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07.12.2014

17:12 Uhr

Nach dem Tod Tugces

Tugce-Anwalt rechnet mit Prozess vor Jugendgericht

Der Anwalt der getöteten Studentin Tugce hofft, dass die Menschen weiter Zivilcourage zeigen. Der aus Offenbach stammende Deutsch-Rapper Aykut Anhan mit dem Künstlernamen Haftbefehl rechnet mit seiner Heimstadt ab.

Tugce-Anwalt Macit Karaahmetoglu vermutet, dass sich der mutmaßliche Täter vor einem Jugendrichter verantworten muss. dpa

Tugce-Anwalt Macit Karaahmetoglu vermutet, dass sich der mutmaßliche Täter vor einem Jugendrichter verantworten muss.

OffenbachDer Anwalt der Familie der in Offenbach getöteten Studentin Tugce rechnet damit, dass sich der mutmaßliche Täter vor einem Jugendrichter verantworten muss. „Da er gerade erst 18 geworden war, gehe ich davon aus, dass das Jugendstrafrecht zur Anwendung kommt“, sagte Macit Karaahmetoglu den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag). Damit sei eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren möglich.

„Es bleibt zu hoffen, dass die Bevölkerung trotz oder gerade aufgrund des schrecklichen Todes von Tugce weiterhin bereit ist, Zivilcourage zu zeigen und anderen Menschen in Not zu helfen“, sagte der aus Ditzingen bei Stuttgart kommende Karaahmetoglu der Nachrichtenagentur dpa. „Erschreckend und schockierend ist die enorme Aggressivität und Gewaltbereitschaft des Täters im Fall Tugce, welcher sich augenscheinlich durch nichts und niemanden von der Tat abhalten ließ.“ Die Justiz müsse auf die steigende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen und Heranwachsenden reagieren.

Tödliche Gewalt

Kunden greifen Mitarbeiter an

In deutschen Behörden gab es schon häufiger Vorfälle, bei denen wütende Kunden auf Mitarbeiter losgingen und diese schwer verletzten - in einigen Fällen wie jetzt im Finanzamt von Rendsburg in Schleswig-Holstein wurden Angestellte sogar getötet.

In diesem Fall war ein Selbstständiger so verzweifelt...

... dass er zur Attacke überging. Ein Steuerberater (55) erschießt im September 2014 im Finanzamt Rendsburg (Schleswig-Holstein) einen Beamten (57). Der Täter hatte die Behörde für seine finanzielle Misere verantwortlich gemacht.

Ein Rentner...

... erschießt im April 2013 den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont (Niedersachsen). Tatort ist dessen Büro im Hamelner Kreishaus. Anschließend tötet sich der 74 Jahre alte Täter selbst. Er soll jahrelang Ärger mit der Justiz gehabt haben.

Mit einem Fleischermesser bewaffnet...

... stürmt ein 52 Jahre alter Mann im September 2012 in das Jobcenter im niederrheinischen Neuss und ersticht eine Mitarbeiterin. Der Vater von fünf Kindern hatte der Behörde illegalen Handel mit seinen persönlichen Daten unterstellt.

Die Randale in einem Jobcenter...

... in Frankfurt am Main im Mai 2011 war der Ausgangspunkt eines weiteren tödlichen Vorfalls: Eine 39-Jährige randalierte und verletzte einen Polizisten mit dem Messer. Dessen Kollegin schießt und trifft die Frau tödlich.

Mit 25 Stichen...

... in den Kopf tötet ein 46 Jahre alter Langzeitarbeitsloser im Februar 2001 den Direktor des Arbeitsamtes in Verden in Niedersachsen. Die Behörde hatte dem Täter zuvor die Unterstützung gestrichen.

Aus Rache und Hass...

...auf die Justiz erschießt ein 69-Jähriger im Mai 1998 einen 52 Jahre alten Amtsrichter in Essen. Er feuert viermal auf den Richter in dessen Dienstzimmer. Dann tötet er sich selbst.

Die 22-jährige Tugce war am 15. November auf dem Parkplatz vor einem Schnellrestaurant in Offenbach niedergeschlagen worden. Ihren lebensgefährlichen Verletzungen erlag sie knapp zwei Wochen später. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Tugce soll zwei Mädchen zu Hilfe gekommen sein, die von dem 18-Jährigen und anderen bedrängt worden waren.

Der Deutsch-Rapper Aykut Anhan (Haftbefehl) stellt seinem Geburtsort Offenbach kein gutes Zeugnis aus: „Offenbach ist eine schlimme Stadt. Am Wochenende herrscht dort abends eine aggressive Atmosphäre“, sagte der 28-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der mutmaßliche Täter soll ein Fan von Haftbefehl sein. Offenbach sei so schlimm geworden, weil das angrenzende Frankfurt zu teuer geworden sei, so Anhan. Dann habe es „die ganzen Asozialen nach Offenbach geschwemmt. Drogendealer, Kriminelle, Junkies“.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

08.12.2014, 10:24 Uhr

Wieder wird der Täter in Schutz genommen und soll "nicht bestraft" werden. Es steht schon fest im "Rausch" darf man alles machen, so unsere Experten und Juristen! Warum werden diese Leute nicht auch angeklagt wegen Beihilfe bzw. Aufforderung zum Töten? Was ist eigentlich, wenn genau von diesen Personen das Kind bzw. der Partner das Opfer ist??? Sind die Täter dann auch noch vollkommen unschuldig, wie sie es jetzt verlangen?

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