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08.05.2016

08:31 Uhr

Muttertag

Vollzeitmütter in Erklärungsnot

Früher wurden manche Mütter beschimpft, wenn sie arbeiten gingen. Heute ist es oft umgekehrt. Vollzeitmütter, die daheim bleiben, müssen sich rechtfertigen. Eine junge Frau aus Brandenburg kämpft dagegen an.

Helena von Hutten posiert mit ihren Töchtern, Esther (2) und Clementine (7),  in ihrem Garten in Wustermark in Brandenburg. Sie kämpft gegen die Diskriminierung von Vollzeitmüttern. dpa

Lieber bei den Kindern

Helena von Hutten posiert mit ihren Töchtern, Esther (2) und Clementine (7), in ihrem Garten in Wustermark in Brandenburg. Sie kämpft gegen die Diskriminierung von Vollzeitmüttern.

WiesbadenDie siebenjährige Clementine klettert auf einen Baum, am Ast neben ihr klammert sich ihre Schwester Johanna fest. Mutter Helena schaut dem Treiben im frühlingshaften Garten zu, das dritte Töchterchen Esther auf dem Arm. Ein normaler Nachmittag im Haushalt der Familie von Hutten im brandenburgischen Wustermark. Während andere Kinder noch in Schule und Kita sind, genießen die Mädchen die Stunden zu Hause.

Die Familie lebt ein Modell, wie es zwischen 1960 und Mitte der 1990er Jahre vor allem in Westdeutschland selbstverständlich war: Der Mann verdient das Geld, die Frau kümmert sich um die Kinder. Doch während arbeitende Mütter als „Rabenmütter“ beschimpft wurden, müssen sich heute auch Frauen, die zu Hause bleiben, Kritik gefallen lassen.

In Zeiten, in denen die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) kurz nach der Geburt wieder am Schreibtisch sitzt, stehen manche Mütter unter Rechtfertigungsdruck. „Andere Mütter werfen mir vor, altmodisch und unemanzipiert zu sein“, sagt von Hutten. Sie will ihren Kindern Geborgenheit, Ruhe und einen Rhythmus im Leben geben. Auch Fahrlässigkeit in Sachen Bildung sei ihr attestiert worden, weil sie die Mädchen erst mit drei in die Kita brachte. 

Als die Sticheleien zunahmen, verteidigte sie ihr Modell in einem offenen Brief im Internet. Jetzt arbeitet sie mit einer Pädagogin an einem Buch. „Wir wollen gehört werden und Frauen ermutigen, selbstbestimmt zu leben“, sagt von Hutten.

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Die 30-Jährige will, dass mehr Frauen die Chance haben, sich für ein Leben als Vollzeitmutter zu entscheiden. „Kitaplätze werden mit 1.000 Euro monatlich subventioniert. Wer zu Hause bleibt, bekommt in den meisten Bundesländern nicht einmal mehr Betreuungsgeld“, ärgert sich von Hutten. Sie habe auch nichts dagegen, wenn Väter zu Hause blieben - Hauptsache, ein Elternteil sei für die Kinder da.

Gerade erst haben die Schriftstellerinnen Alina Bronsky und Denise Wilk in ihrem Buch „Die Abschaffung der Mütter“ eine mangelnde Wertschätzung der Mutterschaft thematisiert. „Sich Hausfrau zu nennen, ist heute schon etwas Revolutionäres“, sagt die vierfache Mutter Bronsky. Alle seien hypnotisiert von der Norm der Super-Mama, die Beruf und Kinder unter einen Hut bringe. „Wer sich für ein anderes Modell entscheidet, lebt fast schon in einer Tabuzone.“

Der „Spiegel“ schreibt gar von einem Comeback der Hausfrau. Doch das traditionelle Modell wird seltener. Brachten 1996 bundesweit noch in 40 Prozent der Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind nur die Väter das Geld nach Hause, war dies laut Statistischem Bundesamt 2014 nur noch in 29 Prozent der Familien der Fall.

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