Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2013

10:34 Uhr

Nach Affäre um Bischof

„Tebartz-Effekt“ sorgt für mehr Kirchenaustritte

Seit Jahren leiden die Kirchen in Deutschland unter Mitgliederschwund. Die Finanzaffäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst hat diese Tendenz nun deutlich verstärkt. Doch Tebartz ist nicht der einzige Grund.

Immer mehr Deutsche treten aus der Kirche aus. dpa

Immer mehr Deutsche treten aus der Kirche aus.

BerlinDie Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat der katholischen Kirche viele Negativ-Schlagzeilen eingebracht. Das Vertrauen vieler Katholiken in ihre Bischöfe ist massiv erschüttert, auch die evangelische Kirche spürt Auswirkungen. Folge: Vielerorts in Deutschland kehren mehr Menschen ihrer Kirche den Rücken als üblich, wie bundesweite Recherchen der Nachrichtenagentur dpa ergaben.

In Köln hat sich die Zahl der Kirchenaustritte von September auf Oktober mehr als verdoppelt und stieg auf 571. Das sei ein Spitzenwert in den vergangenen Jahren, sagte der Sprecher des Amtsgerichts, Marcus Strunk. Auch die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche stieg um knapp 80 Prozent auf 228. Je nach Bundesland sind Amtsgerichte, Standes- oder Einwohnermeldeämter für Kirchenaustritte zuständig. „Die Leute standen im Oktober morgens und abends Schlange“, schildete Strunk.

Ähnlich sah es in Paderborn aus. Nach Angaben des Amtsgerichts traten im Oktober mit 107 Katholiken dreimal so viele Menschen aus wie im Vormonat. Bei der evangelischen Kirche lag die Zahl mit 37 Austritten mehr als doppelt so hoch wie im September. Auch in Osnabrück und Bremen ging die Zahl der Kirchenaustritte im Oktober deutlich in die Höhe, ebenso in Bayern. In München gab es im Oktober 1250 Austritte, im Vergleich zu 602 im September. In Regensburg verdreifachte sich die Zahl nahezu. Insgesamt traten hier im vergangenen Monat 147 Menschen aus der Kirche aus, darunter 125 Katholiken. Ähnlich war die Entwicklung in Nürnberg und Passau.

Kommentar: Vergeben? Ja. Vergessen? Nein!

Kommentar

Vergeben? Ja. Vergessen? Nein!

Tebartz-van Elst wird suspendiert, doch sein Amt darf er erst einmal behalten. Wenn die Katholische Kirche nicht noch mehr an Glaubwürdigkeit – und Mitgliedern – verlieren will, darf der Bischof nicht ins Amt zurück.

Aus Rückmeldungen sei zu erfahren, dass die Affäre um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst der Anlass für Kirchenaustritte war, sagte der Sprecher des Bistums Trier, André Uzulis. Das Bistum erhalte Briefe und Anrufe, in denen Katholiken ihrem Unmut Luft machten. In Trier traten im Oktober 97 Menschen aus der Kirche aus, wobei das Standesamt nicht zwischen katholischer und evangelischer Konfession unterscheidet. Im September waren es lediglich 38.

Dem Bad Homburger Amtsgerichtsdirektor Stephan Schmidt zufolge ist ein „Tebartz-Effekt“ deutlich zu sehen. Dort wurden im Oktober 118 Austritte bei der katholischen Kirche gezählt – gegenüber 23 im Vormonat.

Für den Religionssoziologen Detlef Pollack von der Universität Münster reihen sich diese Zahlen in eine längerfristige Entwicklung ein. Die christlichen Kirchen in Deutschland müssten weiter mit sinkenden Mitgliederzahlen rechnen, sagte er. „Das Wohlstands- und Bildungsniveau ist so hoch und die soziale Absicherung so gut, dass immer weniger Menschen die seelsorglichen und sozialen Angebote der Kirchen nachfragen.“ Das gelte trotz Reformsignalen von Papst Franziskus und Neuerungen in den evangelischen Landeskirchen.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

07.11.2013, 10:45 Uhr

Bildung: der Schlüssel um die Religionen hinter sich zu lassen. Jesus konnte über das Wasser laufen? Lächerlich. Ich kenne die Namen von Zwölf Menschen die über die Oberläche des Mondes gegangen sind.

Account gelöscht!

07.11.2013, 10:49 Uhr

"Jesus konnte über das Wasser laufen? Lächerlich."
---
Man muß nur wissen, wo genau die Poller knapp unter der Wasseroberfläche stehen! :-)

Account gelöscht!

07.11.2013, 10:53 Uhr

Chuck Norris: "Welche Poller?"

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×