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18.12.2012

03:24 Uhr

Nach Amoklauf

Hälfte der US-Bürger für schärfere Waffengesetze

Nach dem Massaker an einer US-Grundschule im Städtchen Newtown wurden nun die ersten Opfer beerdigt. Unterdessen werden die Forderungen nach strengeren Waffengesetzen immer stärker.

Debatte über strengere Waffenkontrolle

Video: Debatte über strengere Waffenkontrolle

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Newtown/WashingtonNach dem Massaker an einer US-Grundschule befürworten einer Umfrage zufolge deutlich mehr Bürger schärfere Waffengesetze. Eine am Montag veröffentlichte Erhebung von Reuters und Ipsos ergab, dass 50 Prozent der Befragten dafür plädierten, den Waffenbesitz strenger zu regeln. In einer Umfrage kurz vor dem Mord an 20 Grundschulkindern sowie sechs Erwachsenen an der Sandy Hook Elementary School am Freitag in Newtown befürworteten lediglich 42 Prozent einen solchen Schritt.

Debatte: Das Recht auf die Waffe

Debatte

Das Recht auf die Waffe

In den USA gehört das Tragen einer Waffe zu den Grundrechten. Nach dem Amoklauf in Newtown bahnt sich nun eine neue Debatte darüber an. Präsident Obama will die Gesetze verschärfen – doch dagegen regt sich Widerstand.

US-Präsident Barack Obama hatte bereits kurz nach dem Massaker politische Konsequenzen angekündigt und seine Aufforderung zum Handeln am Sonntag bei einer Trauerfeier bekräftigt. Am Montag beriet Obama mit Vize-Präsident Joe Biden, Justizminister Eric Holder, Bildungsminister Arne Duncan und Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius über die nächsten Schritte. Ein Sprecher von Obama sagte, der Präsident werde sich in den kommenden Wochen näher zu seinen Plänen äußern. Generell befürworte Obama aber ein Verbot von Sturmfeuerwaffen.

Das Ausmaß der Tragödie von Newtown scheint auch einige bisherige Verfechter der Waffenfreiheit zum Umdenken zu bewegen: So schlossen sich die beiden ranghohen Demokraten Joe Manchin, Senator aus West Virginia, und Mark Warner, Senator aus Virginia, der wachsenden Zahl von Politikern in Washington an, die sich für schärfere Waffengesetze einsetzen wollen. Dies hatten sie bislang entschieden abgelehnt. In der Vergangenheit hat die Waffenlobby, namentlich die National Rifle Association (NRA) eine strengere Reglementierung des Waffenbesitzes in den USA stets zu verhindern gewusst.

Amokläufe an amerikanischen Schulen und Universitäten

20. April 1999 - Littleton

Zwei mit Sturmgewehren bewaffnete US-Schüler töten in der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschießen sich die Täter selbst.

21. März 2005 - Minnesota

Ein 16-Jähriger erschießt in einem Indianerreservat im US-Bundesstaat Minnesota zunächst seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin. Anschließend tötet er in der Red Lake High School fünf Schüler, einen Sicherheitsbeamten und eine Lehrerin. Nach einem Schusswechsel mit der Polizei tötet sich der Junge selbst. Der Teenager war ein Hitler-Bewunderer mit Kontakten zu einer Neonazi-Gruppe.

12. Oktober 2006 - Pennsylvania

Der Fahrer eines Milchwagens erschießt im Bundesstaat Pennsylvania fünf Mädchen in einer Amish-Schule. Der 32-Jährige tötet die Kinder mit Kopfschüssen. Als Polizisten die Schule stürmen, bringt er sich um.

16. April 2007 - Blacksburg

Ein Amokläufer erschießt in der Technischen Universität in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia 32 Studenten und Lehrkräfte. Beim Eintreffen der Polizei nimmt sich der 23 Jahre alte Englischstudent aus Südkorea das Leben.

10. Oktober 2007 - Cleveland

Ein 14-jähriger Schüler läuft in einer technischen Oberschule in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) mit zwei Revolvern Amok. Er verletzt zwei Lehrer und zwei Mitschüler und erschießt sich dann selbst. Der jugendliche Amokläufer habe offenbar aus Zorn über einen Schulverweis zur Waffe gegriffen.

