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06.08.2012

09:55 Uhr

Nach der Atomkatastrophe

Willkommen in Fukushima Beach

Kinder planschen im Wasser, die Erwachsenen liegen im Sand: Eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe ist der erste Strand in der Präfektur Fukushima wiedereröffnet. Vielen ist der Badespaß jedoch nicht geheuer.

Nakoso-Strand in Iwaki: Wie groß ist die Angst? dpa

Nakoso-Strand in Iwaki: Wie groß ist die Angst?

IwakiKinder planschen mit ihren bunten Schwimmreifen in den Wellen. Erwachsene liegen im Sand und sonnen sich. Ein typischer Sommertag am Meer, wie es scheint. Doch die Idylle trügt, denn es ist nicht irgendein Strand, wie das blaue Schild zeigt: „Welcome to Fukushima“ ist dort zu lesen. Nur 65 Kilometer weiter nördlich liegt das japanische Atomkraftwerk, das nach einem Erdbeben mit Tsunami vor 16 Monaten eine dreifache Kernschmelze erlebte und die Welt in Angst und Schrecken versetzte.

Der Nakoso-Strand in Iwaki ist der erste und auch der einzige, den die Behörden Japans nach der Atomkatastrophe in der Präfektur Fukushima wieder geöffnet haben - trotz der Sorgen um die Strahlung in der Gegend. Früher hat der Strand mit seinem weißen Sand und der üppigen Vegetation rundherum im Hochsommer Urlauber in Scharen angezogen. An diesem Tag sind aber kaum mehr als 200 Badegäste zu sehen. Viele Kinder sind allerdings darunter.

„Wenn wir uns ständig wegen der Strahlung Sorgen machen würden, könnten wir gar nichts mehr unternehmen“, sagte eine Frau, die ihre zwei Jahre alte Tochter im Arm hält. Daheim hätten sie es nicht mehr ausgehalten, deshalb sei sie mit der Familie an den Nakoso-Strand gefahren. Es sei eben der nächstgelegene. „Wir essen auch Gemüse, das wir in unserem Garten pflanzen, und die Kinder gehen im Pool ihrer Schule schwimmen.“

Eine junge Frau in den Zwanzigern, die mit Freunden am Strand liegt, wundert sich über die wenigen Besucher. „Über die Radioaktivität haben wir gar nicht nachgedacht“, erzählt sie. „Die Strahlungswerte hier sind viel niedriger als bei uns“, meint indes ein Rentner, der aus Naraha, einem der Sperrgebiete um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, stammt. Er ist mit seinen zwei Enkelinnen an den Strand gekommen.

Die Radioaktivität in der Luft liegt an diesem Tag laut den offiziellen Messungen tatsächlich weit unter den als gesundheitsgefährdend geltenden Werten und sogar unter dem Niveau der natürlichen Strahlung in vielen Ländern. Es sei unbedenklich, im Meer zu baden, sagen die örtlichen Behörden. Wie hoch die Strahlung im Wasser ist, verraten sie aber nicht.

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