Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.05.2013

17:21 Uhr

Nach Gebäudeeinsturz

Arbeiter fordern Hinrichtung von Fabrikbesitzern

Nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch mit vielen Toten haben Zehntausende wütende Arbeiter die Hinrichtung der Fabrikbesitzer gefordert. Der Papst verurteilte die „Sklavenarbeit“ in der Textilindustrie.

„Hängt die Mörder, hängt die Fabrikbesitzer“, rief die Menge, die mit roten Bannern und Fahnen durch Dhaka zog. dpa

„Hängt die Mörder, hängt die Fabrikbesitzer“, rief die Menge, die mit roten Bannern und Fahnen durch Dhaka zog.

DhakaDie Wut über den Einsturz eines Fabrikgebäudes hat sich in Bangladesch zum Tag der Arbeit in heftigen Protesten entladen: Zehntausende Arbeiter strömten am Mittwoch auf die Straßen der Hauptstadt Dhaka und forderten die Hinrichtung der Besitzer der fünf Fabriken, bei deren Einsturz womöglich mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen waren. Während die EU-Kommission Bangladesch aufforderte, internationale Sicherheitsstandards einzuhalten, sprach Papst Franziskus von „Sklavenarbeit“ in der Textilindustrie.

„Hängt die Mörder, hängt die Fabrikbesitzer“, rief die Menge, die mit roten Bannern und Fahnen durch Dhaka zog. Die Arbeiter seien wütend über den „Mord“ an ihren Kollegen, sagte Kamrul Anam, Anführer einer Textilarbeitergewerkschaft. „Wir wollen die härtest mögliche Bestrafung für die Verantwortlichen dieser Tragödie.“ Trotz der Wut der Demonstranten blieb die Kundgebung aber anders als frühere Proteste, bei denen es heftige Zusammenstöße mit der Polizei gegeben hatte, weitgehend friedlich.

Seit dem Einsturz des achtstöckigen Gebäudes nahe Dhaka vor einer Woche wurden nach Armeeangaben 405 Todesopfer geborgen. Es würden noch immer 149 Menschen vermisst. Seit dem Unglück wurden bisher sieben Menschen, darunter der Besitzer des Gebäudes und mehrere Ingenieure, wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung festgenommen. Arbeiter hatten nach dem Unglück berichtet, das Gebäude sei nach der Entdeckung von Rissen am Vortag evakuiert worden, doch seien sie zur Rückkehr gezwungen worden.

Viele der rund 4500 Textilfabriken des südasiatischen Landes sind seit einer Woche aus Protest gegen die oft mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen und schlechten Arbeitsbedingungen geschlossen. Für die Textilindustrie, die der wichtigste Wirtschaftszweig des Landes ist, ist dies ein harter Schlag. Ministerpräsidentin Sheikh Hasina kritisierte am Dienstagabend Angriffe auf Fabriken und rief die Angestellten auf, zur Arbeit zurückzukehren. Sie sollten einen „kühlen Kopf“ bewahren und die Fabriken am Laufen halten, sagte Sheikh Hasina.

Papst Franziskus verurteilte am Mittwoch die „Sklavenarbeit“ in der Textilindustrie. „Die Schlagzeile, die mich am Tag der Tragödie in Bangladesch tief getroffen hat, war 'Leben mit 38 Euro im Monat'. Das ist, was diesen Menschen gezahlt wurde, die gestorben sind. Das ist, was man Sklavenarbeit nennt“, sagte Franziskus laut Radio Vatikan. Wer Arbeit nicht ehrlich bezahle, weil er nur an seine Bilanzen denke und nur Profit zu machen suche, handele gegen Gott, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

Die EU-Kommission rief Bangladesch zum sofortigen Handeln auf, um internationale Sicherheitsstandards einzuhalten. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken böten sowohl sicherheits- als auch gesundheitstechnisch großen Anlass zur Sorge, erklärten die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Handelskommissar Karel De Gucht am Dienstagabend. Sie kündigten an, Maßnahmen zu prüfen, um Bangladesch bei der Umsetzung internationaler Standards zu unterstützen.

Knapp 60 Prozent der Textilproduktion aus Bangladesch wird zollfrei in die EU-Länder exportiert, so dass die EU großen Einfluss auf die Produktionsbedingungen hat. Zugleich stehen auch die westlichen Unternehmen, die zu extrem niedrigen Löhnen in Bangladesch produzieren, unter Druck, mehr für die Einhaltung der Sicherheitsstandards und für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu tun.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×