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22.10.2013

13:03 Uhr

Nach Amoklauf an US-Schule

„Das Undenkbare ist wieder passiert“

Ein junger Schüler hat in den USA am Montag einen Lehrer und sich selbst erschossen. Der Fall ist ein Sinnbild für die steigende Zahl der Amokläufe in den Staaten.

Trauernde nach einem Amoklauf an einer Mittelschule in Sparks, Nevada, in den USA. ap

Trauernde nach einem Amoklauf an einer Mittelschule in Sparks, Nevada, in den USA.

San Francisco/WashingtonEin beherzter Lehrer konnte möglicherweise noch Schlimmeres verhindern, doch er zahlte dafür mit seinem Leben. Der 45-jährige Michael Landsberry wurde am Montag als „Held“ gepriesen. Im Morgengrauen am Montag, kurz vor Unterrichtsbeginn an der Mittelschule in Sparks (US-Staat Nevada), griff er Augenzeugen zufolge spontan ein, als ein junger Schüler eine Waffe zückte.

Er wollte den Jungen vom Schießen abbringen, sagte der sichtlich geschockte Siebtklässler Sean McCall später vor Fernsehkameras. Dann musste er mit ansehen, wie sein Mitschüler auf den Lehrer zielte und abdrückte. Er selbst sei um sein Leben gerannt und habe sich in einem Klassenzimmer versteckt, erzählt McCall.

Er ist eines von Dutzenden traumatisierten Kindern, Zeugen einer weiteren Schießerei an einer amerikanischen Schule. Es war kein Massaker, wie im vergangenen Dezember an der Sandy-Hook-Grundschule in Newton (Connecticut), als ein Amokläufer 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss. Am Ende sind es in Sparks zwei Tote. Der Lehrer und der mutmaßliche Schütze. Der Schüler habe sich nach der Bluttat selbst erschossen, sagte der stellvertretende Polizeichef Tom Miller. Seinen Namen, sein Alter und ein mögliches Motiv nannten die Ermittler zunächst nicht.

Amokläufe in den USA seit April 2012

April 2012

Bei einem Amoklauf an einem Privatcollege im nordkalifornischen Oakland kommen sieben Menschen ums Leben. Ein 43 Jahre alter ehemaliger Schüler stellt sich der Polizei. Er sei auf eine Angestellte und frühere Mitschüler wütend gewesen, erklärt er.

Juli 2012

Während der Mitternachts-Preview eines „Batman“-Films schießt ein 24-Jähriger in einem Kino der Stadt Aurora bei Denver (Colorado) um sich und tötet zwölf Menschen. 70 werden verletzt. Der Beginn des Hauptverfahrens ist für Februar 2014 geplant, dem Schützen droht die Todesstrafe.

August 2012

Mit einer Kalaschnikow feuert ein 23 Jahre alter frustrierter Angestellter in einem Supermarkt bei New York um sich und erschießt zwei Kollegen. Danach tötet er sich selbst.

August 2012

Eine geplante Zwangsräumung in Texas führt zu einer Schießerei mit drei Toten und vier Verletzten. Ein 35-Jähriger hatte sich in seiner Wohnung verschanzt und das Feuer eröffnet, als ein Polizist ihm den Räumungsbefehl übergeben wollte.

August 2012

Ein Ex-Soldat erschießt sechs Menschen in einem Sikh-Tempel in Wisconsin. Der Täter aus der rechten Szene stirbt durch eine Polizeikugel. Möglicherweise wollte er die Terroranschläge vom 11. September 2001 rächen und hielt die Sikhs für Muslime.

Dezember 2012

Beim bis dahin schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule kommen 27 Menschen ums Leben, darunter 20 Kinder. Der 20-jährige Schütze tötet sich nach dem Blutbad in der Grundschule in Newtown (Connecticut) selbst.

Dezember 2012

In Pennsylvania sterben bei einem Amoklauf vier Menschen, darunter der Schütze. Er erschießt in einer Kirche eine Frau, einen Mann in dessen Wohnung und später einen Autofahrer. Bei einer Verfolgungsjagd feuert er auf Polizisten, bevor er selbst tödlich getroffen wird.

April 2013

Mit einem Messer geht ein 21-Jähriger an einem College in Texas wahllos auf Mitstudenten los und verletzt 14 von ihnen. Die Polizei fasst ihn kurz nach der Tat. Nach Medienberichten hatte der Mann seit längerem Gewaltfantasien.

