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16.03.2012

12:16 Uhr

Nach Busunfall

Kritik an Veröffentlichung von Kinderfotos

Nach dem Busunfall eines Reisebusses aus Belgien haben mehrere Zeitungen Fotos der toten Kinder veröffentlicht. Aus Sicht der flämischen Kommunikations-Ministerin sowie dem Ethikrat der belgischen Presse ist das taktlos.

Trauertag in Belgien

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BrüsselNach dem tragischen Unfall des belgischen Reisebusses in der Schweiz hat die Veröffentlichung von Fotos der 28 Todesopfer, darunter vor allem der 22 getöteten Kinder, in mehreren flämischen Zeitungen scharfe Kritik von Regierungsseite hervorgerufen.

Dass die Fotos über soziale Netzwerke im Internet verfügbar seien, „heißt nicht, dass man sie nutzen und veröffentlichen kann“, sagte die für Kommunikation zuständige flämische Ministerin Ingrid Lieten am Freitag dem Sender VRT. „Und erst recht nicht, wenn man keine Erlaubnis dafür bekommen konnte“, fügte die Ministerin hinzu.

Der Ethikrat der belgischen Presse (CDJ) erklärte, das Informationsrecht der Journalisten sei „nicht unbegrenzt“. In einer Mitteilung kritisierte der CDJ insbesondere die Praxis, Fotos in sozialen Netzwerken im Internet aufzuspüren und dann in den Medien zu veröffentlichen, wie dies offenbar bei den getöteten Kindern der Fall war.

Polizisten überführen die Opfer heute aus der Schweiz. dpa

Polizisten überführen die Opfer heute aus der Schweiz.

Mehrere flämische Zeitungen hatten am Freitag Porträtfotos der Todesopfer veröffentlicht. Die Kinder kamen aus zwei Schulen in Flandern. Unterdessen trafen am Vormittag die ersten Särge mit den Todesopfern auf einem Flughafen nahe Brüssel ein, wie belgische Medien berichteten. Um elf Uhr trauerte ganz Belgien mit einer Schweigeminute um die Opfer. Danach läuteten die Kirchenglocken.

Auch die deutsche „Bild“-Zeitung hat in ihrer heutigen Ausgabe Bilder der Kinder auf der Titelseite abgedruckt. Aus Sicht des Deutschen Journalistenverbandes sind diese Fotos jedoch unproblematisch, da die Namen der Kinder dem deutschen Leser nicht bekannt seien, sagte ein DJV-Sprecher Handelsblatt Online.

Dadurch könnten keine Rückschlüsse auf Identität gezogen werden. Grenzwertig seien aber Bilder von Trauernden und Angehörigen, die auf der Online-Ausgabe von Bild zu sehen sind, so der Sprecher.

Die Schüler waren auf dem Rückweg von einem Skiurlaub in der Schweiz, als ihr Bus am Dienstagabend in einem Autobahntunnel bei Siders von der Fahrbahn abkam, gegen einen Bordstein fuhr und frontal gegen die Betonmauer einer Nothaltebucht prallte.

Von

afp

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