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06.07.2017

11:33 Uhr

Nach illegalem Autorennen

BGH verwirft Bewährungsstrafen gegen Kölner Raser

Der Bundesgerichtshof hat die Bewährung gegen zwei Männer, die sich 2015 in Köln ein Autorennen lieferten, aufgehoben - somit müssen die beiden Angeklagten nun mit einer Gefängnisstrafe rechnen.

Eines der Autos erfasste eine 19-jährige Studentin, die wenig später an ihren schweren Verletzungen verstarb. dpa

Illegales Rennen fordert Todesopfer

Eines der Autos erfasste eine 19-jährige Studentin, die wenig später an ihren schweren Verletzungen verstarb.

KarlsruheDie beiden Kölner Raser, die im April 2015 bei einem illegalen Autorennen in der Stadt eine 19-jährige Fahrradfahrerin tödlich verletzten, müssen mit Gefängnis rechnen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am Donnerstag die Bewährung für die beiden angeklagten Männer aufgehoben, die zur Tatzeit 21 und 22 Jahre alt waren. „Das Landgericht Köln hat sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt, wie sich die Bewährung auf das Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirkt“, sagte die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible in der Urteilsbegründung. Zu berücksichtigen sei auch die Zunahme illegaler Autorennen in Innenstädten und die Tatsache, dass die Männer die Gefährdung durch ihre aggressive Fahrweise bewusst herbeigeführt hätten.

Eine andere Strafkammer des Landgerichts Köln muss nun erneut über Bewährung oder Haft entscheiden. Nach den Vorgaben des BGH gilt es aber als wahrscheinlich, dass die beiden Raser ihre Gefängnisstrafe antreten müssen. Sie beträgt zwei Jahre beziehungsweise 21 Monaten wegen fahrlässiger Tötung. Diese Strafhöhe wurde vom 4. Strafsenat des BGH nicht beanstandet und ist somit rechtskräftig. Die Kölner Richter hätten sowohl die strafverschärfenden als auch die strafmildernden Umstände ohne Rechtsfehler berücksichtigt.

Urteile nach illegalen Autorennen

Februar 2017

Beim illegalen Rennen von zwei jungen Sportwagenrasern stirbt ein unbeteiligter Autofahrer. Die beiden Männer im Alter von 28 und 25 Jahren erhielten im Berliner Landgericht lebenslange Gefängnisstrafen.

Dezember 2015

In Karlsruhe rammen zwei Autofahrer in einem Rennen mehrere unbeteiligte Autos. Sechs Menschen werden verletzt, zwei von ihnen schwer. Es kommt zu keinem Hauptverfahren, da die 21 und 23 Jahre alten Beschuldigten im September 2016 die Strafbefehle akzeptieren. Die Richter hatten zuvor 80 beziehungsweise 90 Tagessätze verhängt.

Oktober 2015

Bei einem illegalen Autorennen in Hamburg-Wandsbek wird ein Mitfahrer auf der Rückbank getötet. Im November 2016 wird ein 29-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt, ein 31-Jähriger erhält neun Monate. Beide hätten sich unter anderem der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, der Jüngere war zudem alkoholisiert.

April 2015

Zwei 22 und 23 Jahre alte Männer rasen durch Köln. Einer der beiden verliert bei Tempo 96 die Kontrolle über seinen Wagen. Das Auto erfasst eine Radfahrerin. Die 19-Jährige stirbt. Im April 2016 verurteilt das Landgericht Köln den 23-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren auf Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert und geht in Revision. Der 22-Jährige erhält ein Jahr und neun Monate auf Bewährung.

März 2015

Bei einem Rennen fährt ein Raser in Köln über eine rote Ampel und rammt ein Taxi. Ein Fahrgast stirbt. Die beiden 20 Jahre alten Männer werden im Januar 2016 zu 12 und 16 Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt.

Januar 2012

Auf einer Bundesstraße bei Freiburg sterben zwei Menschen durch ein illegales Autorennen - eine unbeteiligte 27-Jährige und einer der beiden Raser. Der andere wird im Mai 2013 wegen fahrlässiger Tötung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Vor einer Woche hat der Bundestag das Gesetz gegen illegale Autorennen verschärft. Schon die Teilnahme gilt als Straftat, kommt ein unbeteiligter Verkehrsteilnehmer ums Leben, drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Da schärfere Strafgesetze aber nicht rückwirkend angewendet werden dürfen, fallen die Raser von Köln nicht unter das neue Recht.

Die beiden Fahrer hatten laut Urteil am 14. April 2015 spontan ein Autorennen zu den Rheinterrassen in Köln-Deutz verabredet. In einer langgezogenen Linkskurve kam der vorausfahrende Angeklagte von der Fahrbahn ab und kollidierte mit einer 19-jährigen Studentin, die auf dem Fahrradweg fuhr. Sie starb wenig später an ihren schweren Verletzungen. Die spätere Verurteilung zu Bewährungsstrafen hatte in Köln ein starkes Medienecho ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft legte sowohl gegen das Strafmaß als auch gegen die Aussetzung zur Bewährung Revision beim BGH ein. Die hatte nun Erfolg, soweit die Bewährung angegriffen wurde.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frau Ursula Neumann

06.07.2017, 13:56 Uhr

Mir ist sowieso unklar, warum es Bewährungsstrafen gibt, auch wenn ein Mensch gestorben ist.
Wegen Steuerhinterziehung kann man im Knast landen, Das ist nur Geld. Ein Verbrechen gegen "die Gesellschaft".
Ein toter Mensch scheint weniger wert zu sein. Vielleicht gibt es im Einzelfall Umstände, die für eine Bewährung sprechen. Aber ein Autorennen in der Innenstadt - da kann ich solche Umstände nicht erkennen.

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