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14.01.2015

15:50 Uhr

Nach Lesbenkuss

Wien schämt sich für Café Prückel

VonHans-Peter Siebenhaar

Weil sie sich küssten, wurde ein lesbisches Paar in einem Traditionscafé des Lokals verwiesen. Die Wiener sind empört, der Vorfall schlägt nun internationale Wellen – ausgerechnet kurz vor dem European Song Contest.

In Wien wurde ein lesbisches Paar in einem Kaffeehaus nicht bedient – ein Vorfall, der einen Proteststurm zur Folge hatte. dpa

In Wien wurde ein lesbisches Paar in einem Kaffeehaus nicht bedient – ein Vorfall, der einen Proteststurm zur Folge hatte.

Das hat Österreichs Bundespräsident nicht verdient. Seinem geliebten Wiener Traditionscafé Prückel hat Heinz Fischer, ein ausdauernder Verfechter von gesellschaftlicher Toleranz, ein großes Porträt seiner selbst samt Widmung vermacht, das seit Jahren die Wände des Kaffeehauses schmückt. Quasi unter den Augen des populären Staatsoberhaupts der Alpenrepublik hatte sich vor kurzem ein lesbisches Paar einen Kuss gegeben und dafür einen Rauswurf aus dem über hundert Jahre alten Kaffeehaus an Wiens berühmter Ringstraße kassiert. Geschäftsführerin Christl Sedlar-Palouda hatte darauf verwiesen, dass die „Zurschaustellung der Andersartigkeit“ nicht in ein Wiener Traditionscafé passe, sondern vielmehr in ein Bordell.

Der intolerante Umgang für Gleichgeschlechtliche hat nun einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Im Mittelpunkt des Kulturkampfes, das bei Intellektuellen und Medienleuten so beliebte Wiener Kaffeehaus. Am kommenden Freitag soll vor dem Café Prückel eine „Kuss-Demonstration“ stattfinden. Dazu haben österreichische Homosexuellen-Organisationen am Mittwoch aufgerufen. „Wir rechnen mit 1000 bis 1500 Teilnehmer. Auf Facebook haben bislang 5500 ihre Zusagen gegeben“, sagte Cécile Balbous, Vorsitzende der Homosexuellen Initiative in Wien, dem Handelsblatt. Nach ihren Angaben ist die Diskriminierung im Kaffeehaus kein einmaliger Fall. Bereits 2005 gab es einen ähnlichen Fall, der öffentlichen Protest hervorrief.

Lesben und Schwule wollen den Rauswurf aus dem Café politisch nutzen. „Dieser Vorfall bestätigt unsere langjährige Forderung nach der Ausweitung des Diskriminierungsschutzes“, sagte die 42-jährige Balbous. „Politiker der SPÖ und der Grünen kommen zur Demonstration am Freitag, um unser Anliegen zu unterstützen.“ Die homosexuelle Initiative erwartet sich allerdings keine Unterstützung seitens der konservativen ÖVP und rechtspopulistischen FPÖ.

Bislang sind in Österreich Lesben und Schwule nur im Berufsleben aber nicht bei Dienstleistungen oder Vermietung von Wohnraum geschützt. Das soll die rot-schwarze Regierung in Wien nach Willen der Homosexuellen nun schleunigst ändern.

Kommentare (5)

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real. ist

14.01.2015, 16:48 Uhr

Da quake ich wieder dazwischen:

Wien schämt sich? Sturm der Entrüstung?


Wien macht somit wohl kollektiv mobil gegen Prückel, oder sind es nur wieder die Medien, die mobil machen?

Selbst im links-liberalen Standard ist die Mehrheit der Kommentare und deren Bewertungen Pro Prückel.

Die Netzwerke nutzen, um mal schnell zu einer modernen Hexenjagd aufzurufen. Davon lassen sich nur Geistlose begeistern.

Und nebenbei, Wirt und Wirtin haben immer noch Hausrecht und dürfen selbst entscheiden, wen sie ihres Lokals verweisen.

Und ein "Begrüßungs Busserl" soll es auch nicht gerade gewesen sein, was dort zum Besten gegeben wurde.

Tja, auch wenn es manch linksintellektuell, libidinös anders orientierten Journalisten nicht in den Kram passt, Wiener Kaffehäuser sind altehrwürdige Traditionsbetriebe mit zivilisiert, gehobenen Publikum und guten Umgangsformen.

Auch wer allzu leger gekleidet ist, wird des Betriebes verwiesen.

Und wem das alles nicht in den Kram passt und zu "Shitstorms", Boykotts und Demos aufhetzt, kann uns gestohlen bleiben.

Auf solche Leute und deren Ansinnen legt (immer noch) die Mehrheit keinen Wert.

Herr walter danielis

14.01.2015, 17:23 Uhr

Erstaunlich ist doch, daß die gleichen Leute die sich für die Homos stark machen, auch den Islam in Europa unterstützen. Wenn in 30 Jahren ein muslimischer Bürgermeister Wien regiert, wirds mit dem Homokuss schnell vorbei sein.

Herr André Duve

14.01.2015, 19:17 Uhr

"Wiener Kaffehäuser sind altehrwürdige Traditionsbetriebe mit zivilisiert, gehobenen Publikum und guten Umgangsformen."

Das ist so nicht korrekt: Ersetzen Sie bitte "gehoben" durch "abgehoben", dann passt es eher. Cafés im Wiener Erstem Bezirk sind dazu da, zu sehen und gesehen zu werden und das mit einem Durchschnittsalter von 70+, mit einem übertriebenem Hang zu Titeln wie zB. "Frau Gräfin", "Herr Regierungsrat", etc.

Das hat nichts mit guten Umgangsformen zu tun, das ist von vorgestern. Und ja, zu Zeiten von Conchita Wurst ist so ein Verhalten in Wiens bester Lage absolut nicht zu akzeptieren.

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