Juni 2013

Ein Mann schießt auf dem Campus des Santa Monica College um sich und tötet vier Menschen. Zuvor zwang der Mann eine Autofahrerin mit vorgehaltener Waffe, ihn zum Campus zu fahren. Polizisten erschießen den Mann in einer benachbarten Bücherei. Quelle: dpa

Fest steht aber, dass der Schütze etliche Schüsse abgab. Zwei 12-jährige Schüler wurden von Kugeln getroffen, einer in der Schulter, der andere im Unterleib. Die Ärzte gaben nach Stunden Entwarnung, der Zustand der Jungen sei jetzt „stabil“ hieß es. Die Polizei sprach von chaotischen Szenen auf dem Schulgelände. Kinder, die in Panik schrien, flüchteten und sich versteckten. Besorgte Eltern, die unter dem Geheul von Polizeisirenen zu dem Tatort eilten.

Auch Nicole Hockley, die ihren sechsjährigen Sohn Dylan bei dem Blutbad in Newton verloren hatte, nahm Anteil. „Das Undenkbare ist wieder passiert, diesmal in Sparks, Nevada“, klagte Hockley auf der Webseite der Organisation „Sandy Hook Promise“. Die Gruppe setzt sich unter anderem für schärfere Waffengesetze ein. Es müssten Lösungen gefunden werden, um solche Tragödien zu verhindern, fordert Hockley.

Nach dem Amoklauf in Newton hatten viele in Amerika auf strengere Waffengesetze gehofft. Präsident Barack Obama machte es zu einem politischen Hauptanliegen, dann aber behielten Republikaner und Waffenlobby doch die Oberhand. Der Senat stimmte gegen einen Entwurf, der striktere Kontrollen von Waffenkäufern vorsah. Auch Vorstöße für ein Verbot militärischer Waffen oder großer Magazine wurden abgeschmettert.

Kommentare (3)

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immer-wieder

22.10.2013, 13:58 Uhr

Und wie immer sind nur die Waffen schuld, so einfach kann doch die Welt sein oder ?

Also keine Waffen in private Hände und dann gibt es so etwas auch nicht.
leider finktioniert das ja aber so auch nicht, siehe England wo ein Taxifahrer trotz Waffenverbots einfach ein duzend Menschen erschossen hatte.

Anscheinent scheinen es aber alle einfach so hinzunehmen das Schüler einfach so austicken und andere Menschen umbringen wollen.

Auch hier verwette ich meinen Hintern darauf das der Schüler schon Erfahrungen mit bewustseinsverändernden Mitteln (auch Medikamente) hatte.

Aber wenn interessiert das schon.

s.Braun

22.10.2013, 14:17 Uhr

Und jedes Mal, wenn das in USA passiert fordern immer die gleichen Politiker schärfere Waffengesetze bei u n s ??
Deswegen gehen in den USA die Gewalttaten auch nicht zurück !

Gedankenverbrecher

22.10.2013, 18:43 Uhr

Amokläufe gab es immer, ob mit Schusswaffen oder Hieb- und Stichwaffen. Ein Verbot würde also aus objektiver Sicht nicht viel bringen. Warum diese Amokläufe stattfinden, dazu hört und liest man fast nichts. Z.B. Psychopharmaka als Auslöser.
Ein weiterer Aspekt, den man nicht übersehen darf, ist die massive Aufrüstung des DHS (Heimatschutzministerium) mit 1,6 Mrd. Hohlspitzgeschossen und ein wahrscheinlich bevorstehender Bürgeraufstand gegen die US-Regierung. Aus diesem Grund ist es die dümmste Idee für den einfachen US-Bürger, seine Waffen abzugeben. Wie soll er sich und seine Familie vor einer faschistoiden Regierung schützen?
Abgesehen davon wäre es wünschenswert, auch mal gut recherchierte Artikel über die US FEMA-Konzentrationslager und die vielen bereitgestellten Plastiksärge im Handelsblatt zu veröffentlichen.
All diese Fakten würden ein gewünschtes Waffenverbot in ein völlig anderes Licht rücken.
Man könnte es auch einfach so formulieren: Willst Du eine Diktatur errichten, dann entwaffne die Bürger.

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