Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2012

17:22 Uhr

Nach Implantate-Skandal

Hüftprothesen könnten giftige Metalle absondern

Nachdem billige Brustimplantate für Aufregung sorgten, steht ein neuer Medizinskandal vor der Tür: Hüftprothesen könnten giftige Schwermetalle absondern. Hunderttausende Patienten sind möglicherweise betroffen.

Senioren beim Spaziergang. dpa

Senioren beim Spaziergang.

ParisNach der Affäre um Billig-Brustimplantate aus Frankreich zeichnet sich womöglich ein neuer Gesundheitsskandal ab. Berichten der angesehenen Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ) vom Dienstag zufolge wurden weltweit hunderttausenden Patienten künstliche Hüften eingesetzt, die möglicherweise giftige Schwermetalle absondern.

Der Pariser „Figaro“ berichtete, Hüftprothesen der Firma DePuy Orthopaedics, einer Tochter des amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson, seien in den USA und Australien bereits im Jahre 2009 vom Markt genommen worden. In Frankreich hingegen seien sie bis Juli 2010 weiterhin verwendet worden.

Der Skandal um die Hüftprothesen vom Typ ASR wäre fast unbemerkt geblieben, schreibt der „Figaro“. Er sei nur ans Licht gekommen, weil Johnson & Johnson drei Milliarden Dollar für anstehende Prozesse vorgesehen habe. Wie Brustimplantate gelten auch Hüftprothesen als Medizinprodukte, die im Gegensatz zu Arzneimitteln in der EU keinem Zulassungsverfahren unterworfen sind.

Die fraglichen ASR-Prothesen enthalten zwei Metallschichten und gelten als widerstandsfähiger als künstliche Hüften aus Keramik. Ihr Nachteil ist, dass bei Reibungen der Gelenke metallene Ionen freigesetzt werden. Zudem mussten Patienten mit diesen Prothesen häufiger nachoperiert werden.

Dem „British Medical Journal“ zufolge kamen die Prothesen auf den Markt, obwohl bislang unklar ist, welche Auswirkungen die metallenen Ionen auf den Körper haben. Eine solche Ungewissheit wäre bei einem Arzneimittel nicht hingenommen worden, monierte die Fachzeitschrift. Vielen Patienten sei weltweit „echter Schaden“ zugefügt worden, schreibt die Chefredakteurin der Fachzeitschrift, Fiona Godlee. Den Herstellern und Gesundheitsbehörden sei das Risiko bekannt gewesen, sie hätten die Patienten aber nicht informiert.

Nach dem Skandal um Brustimplantate aus Billig-Silikon, die möglicherweise krebserregend sind, hatte die EU-Kommission strengere Auflagen für Medizinprodukte angekündigt. Im Europaparlament wurde der Ruf nach einem Zulassungsverfahren und schärferen Kontrollen zumindest für Produkte laut, die in den Körper eingepflanzt werden.

Von

afp

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Unternehmensberater

28.02.2012, 17:55 Uhr

die Gier, die Gier, es lebe die Gier ....

MPE

28.02.2012, 22:10 Uhr

Der Bericht ist fehlerhaft. Natürlich durchlaufen Medizinprodukte in Deutschland und Europa ein Zulassungsverfahren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×