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18.10.2013

17:05 Uhr

Nach Finanzaffäre in Limburg

Die Vermögensbeichte der deutschen Bistümer

VonLisa Hegemann

ExklusivDie Bistümer setzen nach der Limburger Finanzaffäre auf Transparenz. Viele haben erstmals das Vermögen der Bischöflichen Stühle offengelegt, andere wollen folgen. Aber nicht alle lassen sich zu Schnellschüssen drängen.

Bischöfe bei einem Gottesdienst im Dom in Fulda: Viele Bistümer versuchen angesichts der Limburger Finanzaffäre, Transparenz zu demonstrieren. dpa

Bischöfe bei einem Gottesdienst im Dom in Fulda: Viele Bistümer versuchen angesichts der Limburger Finanzaffäre, Transparenz zu demonstrieren.

DüsseldorfDie Finanzaffäre um den Limburger Bischof sorgt für eine Transparenzoffensive der deutschen Bistümer und Diözesen. Nicht nur Zahlen zum öffentlichen Haushalt werden nun bekannt gegeben. Immer mehr Bistümer veröffentlichen auch die finanzielle Lage ihrer Bischöflichen Stühle – ein Novum in der Finanzpolitik der katholischen Kirche.

Handelsblatt Online hat in den 27 deutschen Bistümern nachgeforscht und dokumentiert, welche sich bisher geäußert haben, welche dies noch planen oder prüfen und welche sich nicht äußern wollen. Demnach haben bisher 15 der 27 Bistümer explizite Angaben über das Vermögen des Bischöflichen Stuhls gemacht, sechs Bistümer wollen nachziehen, drei weitere prüfen eine Veröffentlichung. Zwei Institutionen können derzeit nicht über eine Bekanntgabe entscheiden. Nur ein Bistum will seine Finanzen vorerst nicht vorlegen.

Wir finanziert sich die katholische Kirche in Deutschland?

Kirchensteuer

Den größten Teil ihrer laufenden Kosten deckt die katholische Kirche aus ihren Kirchensteuereinnahmen. 2012 waren das fast 5,2 Milliarden Euro.

Staatsleistungen

Sie betreffen nur die Bundesländer und Kommunen und gehen häufig auf die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchenbesitzes) Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Gezahlt wird mit Bezug auf Artikel 140 des Grundgesetzes zum Beispiel für den Personal- und Sachbedarf der Kirchen. Hinzu kommen Ausgaben für den Bauunterhalt kirchlich genutzter Gebäude. Nach Angaben der Linken im Bundestag zahlen die Länder jährlich fast eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen. Die Partei hat 2012 einen Gesetzentwurf zur Ablösung dieser Staatsleistungen vorgelegt. Dazu ist ein Bundesgesetz nötig.

Bundeszuschüsse

Die Kirchen erhalten für Aufgaben im caritativen Bereich wie andere Träger auch Bundesmittel, zum Beispiel für kirchliche Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen. So betrug der Bundeszuschuss für die Caritas 2012 rund 51,9 Millionen Euro. Die katholische Kirche gab dafür 8,6 Millionen Euro aus. Zuschüsse des Bundes fließen auch für Militärseelsorge, Kirchentage und Denkmalschutz. Eine Gesamtsumme wird nach Angaben des Bundesfinanzministeriums nicht ermittelt.

Kirchliches Vermögen

Dabei geht es zum Beispiel um Immobilienbesitz und Miet- und Pachteinnahmen sowie Überschüsse aus kircheneigenen Betrieben oder Beteiligungen. Jedes Bistum hat sein eigenes Vermögen, Je nach Situation machen diese Einnahmen nach Expertenschätzungen fünf bis zehn Prozent des Gesamthaushalts eines Bistums aus.

Spenden und Kollekten

Sie machen nach Einschätzung von Experten fünf Prozent der kirchlichen Einnahmen aus. Die katholische Kirche beziffert diese Einnahmen für das Jahr 2009 auf rund 250 Millionen Euro.

Wie steht es um die Transparenz in den kirchlichen Haushalten?

