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23.02.2013

14:08 Uhr

Nach Freilassung

Vater des Opfers appelliert an Pistorius Gewissen

Oscar Pistorius ist frei. Sein Haus, den Tatort, darf er aber nicht betreten. Die Eltern von Reeva Steenkamp fordern die Wahrheit von ihm. Anfang Juni beginnt der Prozess - dem Athleten droht eine lebenslange Haftstrafe.

Oscar Pistorius versuchte demonstrativ Reue zu beweisen. AP/dpa

Oscar Pistorius versuchte demonstrativ Reue zu beweisen.

Addis Abeba/PretoriaDer südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius ist wieder frei. Nach acht Tagen Haft in einer Zelle der Brooklyn-Polizeistation von Pretoria verbrachte der 26-Jährige die erste Nacht in Freiheit im Haus seines Onkels im Stadtteil Waterkloof. Der unter Mordverdacht stehende Olympionike, der am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hatte, war am Freitag überraschend gegen Kaution entlassen worden.

Pistorius kommt auf Kaution frei

Video: Pistorius kommt auf Kaution frei

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Der Sportler, der mit seinen Hightech-Karbon-Prothesen bei Paralympischen Spielen insgesamt sechs Goldmedaillen gewonnen hatte, muss jedoch zahlreiche Auflagen erfüllen. Er darf nicht in sein Haus in Silverwood Estate zurückkehren, in dem die 29-jährige Steenkamp getötet wurde. Zudem ist es Pistorius untersagt, Kontakt zu den Zeugen des Verfahrens aufnehmen. Seine Reisepässe musste der Athlet abgeben. Er darf keinen Alkohol trinken. Jeden Montag und Freitag muss er sich auf einer Polizeistation melden.

Aufstieg und Fall des Oscar Pistorius

Anfänge

Oscar Pistorius wird mit einem Gendefekt geboren, wodurch er keine Wadenbeine besaß. Deshalb wurden ihm im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb der Knie amputiert. Durch eigens für ihn angefertigte Karbon-Stelzen kann er aber dennoch laufen.

Erste Erfolge

2004 gewinnt Pistorius bei den Paralympics in Athen Gold über 200 Meter und Bronze über 100 Meter. 2008 möchte er an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen, ein Gutachten bescheinigt ihm aber zu viele Vorteile durch seine Karbon-Stelzen. Sechs Wochen vor den Spielen wird das Gutachten durch den Sportgerichtshof CAS aufgehoben, doch Pistorius verpasst durch die kurze Vorbereitungszeit alle Qualifikationsnormen. Bei den Paralympics im gleichen Jahr gewinnt er drei Mal Gold.

Leichtathletik-Weltmeisterschaften

2011 qualifiziert sich Pistorius als erster Behinderter für Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Mit der 4-mal-400-Meter-Staffel gewinnt er die Silbermedaille. Im Halbfinale läuft er südafrikanischen Landesrekord. Im Finale wird er allerdings nicht eingesetzt.

Olympia 2012

2012 durfte Pistorius als erster beidseitig amputierter für Olympische Sommerspiele nominiert. Er durfte in London in der 4-mal-400-Meter-Staffel starten. Bei den Paralympics gewann er Gold über 400 Meter und in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

Blitzlichtgewitter

Seit Herbst 2012 war Pistorius mit dem südafrikanischen Model Reeva Steenkamp zusammen. Die beiden werden zu einem Glamour-Paar des Sports. Sie ist unter anderem auf dem Titel der FHM.

Mordverdacht

Am 14. Februar 2013 wird Reeva Steenkamp tot in Pistorius' Haus in Pretoria aufgefunden. Sie erlag vier Schüssen in Kopf und Arme. Der „Blade Runner“ gerät unter Mordverdacht und wird verhaftet. Daneben gibt es auch die Theorie, dass Pistorius seine Freundin irrtümlich für einen Einbrecher hielt und sie deshalb erschoss. Sie wollte ihn angeblich zum Valentinstag überraschen. Der Mord-Prozess beginnt ein Jahr später: am 3. März 2014.

Pistorius habe am Freitag eine erste Kautionsrate in Höhe von 100 000 Rand (8500 Euro) gezahlt und sei anschließend entlassen worden, berichtete der Sender SABC. Insgesamt hatte Richter Desmond Nair eine Million Rand als Gesamtbetrag festgesetzt.

Unterdessen appellierte Reevas Vater Barry Steenkamp an das Gewissen des Sportlers. „Es ist egal, wieviel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen“, sagte er der Zeitung „Beeld“.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den beinamputierten Profi-Läufer, seine Freundin vorsätzlich durch die geschlossene Badezimmertür erschossen zu haben. Pistorius sagt, er habe sie aus Versehen erschossen, weil er geglaubt habe, im Badezimmer sei ein Einbrecher. Steenkamp, ein Model und Reality-TV-Star, starb in den frühen Morgenstunden des 14. Februar.

„Wenn er die Wahrheit sagt, dann kann ich ihm vielleicht eines Tages vergeben“, fügte Barry Steenkamp hinzu. „Aber wenn es nicht so war, wie er sagt, dann muss er leiden, und er wird leiden.“ Reevas Mutter June Steenkamp erklärte, sie habe keine Tränen mehr und sie wolle nun damit beginnen, sich an ein Leben ohne ihre Tochter zu gewöhnen.

Pistorius' Onkel Arnold hatte kurz nach der Kautions-Entscheidung betont, wie erleichtert die ganze Familie sei. „Dennoch ist dies eine sehr traurige Zeit für Reevas Familie und für uns“, sagte er. „Wir sind überzeugt, dass sich Oscars Version davon, was in jener schrecklichen Nacht geschehen ist, als wahr erweisen wird.“

Unterdessen schickten Tausende Fans Nachrichten an die offizielle Webseite des Sportlers, um ihre Solidarität zu zeigen. „Ganz egal, was die Welt sagt, du bist und bleibst mein Champion und mein Held“, schrieb eine Verehrerin. Nach der Nachricht von der Freilassung auf Kaution hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die eine Vorzugsbehandlung des berühmten weißen Stars sahen.

Am 4. Juni muss der Leichtathlet erneut vor Gericht erscheinen. Wird Pistorius wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich.

Von

dpa

Kommentare (1)

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madam123

24.02.2013, 08:19 Uhr

er ist der mörder und bleibt ein mörder so oder so,und das aus niedrigen, primitien menschen verachtende beweggründe,dieses urteil,eine hähme,von ein gericht, dass in diesem land ein mörder nicht belohnt wird , ist fast ein wunder.

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