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31.03.2012

11:29 Uhr

Nach Aufrufen zu Lynchjustiz

Experte kritisiert Fehlverhalten der Ermittler

Nachdem sich der Verdacht gegen einen 17-Jährigen im Emder Mordfall nicht erhärten ließ, wird nun Kritik laut gegen die Staatsanwaltschaft. Laut einem Staatsrechtler hat ihr Verhalten dem Unschuldigen geschadet.

Ein Polizeifahrzeug steht am Freitag auf dem Gelände des Polizeireviers in Emden. dpa

Ein Polizeifahrzeug steht am Freitag auf dem Gelände des Polizeireviers in Emden.

Berlin/EmdenDie Kritik an den Sicherheitsbehörden im Mordfall Lena wird immer lauter. Die Staatsanwaltschaft sei mit den Sachverhalten zu offensiv an die Öffentlichkeit gegangen, sagte der Berliner Strafrechtsprofessor Martin Heger in der „Welt“ (Samstag). Der Fall aus Emden zeige, dass dies Unschuldigen schaden könne. Die Polizei hatte nur wenige Tage nach dem gewaltsamen Tod der elfjährigen Lena einen 17-jährigen Berufsschüler als Tatverdächtigen verhaftet. Am Freitag wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, weil kein Tatverdacht mehr gegen ihn besteht.

Heger forderte die Behörden auf, zur Rehabilitierung des zu Unrecht inhaftierten Jungen ebenso massiv an die Öffentlichkeit zu gehen. „Die Staatsanwaltschaft hat nun eine Pflicht zur Offenlegung der Entlastungsgründe - auch unter Inkaufnahme der Gefährdung des Untersuchungszwecks.“

Der Schock und das Unbehagen über die Geschehnisse der vergangenen Tage sitzen tief im ostfriesischen Emden - und nicht nur dort. Der Sexualmord an der elfjährigen Lena, die in einem Parkhaus mitten in der Innenstadt missbraucht und getötet wurde, schockiert die Menschen.

Verstört sind viele aber auch angesichts der Hassausbrüche gegen einen 17-jährigen Berufsschüler, der zwischenzeitlich als Verdächtiger galt. Im Internet und sogar bei einem Auflauf wütender Menschen vor einer Emder Polizeiwache wurde sogar zu Lynchjustiz gegen ihn aufgerufen. Seit Freitag ist klar: Der junge Mann ist unschuldig.

Die Polizei jedenfalls reagiert entsetzt auf die aufgeheizte Atmosphäre in der eigentlich so verschlafenen niedersächsischen Stadt. Von „Wild-West-Methoden“, die in einem Rechtsstaat nicht zu tolerieren seien, spricht Bernhard Witthaut, Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er fordert, die Rädelsführer derartiger Aufrufe in sozialen Netzwerken die „volle Härte des Gesetzes spüren zu lassen“. Seine nicht minder entsetzten Emder Kollegen hatten sich tags zuvor ähnlich geäußert.

Kommentare (6)

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kleinfeldt

31.03.2012, 12:00 Uhr

Dem unschuldigen jungen Mann ist mindestens eine Million Euro Schadenersatz zu zahlen!
Offensichtlich hat die Polizei vor der Verhaftung des Jungen auch gleich die Presse bestellt.

whisky

31.03.2012, 12:01 Uhr

Wie wärs, Bilder/Videos dieser Hohlköpfe, die vor dem Polizeipräsidium aufgelaufen sind, zu veröffentlichen?

kleinfeldt

31.03.2012, 12:03 Uhr

Dieser Staatsanwalt gehört abgesetzt!

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