Wesentliche Entscheidungen zur Verwendung der Kirchensteuer obliegen speziellen Kirchengremien in den Bistümern. Der Kirchensteuerhaushalt wird in der Regel öffentlich dokumentiert. In Bistümern gibt es neben dem regulären Haushalt noch einen „Bischöflichen Stuhl“. Der Begriff bezeichnet das Vermögen, das mit dem Bischofsamt verbunden ist. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler gibt es für diese Summen keine Auskunftspflicht, so lange keine öffentlichen Gelder damit verbunden sind. Kritiker nennen den „Bischöflichen Stuhl“ deshalb einen Schattenhaushalt. Nach dem Finanzskandal um den Neubau des Bischofssitzes in Limburg haben die Bistümer Essen und Speyer angekündigt, diese Zahlen offenzulegen.

Was ist bei der Finanzkontrolle im Bistum Limburg schiefgegangen?

Dazu gibt es bisher fast nur Vermutungen. 2008, vor dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, soll der „Bischöfliche Stuhl“ über rund 100 Millionen Euro verfügt haben. 2011 soll Tebartz-van Elst dem Domkapitel die Zuständigkeit für diesen Haushalt entzogen und stattdessen einem Vermögensverwaltungsrat übertragen haben. Die Frage ist, ob er dieses Gremium bei den Kosten für den neuen Bischofssitz, die zuletzt auf 31 Millionen Euro anwuchsen, getäuscht hat.

Sind ähnliche kirchliche Finanzskandale bekannt?

Der Bund der Steuerzahler hat 1999 kritisiert, dass der katholische Militärbischof Johannes Dyba mit seinem Amt unbedingt von Bonn nach Berlin ziehen wollte - die Sanierung der Berliner Dependance habe umgerechnet rund 10 Millionen Euro gekostet. Skandale um Kirchenvermögen werden auch durch Gerichtsurteile bekannt. So wurden im September 2010 ein früherer Kirchenmitarbeiter im Bistum Limburg wegen der Veruntreuung von 2,7 Millionen Euro zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Nach finanziellen Verfehlungen zog sich 2011 der Orden der Pauliner aus dem Hochschwarzwald zurück. Ein Ordensbruder, der als Pfarrer eine Gemeinde betreute, hatte 247 000 Euro Spenden- und Kirchengelder veruntreut und dafür ohne Erlaubnis neue Messgewänder und Abendmahlskelche gekauft. Er ließ auch Kunstgegenstände restaurieren.

Offiziell müssen die Bistümer das Vermögen ihrer Bischöflichen Stühle nicht beichten. Bisher war deshalb oft von „Schattenhaushalten“ die Rede. Dieser Spitzname passt nun vielerorts nicht mehr. Die Debatte um die Affäre wegen des millionenschweren Baus des Limburger Bischofssitzes hat die katholische Kirche zu mehr Transparenz gedrängt – und ein Umdenken bewirkt. Doch die Zahlen aus den Bischöflichen Stühlen verdeutlichen auch, dass es nicht nur gewaltige Diskrepanzen bei den Transparenzbemühungen in den einzelnen Bistümern gibt, sondern auch sehr unterschiedlich verteilte Besitztümer.

Zum einen gibt es Bistümer, die – nach eigenen Angaben – nach der Affäre nun alle Daten offengelegt haben. Dazu zählt etwa das Erzbistum Köln, das mit einem Vermögen von 166,2 Millionen Euro im Bischöflichen Stuhl die Rangliste der bisher veröffentlichten Daten anführt. In Köln fallen sowohl das Geldvermögen als auch die Immobilien unter diesen Betrag. Übrigens gehört der Kölner Dom nicht dazu, weil er eine eigene Körperschaft ist und nichts mit dem Bischöflichen Stuhl zu tun hat.

Auch das Bistum Speyer gibt an, alle vorliegenden Zahlen veröffentlicht zu haben. Das Kapital des Bischöflichen Stuhls wird dort auf 46,5 Millionen Euro beziffert. Auch hier fasst die Summe alle Besitztümer von Geld über Anlagen bis hin zu Immobilien zusammen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.10.2013, 08:23 Uhr

Die Kirchen sind unermesslich reich und werden durch die Zwangsabgabe Kirchensteuer immer reicher!!
Kirche und Staat insbesondere in montären Dingen trennen - jetzt-saofort-für immer !!
(warum kann man erst heute diesen Beitrag kommentieren????, Antwort auf meine Anfrage ans HB blieb auch unbeantwortet)

Account gelöscht!

21.10.2013, 08:32 Uhr

Steht doch da oben.

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