14. Februar 2008 - Illinois

Mitten in einer Vorlesung an der Northern Illinois University rund 100 Kilometer westlich von Chicago erschießt ein 27 Jahre alter Amokläufer am Valentinstag fünf Menschen und tötet sich anschließend selbst. Bis zum Frühjahr 2007 hatte er dort Soziologie studiert. Der offensichtlich psychisch kranke Täter trug auf den Armen Tätowierungen mit Horror-Motiven.

3. April 2012 - Kalifornien

Ein Amokläufer erschießt an einem christlichen Privatcollege in Kalifornien sieben Menschen. Der 43-Jährige ist ein ehemaliger Student in Oakland. Fünf Opfer sterben am selben Tag im Kugelhagel, zwei weitere erliegen später ihren Verletzungen.

Am Montag sind die ersten zwei Opfer des Schulmassakers von Newtown beerdigt worden. Der sechsjährige Noah Pozner und sein gleichaltriger Schulkamerad Jack Pinto wurden am Montagnachmittag (Ortszeit) zu Grabe getragen worden, berichteten US-Medien. Viele Menschen legten Blumen, Stofftiere und Ballons vor die kleine Synagoge des Nachbarortes Fairfield, wo die Trauerzeremonie für den aus einer jüdischen Familie stammenden Pozner stattfand, und ein Bestattungsinstitut in Newtown, wo Pinto betrauert wurde. Kamerateams waren zu den Beisetzungen nicht zugelassen worden.

Bluttat von Newtown: Amoklauf-Opfer weisen „verheerende Verletzungen“ auf

Bluttat von Newtown

„Verheerende Verletzungen“ der Opfer

Der verheerende Amoklauf hat eine heftige Debatte um das US-Waffenrecht ausgelöst.

Pozner, der erst vor wenigen Wochen sechs Jahre alt geworden war, war das jüngste der insgesamt 27 Opfer des Amoklaufs. Seine Zwillingsschwester Arielle überlebte die Bluttat in einem anderen Klassenzimmer. „Noah war ein kleines Kind. Er liebte Tiere, Videospiele und die Mario Brothers“, sagte sein Onkel Alexis Haller nach Medienberichten in einer Ansprache während der Trauerfeier. „Er konnte schon sehr gut lesen und hatte gerade erst ein neues Buch bekommen, auf das er sich sehr gefreut hat.“ Seine Eltern und die vier Geschwister habe er sehr geliebt, sagte Haller weiter. „Arielle nannte er immer seine beste Freundin und das war sie auch wirklich immer.“

Kommentare (3)

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WaffenrechtIstBurgerrecht

18.12.2012, 03:51 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Luegen

18.12.2012, 08:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

easyway

18.12.2012, 08:30 Uhr

Deutschland, Krisen- und Kriegsgebiet. Die Sprache ist verräterisch. Sicherheitszonen mit Kameraüberwachung liefern voyeuristische Bilder.
Was ist eigentlich die Ursache der Gewalt? Politker wollen uns weismachen, zu wenig Überwachung. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Ursache der Gewalt ist die Politik, die mit Agitation und bürgerfernen Maßnahmen Subkulturen entstehen lassen hat und gegeneinander ausspielt. Mißtrauen und Einschüchterung und präventive Kriminalisierung des Bürgers lassen Zweifel am Staat hochkömmen. Kameras selber sind die Saat der Gewalt.
Eine friedliche Gesellschaft wird sicher nicht mit Generalverdächtigung aufgebaut. Der Obrigkeit fehlt ganz einfach der Wille. Sie will das Blut, um sich zu legitimieren.
Und typisch natürlich, daß der freie Waffenhandel in den USA mit Jagd und Sportschießen in Deutschland gleichgesetzt wird. Die Medien machen ständg Fässer auf, die mit den eigentlichen Problemen gar nichts zu tun haben, wohl um von der eigenen Quertreiberei und Schuldigkeit abzulenken.

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