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23.03.2011

09:20 Uhr

Nach dem Beben

Schwarzer Rauch über Fukushima

Eine Mutter mit Kind in einer Notunterkunft in Saitama. Quelle: dapd

Eine Mutter mit Kind in einer Notunterkunft in Saitama.

Tepco-Mitarbeiter müssen Arbeiten abbrechen. Die Ursache des Qualms ist unklar.

Der Fernsehsender NHK zeigte Bilder von dunklen Schwaden über Reaktor 3. Flammen waren nach Angaben der Betreiberfirma Tepco nicht zu sehen. Woher der Rauch komme, sei noch unklar, sagten Mitarbeiter von Tepco. Auch war zunächst noch nicht bekannt, wie viele Arbeiter sich in Sicherheit bringen mussten.

Nach den heftigen Erdstößen, die am Mittwoch die Umgebung des Atomkraftwerks Fukushima erschüttert haben, schien eine Normalisierung der Lage im havarierten Kernkraftwer Fukushima Daiichi zunächst wahrscheinlich. Nun schiebt der neue Rauch die Arbeiten zur Wiederherstellung des regulären Kühlsystems offenbar hinaus.

Techniker hatten im Kontrollraum von Block 3 bereits die Beleuchtung repariert. Sie mussten sich in Sicherheit bringen. Am Nachmittag war dort außerdem ein neuer Feuerwehreinsatz zur Kühlung geplant, sagte der Sprecher der Atomsicherheitsbehörde NISA, Hidehiko Nishiyama. Als nächstes sollten die Pumpen für den Wasserkreislauf an den Abklingbecken der Blöcke drei und vier angeschlossen werden, danach die Kühlung für den eigentlichen Reaktor. Noch ist jedoch unklar, ob die Pumpen überhaupt funktionieren.

Die Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) prüft daher neben der Reparatur die Möglichkeit, einzelne Einheiten komplett durch ähnliche Pumpen aus Schwesteranlagen zu ersetzen. „Damit sind wir noch nicht über den Berg, aber die Richtung stimmt“, teilte ein Sprecher des Amtes für Reaktoraufsicht mit.

Block 3 gilt als besonders gefährlich, weil hier Mischoxid-Brennelemente mit Plutoniumanteil zum Einsatz kommen. Bei einer Freisetzung droht eine besonders starke Belastung von Mensch und Umwelt. Nach den jüngsten Beben hatte es seitens der Reaktorsicherheitsbehörde NISA zunächst geheißen, es seien keine weiteren Schäden entstanden, teilte die mit.

Die Reparatur der Infrastruktur im japanischen Erdbebengebiet kommt unterdes voran. Am Mittwoch hat ein erster Tankzug mit Benzin und Heizöl den Bahnhof Morioka erreicht, der am Rande der zerstörten Landstriche liegt. Wegen kalten Wetters fehlt den Menschen dort derzeit vor allem Brennstoff. Der Benzin- und Dieselmangel behindert wiederum Hilfstransporte und Aufräumarbeiten.

Auch ein erster Hochgeschwindigkeitszug ist heute wieder in den Bahnhof Morioake eingefahren, nachdem Eisenbahnarbeiter die Reparatur der Schienenstränge am morgen abgeschlossen haben. Die Züge kommen nicht direkt aus dem wirtschaftlich bedeutenderen Süden Japans, sondern müssen einen Umweg an der Westküste entlang nehmen. Sie stoßen dann von Norden her ins Katastrophengebiet hinein.

Im Leitungswasser der japanischen Hauptstadt Tokio hat die zuständige Überwachungsbehörde unzulässig erhöhte Mengen von radioaktiven Isotopen entdeckt. Im Stadtteil Kanamachi traten erhöhte Strahlenwerte auf. Es steht praktisch außer Frage, dass dieser Anstieg auf die Freisetzung von Kernbrennstoff aus dem weitgehend zerstörten Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nördlich von Tokio zurückgeht.

Zuvor waren bereits in der Stadt Fukushima erhöhte Werte abgelesen worden. Die Isotope gelangen vermutlich in die Umwelt, weil die Rettungsmannschaften seit zwölf Tagen immer wieder Dampf aus den inneren Kreisläufen der Katastrophenreaktoren ablassen müssen. Sie setzen sich dann als Staub oder mit dem Regen auf der Erde, auf Blättern und Gemüse ab. Versickert das Wasser, kann es auch Trinkwasserquellen erreichen.

Japan ist besonders stolz auf die hervorrangende Qualität seines Wassers und seine generell besonders hohe Lebensmittelsicherheit. So sind gentechnisch hergestellt Produkte dort durchweg verboten. Die radioaktive Kontamination wird die Verbraucher nun voraussichtlich stark verunsichern.

Mit dpa

Von

fmk

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