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15.01.2010

22:28 Uhr

Nach dem Haiti-Beben

23 Verschüttete aus Trümmern gerettet

Bei dem Erdbeben in Haiti sind nach offiziellen Angaben bis zu 140 000 Menschen ums Leben gekommen. Allerdings gab es inmitten der Apokalypse auch einzelne Lichtblicke: Laut Berichten wurden 23 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen.

HB PORT-AU-PRINCE. Etwa 40 000 Leichen seien bereits bestattet worden, sagte der für die Innere Sicherheit zuständige Minister Aramick Louis am Freitag. Weitere 100 000 Tote würden noch unter den Trümmern befürchtet. Die größte Sorge der Regierung sei an Anstieg der Gewalt. Es würden immer mehr Straßenbanden durch die verwüstete Hauptstadt Port-au-Prince ziehen.

Doch es gab auch Erfolgen: Internationale Suchtrupps hätten 23 Menschen lebend aus den Trümmern des Hotels Montana geborgen, sagte der chilenische Entsandte Juan Gabriel Valdés. In dem Hotel hatten viele Ausländer gewohnt. Dennoch schlägt drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben die Verzweiflung der Menschen über die nur schleppend anlaufende Hilfe immer öfter in offene Wut um. In der Hauptstadt Port-au-Prince errichteten Haitianer Straßensperren aus Leichen, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Das Beben der Stärke 7 hat die ohnehin schlechte Infrastruktur des ärmsten Landes der westlichen Hemisphäre weitgehend zerstört. So können die Hilfsorganisationen aus 30 Ländern ihre Arbeit nur allmählich aufnehmen.

Auch deutsche Helfer sind mittlerweile vor Ort: Am Freitag trafen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) in der verwüsteten Hauptstadt Port-au-Prince ein. Die Einsatzkräfte würden nun Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung aufbauen und das gesäuberte Wasser an die Bevölkerung verteilen, teilte das THW mit. Mit den Anlagen könnten rund 6000 Liter Trinkwasser in der Stunde produziert werden, womit etwa 30 000 Menschen versorgt werden könnten.

Korrespondenten internationaler Fernsehsender berichteten, selbst in unmittelbarer Nähe des Flughafens seien immer noch traumatisierte Menschen ohne Nahrung, Wasser oder medizinische Hilfe. Über die Lage außerhalb von Port-au-Prince gab es keine verlässlichen Angaben. Vor allem aus dem Süden des Landes wurden schwere Zerstörungen gemeldet.

Nach Berichten des US-Senders CNN wurden massenweise Tote von den Straßen gesammelt und mit Radladern in große Lastwagen gekippt. Auch der Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Haiti, Stefano Zannini, sprach von dramatischen Szenen. Derzeit bestehe zwar noch keine akute Seuchengefahr. Den Verletzten müsse aber dringend geholfen werden. Sie suchten zu Tausenden medizinische Hilfe, sagte Zannini. Da es an Lebensmitteln mangele und auch Benzin für den Transport fehle, verschlimmere sich die Lage.

Unterdessen kam die von US-Präsident Barack Obama angekündigte massive Hilfsaktion langsam in Fahrt. Am Freitag trafen weitere US-Soldaten in Port-au-Prince ein, wo sie seit dem Vortag den Flughafen kontrollieren. Diese Truppen könnten im Notfall auch für die Aufrechterhaltung der Sicherheit eingesetzt werden, hieß es. Zugleich erreichte der riesige US-Flugzeugträger „Carl Vinson“ Haiti. Das Kriegsschiff hat 5700 Mann Besatzung, 19 Hubschrauber, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und tonnenweise Versorgungsgüter an Bord. Die USA wollten außerdem sechs weitere Schiffe auf den Weg schicken, darunter drei Amphibienboote mit Helikoptern sowie ein Lazarettschiff. Am Wochenende sollen schon mehr als 6000 Angehörige der US-Streitkräfte in Haiti oder zumindest in Küstennähe sein.

US-Außenministerin Hillary Clinton reist an diesem Samstag in das Erdbebengebiet von Haiti. Sie wolle sich selbst ein Bild von der Lage verschaffen und mit Regierungsvertretern sowie mit US-Helfern vor Ort sprechen, kündigte sie am Freitag in Washington an.

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