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28.08.2013

21:57 Uhr

Nach Amoklauf mit 13 Toten

Militärjury verurteilt Fort-Hood-Schützen zum Tode

Der Amokläufer von Fort Hood ist zum Tode verurteilt worden. Hasan nahm die Entscheidung ohne sichtbare Reaktion auf. Laut Prozessbeobachtern soll er es auf die Todesstrafe angelegt haben, um als Märtyrer zu sterben.

USA

Todesstrafe für Amokläufer von Fort Hood

USA: Todesstrafe für Amokläufer von Fort Hood

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WashingtonNach seinem Amoklauf mit 13 Toten auf dem texanischen Stützpunkt Fort Hood vor vier Jahren ist der US-Militärpsychiater Nidal Hasan zum Tode verurteilt worden. Das habe eine 13-köpfige Militärjury nach relativ kurzer Beratung entschieden, berichteten US-Medien am Mittwoch aus dem Gerichtssaal. Damit könnte es zum ersten Mal seit 1961 zur Hinrichtung eines aktiven US-Soldaten kommen. Hasan könnte die Vollstreckung nach Expertenmeinung aber durch juristische Manöver auch viele Jahre hinauszögern.

Der 42-Jährige war vor knapp zwei Wochen des 13-fachen vorsätzlichen Mordes und Mordversuchs in 32 Fällen schuldig gesprochen worden. Er hatte sich in dem Prozess selbst verteidigt, aber keine entlastenden Aussagen gemacht oder Zeugen aufgerufen.

Auf ein Schlusswort am Mittwoch verzichtete er. Prozessbeobachtern zufolge legt der in den USA geborene Muslim Wert auf eine Exekution, um als Märtyrer zu sterben und habe seine Hinrichtung geradezu angestrebt. Seine ihm zur Seite gestellten Pflichtverteidiger versuchten deshalb zwischenzeitlich vergeblich, von dem Fall abgezogen zu werden. Das Urteil nahm Hasan ohne sichtbare Reaktion auf.

Hasan hatte im November 2009 auf der Militärbasis in Texas ein Blutbad angerichtet. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, er habe sich als islamistischer Dschihad-Krieger verstanden und so viele US-Soldaten wie möglich erschießen wollen. Hasan wurde bei der Tat von der Polizei überwältigt und ist seitdem von der Hüfte abwärts gelähmt. Als Motiv gab der Militärpsychiater in Voranhörungen an, er habe mit seiner Tat die radikalislamischen Taliban in Afghanistan vor US-Soldaten schützen wollen.

Die USA und die Waffen

Undurchsichtige Rechtslage

Im Zweiten Zusatzartikel zur Verfassung ist das Recht auf privaten Waffenbesitz verbrieft. Dort heißt es: "Weil eine gut organisierte Miliz für die Sicherheit eines freien Staates erforderlich ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden." Die Frage, wie weit dieses Recht reicht und welchen Beschränkungen es unterworfen werden darf, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Seit 1993 steht etwa eine Überprüfung von Waffenkäufern im Bundesrecht. Verurteilte Kriminelle, Menschen mit psychischen Störungen oder Drogenabhängige dürfen demnach keine Schusswaffen erwerben. Ein im Folgejahr erlassenes Verbot halbautomatischer Gewehre wurde dagegen 2004 nicht verlängert. Dazu kommt ein Dschungel an Gesetzen und Verordnungen auf Ebene der Bundesstaaten und Kommunen. Immer wieder landeten regionale Beschränkungen für Waffenerwerb und -besitz dabei vor dem Obersten Gerichtshof, der in Grundsatzurteilen 2008 und 2010 ein Recht auf private Waffen anerkannte.

Zahl der Schusswaffen

Mehreren Studien zufolge sind in den USA bis zu 300 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz - das entspricht fast einer Waffe pro Einwohner. In einer Erhebung des Gallup-Instituts aus dem vergangenen Jahr gaben 47 Prozent der Befragten an, in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe zu leben. Jeder dritte US-Bürger ist demnach selbst Waffenbesitzer.

Die Waffenschmieden des Landes produzierten im Jahr 2011 knapp 2,5 Millionen Pistolen, 573.000 Revolver sowie mehr als drei Millionen Gewehre, wie die Statistiken der Behörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen (ATF) zeigen. In den USA gibt es fast 130.000 lizensierte Waffenhändler.

Opfer durch Waffengewalt

Mehr als 30.000 Menschen sterben in den USA jedes Jahr durch Schusswaffen - darunter sind mehr als 12.000 Morde. Die Anti-Waffen-Lobbyisten der Brady Campaign geben in ihrer Berechnung aus dem Jahr 2011 an, dass 270 Menschen täglich durch Schusswaffen verletzt oder getötet werden. Darunter seien auch 38 verletzte und acht getötete Minderjährige. Nach Angaben der Bundespolizei FBI wurden im vergangenen Jahr 68 Prozent aller Morde mit Schusswaffen verübt.

Militärstaatsanwalt Mike Mulligan sagte vor den Geschworenen, Hasan verdiene es, hingerichtet zu werden. Der Angeklagte sei Arzt, doch habe er kein Mitgefühl gehabt, als er auf die unbewaffneten Soldaten schoss. Als Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft eine von Hasan unterstellte „Pflicht zum Dschihad“. Nach Medienberichten soll Hasan angegeben haben, er habe mit seiner Tat islamistische Führer im Irak und Afghanistan vor US-Truppen schützen wollen.

Derzeit sitzen fünf weitere ehemalige Mitglieder der US-Streitkräfte in Todeszellen. Doch seit 1961 ist kein Soldat mehr hingerichtet worden. Auch bis zu Hasans Hinrichtung könnten noch Jahre vergehen.

Kommentare (3)

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Thomas-Melber-Stuttgart

28.08.2013, 22:29 Uhr

Ich denke, "Major" Hasan steht mit dem Rücken zur Wand.

Beobachter

29.08.2013, 02:27 Uhr

No problem, dem Wunsch des Märtyrertods wird Ihm geholfen werden. What a sick brain.

orakel

29.08.2013, 16:17 Uhr

Nur ein toter Terrorist ist ein guter Terrorist.

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