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11.11.2014

07:34 Uhr

Nach Fährunglück in Südkorea

36 Jahre Haft für Kapitän der „Sewol“

Nach einem dramatischen Prozess verurteilte ein südkoreanisches Gericht nun den Kapitän der Unglücksfähre „Sewol“ zu einer Haftstrafe von 36 Jahren. Die Fähre war im April untergegangen, 304 Menschen starben.

Die Angeklagten (grün gekleidet) im Prozess um den Untergang der Fähre „Sewol“: Kapitän Lee Joon-seok (links außen) und Mitglieder seiner Crew. Reuters

Die Angeklagten (grün gekleidet) im Prozess um den Untergang der Fähre „Sewol“: Kapitän Lee Joon-seok (links außen) und Mitglieder seiner Crew.

GwangjuDer Kapitän der im April verunglückten südkoreanischen Fähre „Sewol“ ist am Dienstag zu 36 Jahren Haft verurteilt worden. Der 69-jährige Lee Jun Seok wurde jedoch vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung freigesprochen.

Mit dem Urteil geht ein fünfmonatiger, dramatischer Prozess zu dem Schiffsunglück zu Ende, bei dem am 16. April 304 Menschen vor der Küste Südkoreas ums Leben gekommen waren, darunter etwa 250 Schüler. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Kapitän vorgeworfen, die Passagiere im Stich gelassen zu haben und wegen vorsätzlicher Tötung die Todesstrafe gefordert.

Fährunglücke

August 2013

Eine Fähre mit etwa 870 Passagieren an Bord stößt in der philippinischen Provinz Cebu mit einem Frachter zusammen und sinkt. Mindestens 55 Menschen kommen ums Leben, 65 werden vermisst.

Oktober 2012

Bei einer Schiffskollision in Hongkong sterben mindestens 37 Menschen. Von einem Ausflugsboot aus wollten Firmenmitarbeiter und deren Familien das Feuerwerk zum chinesischen Nationalfeiertag im Hafen ansehen. Aus unbekannter Ursache stößt das Boot mit gut 120 Menschen an Bord mit einer Fähre zusammen.

Februar 2012

Eine überladene Fähre reißt in Bangladesch auf dem Fluss Meghna viele Passagiere nach einer Kollision mit einem Frachter in die Tiefe. Von den etwa 250 Menschen an Bord können sich nur rund 40 ans Ufer retten. Erst im April 2011 waren auf dem Fluss Dutzende Menschen ertrunken, als eine Fähre auf ein Wrack auffuhr und sank. Ende 2010 waren bei drei Fährunglücken in Bangladesch binnen eines Monats mehr als 160 Menschen gestorben.

Juni 2008

Vor der philippinischen Insel Sibuyan läuft eine Fähre mit mehr als 800 Menschen an Bord während eines Taifuns nach einem Maschinenschaden auf Grund und sinkt. In den folgenden Tagen werden etwa 250 Leichen an umliegende Strände geschwemmt, mehr als 550 Menschen gelten als vermisst.

Dezember 2006

Bei stürmischem Wetter sinkt eine Fähre zwischen den indonesischen Inseln Java und Kalimantan. Mehr als 380 der 628 registrierten Menschen an Bord werden vermisst. Helfer bergen etwa 230 Überlebende aus der Javasee.

Februar 2006

Im Roten Meer sinkt eine Fähre zwischen Saudi-Arabien und Ägypten. Mindestens 1027 der 1400 Menschen an Bord sterben. Bei einem Brand des Schiffes hatte die Mannschaft vermutlich Meerwasser zum Löschen an Bord geholt und es so zum Kentern gebracht.

Lee räumte in dem Prozess Fehler ein, wies aber den Vorwurf zurück, er habe den Tod der Passagiere bewusst in Kauf genommen. Der Untergang der Fähre mit 476 Menschen an Bord hatte landesweit Empörung hervorgerufen: Nach einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht trugen neben der Inkompetenz der Besatzung auch Behördenversagen, Korruption sowie Geldgier der Reederei zu der Katastrophe bei.

Kurz vor dem Urteil am Dienstag gaben die Behörden die Einstellung der Suche nach den neun noch vermissten Opfern bekannt.

Von

afp

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