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12.05.2014

18:13 Uhr

Nach ESC-Triumph

Imagewandel mit der „Wurst“

VonHans-Peter Siebenhaar

Die „Queen of Austria“ poliert das angestaubte Image des Alpenlandes mit ihren ESC-Sieg auf. Den Auftritt bei der Veranstaltung im kommenden jahr hat Conchita Wurst schon so gut wie sicher – als Moderatorin.

ESC-Siegerin Conchita Wurst

„Toleranz hört nicht an der Landesgrenze auf“

ESC-Siegerin Conchita Wurst: „Toleranz hört nicht an der Landesgrenze auf“

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WienIhren nächsten Auftritt beim European Song Contest (ESC) hat Conchita Wurst fast schon sicher. Denn im nächsten Jahr wird Österreich den Sangeswettbewerb ausstrahlen. Und Tom Neuwirth aus Bad Mitterndorf als Conchita Wurst wird als Moderatorin auftreten. Das gilt bei Wiener Insidern als ausgemachte Sache. Die Show im nächsten Jahr wird noch öffentlich-rechtlichen ORF ausgestrahlt.

ORF-Chef Alexander Wrabetz ließ es sich nicht nehmen, die strahlende ESC-Siegerin mit dem markanten Bart persönlich am Wiener Flughafen nach ihrer Rückkehr aus Kopenhagen abzuholen. Der viel kritisierte öffentlich-rechtliche Sender braucht dringend Aushängeschilder gerade für junge Zuschauer, um erfolgreicher gegen die Überalterung anzukämpfen.

Fast ganz Österreich ist mächtig stolz auf die 25-jährige Dragqueen. Selbst der rot-weiß-rote Bundespräsident Heinz Fischer sprach lobende Worte im Namen der Alpenrepublik. Nur im rechten Lager will keine rechte Freude über den unerwarteten Erfolg der bärtigen Lady aufkommen. Der Spitzenkandidat der rechtspopulistischen FPÖ bei den Europa-Wahlen, Harald Vilimsky, quälte sich zwar ein Statement wie „Aus meiner Sicht ist das in Ordnung, wenn da jemand gewinnt und sich die Leute freuen“ ab, doch er höre lieber Udo Jürgens, der singe schließlich auf Deutsch. Der seit langem in Zürich lebende Österreicher gewann vor 48 Jahren den ESC.

Andere Rechtspopulisten im Ausland finden deutlicher Worte. „Das ist ein Beweis für den Verfall des modernen Europa“, sagte der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski. „Alle Formen von Propaganda, die den Unterschied zwischen Mann und Frau verwischen und ein Lebensmodell entwerfen, in dem nicht einmal mehr das Geschlecht eindeutig bleibt, führen auf eine Bahn der völligen Zerstörung“, warnte der polnische Katholik. An Österreich perlt solche Kritik angesichts der großen Conchita-Euphorie aber ab.

Dennoch: das Raunzen gehört zu Wien wie der Tafelspitz. Deshalb haben die Bedenkenträger bereits Hochkonjunktur, die vor den Kosten des Sieges von Conchita Wurst warnen. Nach Meinung von Experten wird die Austragung des europäischen Sangeswettbewerbs im nächsten Jahr mehr als 20 Millionen Euro kosten. ORF-Finanzchef Richard Grasl sagte: „Das kostet etwas, aber wir werden das schaffen.“

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„Sie haben schon keine Männer und Frauen mehr. Bei ihnen gibt es nur noch "Es"“, schimpfte Ultranationalist Wladimir Schirinowski über den Eurovisions-Sieg von Conchita Wurst. Doch es gab auch gemäßigtere Reaktionen.

Am Montag haben bereits Gespräche zwischen den ORF und möglichen Austragungsstädten begonnen. Insider gehen davon aus, dass das multikulturelle Wien das Rennen macht – auch wenn andere Städte wie beispielsweise Graz oder Innsbruck ebenfalls den Finger heben. Die 1,7 Millionen große Stadt Wien, knapp größer als Hamburg, ist schließlich die einzige Metropole des acht Millionen Einwohner großen Landes. Im Gespräch ist das Ernst-Happel-Stadion im Wiener Prater. Dass Fußballarenen sind großartig für eine Show wie dem ESC eignen, hatte zuletzt die Düsseldorfer Arena mit der ESC-Gewinnerin Lena vor wenigen Jahren bereits gezeigt.

Mit ihrem Song „Rise Lika a Phoenix“ hat der österreichische Travestiekünstler Tom Neuwirth das viertbeste Ergebnis bei 59. Contests überhaupt eingefahren. Das gute Ergebnis wird auch als politisches Statement für mehr Toleranz in Europa gewertet. „Wir sind nicht aufzuhalten“, hatte Conchita Wurst nach dem Sieg dem europäischen Fernsehpublikum zugerufen. In Österreich kommt die Botschaft gut an. Denn das katholische Land, in dem zuletzt ein Drittel der Wähler für rechtspopulistische Parteien gestimmt hat, kann mit dem homosexuellen Sänger sein Image aufbessern. „Conchita Wurst ist eine sehr wienerische Figur“, freute sich Norbert Kettner, der Tourismus-Chef der österreichischen Hauptstadt in der Tageszeitung „Standard“ bereits. Er hofft, dass dadurch das Image Wiens abseits von Sisi-Romantik und Spanischer Hofreitschule zeitgemäßer wird.

Kommentare (1)

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13.05.2014, 14:24 Uhr

So sieht also eine österreichische Wurst aus - wer´s mag...

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