.01.2017

08:25 Uhr

Münchner Amoklauf

Schwerer Weg zur Normalität

Der Amoklauf in München hat für Erschütterung gesorgt. Ein halbes Jahr später sind immer noch nicht alle zur Normalität zurückgekehrt. Die Aufarbeitung dauert – sicherheitspolitisch, emotional und juristisch.

Von Schnee bedeckte Stofftiere und Kerzen liegen gegenüber einer McDonald`s-Filiale auf dem Gehweg vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München. Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf mit zehn Toten hat die Filiale wieder geöffnet. Dort hatte ein 18-Jähriger mehrere seiner Opfer erschossen. dpa

Nach dem Amoklauf in München

Von Schnee bedeckte Stofftiere und Kerzen liegen gegenüber einer McDonald`s-Filiale auf dem Gehweg vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München. Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf mit zehn Toten hat die Filiale wieder geöffnet. Dort hatte ein 18-Jähriger mehrere seiner Opfer erschossen.

MünchenDie Teddys sehen aus wie kleine Schneemänner. Plastikblumen, Fotos, abgebrannte Kerzen und Abschiedsbriefe sind unter der Schneedecke verschwunden: Ein halbes Jahr nach dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) in München halten trotz der klirrenden Kälte Menschen an dem provisorischen Gedenkort inne. Hier erschoss ein 18-Jähriger am 22. Juli neun Menschen und sich selbst. Viele weitere wurden verletzt, manche traumatisiert – und eine ganze Stadt für viele Stunden in einen Ausnahmezustand versetzt.

Motiv des jugendlichen Amokläufers vermutlich: Er fühlte sich von Mitschülern gemobbt. Fast 60 Mal feuerte er, ehe er sich selbst richtete. Die Ermittler fanden 57 Patronenhülsen, die der Tatwaffe zugeordnet werden konnten.

In einer McDonald's-Filiale gegenüber des Einkaufszentrums schoss er zuerst auf die vorwiegend jungen Gäste. Allein hier gab es fünf Tote. Er hatte zuvor sogar versucht, über Facebook mit einer Einladung Bekannte anzulocken – die aber nicht kamen.

Was bedeuten die Begriffe?

Amoklauf

In Asien nannte man sie „amucos“ – Krieger, die den Feind ohne Angst vor dem Tod angreifen und vernichten. Heute beschreibt der Begriff in der Regel blindwütige Aggressionen – mit und ohne Todesopfer. Die meisten Amokläufer sind männlich und eigentlich unauffällig, in vielen Fällen ledig oder geschieden. Neben psychisch kranken Tätern gibt es auch Amokläufer, die aus banalen Gründen plötzlich ausrasten. Angst, Demütigung oder Eifersucht haben sich oft lange aufgestaut, bevor es zur Katastrophe kommt. Teils werden Taten auch im Kopf durchgespielt. „Amok“ kommt aus dem Malaiischen und bedeutet „wütend“ oder „rasend“.

Terrorismus

...ist politisch motivierte, systematisch geplante Gewalt, die sich gegen den gesellschaftlichen Status quo richtet und auf politische, religiöse oder ideologische Veränderung ausgerichtet ist. Dass Terroristen töten und zerstören, ist Mittel zum Zweck. Sie wollen vor allem Verunsicherung in die Gesellschaft tragen. Terrorakte richten sich oft gegen die Zivilbevölkerung oder symbolträchtige Ziele.

Terror

...geht auf das lateinische Wort „terrere“ zurück, was „erschrecken“ oder „einschüchtern“ bedeutet. Terror und Terrorismus werden oft gleichbedeutend verwendet. Im Unterschied zum Terrorismus bezeichnet der Begriff „Terror“ aber eher das Machtinstrumentarium eines Staates. Der „Terror von oben“ steht für eine Schreckensherrschaft, die willkürlich und systematisch Gewalt ausübt, um Bürger und oppositionelle Gruppen einzuschüchtern. Auch in die Umgangssprache hat der Begriff Eingang gefunden – etwa für extreme Belästigung, zum Beispiel Telefonterror.

Attentate

...sind politisch oder ideologisch motivierte Anschläge auf das Leben eines Menschen, meistens auf im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeiten. Der Ausdruck „Attentäter“ wiederum wird auch für Menschen verwendet, die einen Anschlag auf mehrere Menschen begehen. Terroristische Attentäter zielen etwa auf Angehörige eines ihnen verhassten Systems oder einer Religion ab. Mit Anschlägen auf öffentlichen Plätzen, in Verkehrsmitteln oder auf Feste versuchen sie, in der Bevölkerung Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Begriff „Attentat“ leitet sich vom lateinischen attentare (versuchen) im Sinne eines versuchten Verbrechens ab.

In dem Restaurant, nach der Tat mit dunklen Sichtschutz abgesperrt, ist drinnen nichts mehr wie vorher. Es bekam von McDonald's ein neues Design. „Für uns war klar, dass wir in keinem Fall das Restaurant in der ursprünglichen Form wieder eröffnen werden“, sagt Unternehmenssprecher Philipp Wachholz. McDonald's habe sich zugleich jedoch ganz bewusst entschieden, das Restaurant weiterzuführen. „Für uns war die Wiedereröffnung ein wichtiger Schritt, um den Weg zurück zur Normalität zu finden.“ Terror und Gewalt dürften nicht das Leben bestimmen. Sehr viele Mitarbeiter hätten ausdrücklich in der Filiale weiterarbeiten wollen, einige seien auf ihren Wunsch versetzt worden.

Ein halbes Jahr später ist das Restaurant gut besucht. „Ja, man denkt daran“, sagt einer der Gäste. Eine junge Angestellte guckt ratlos. Sie hat gerade hier angefangen. Was vor einem halben Jahr geschehen ist? Nein, davon hat sie nichts gehört.

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Im OEZ herrscht Alltagstrubel. Käufer strömen durch die Einkaufsmeile. Aber noch bei weitem nicht so viele wie früher, meinen viele. 30 Prozent weniger Besucher kämen auch jetzt noch, sagen die Chefin eines Zeitungsladens und auch der Inhaber eines Modeladens. „Alle haben Existenzangst“, ruft der Obsthändler unweit der provisorischen Gedenkstätte wütend. Und das nur, „weil der Depp geschossen“ und die Polizei ihn nicht gehindert habe.

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