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10.04.2011

16:21 Uhr

Nach Massenkarambolage

Vorerst keine Ermittlungen gegen Landwirt

Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt nicht gegen einen Landwirt, der kurz vor dem verheerenden Sandsturm an der A19 sein Feld gepflügt hatte. Unterdessen ist der Verkehr auf der Autobahn wieder freigegeben worden.

Feuerwehrmänner begutachten die Fahrzeugwracks nach dem schweren Unfall auf der A19 bei Rostock. Quelle: dapd

Feuerwehrmänner begutachten die Fahrzeugwracks nach dem schweren Unfall auf der A19 bei Rostock.

LaageGegen den Landwirt, der das angrenzende Feld vor dem Sturm gepflügt hatte, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht ermittelt. Der Sandsturm sei ein Naturereignis, auf das sich die Autofahrer mit angemessener Geschwindigkeit und einem größeren Sicherheitsabstand einstellen könnten, sagte Staatsanwältin Maureen Wiechmann.

Allerdings ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin zu möglichen Unfallverursachern. Nach einer Karambolage mit derartigen Folgen ergebe sich der Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung, sagte Wiechmann. Es seien mehrere Pkw zur Begutachtung beschlagnahmt worden, in den kommenden Wochen würden Zeugen vernommen.

Auf der A19 bei Rostock waren am Freitag acht Menschen bei einer Massenkarambolage ums Leben gekommen, als ein Sandsturm die Sicht der Autofahrer behinderte. 131 Menschen wurden verletzt.

Ein Verletzter noch in kritischem Zustand

Unterdessen ist der Verkehr an der Unfallstelle wieder komplett freigegeben worden. Seit Sonntag rollt auch auf der Fahrbahn in Richtung Rostock der Verkehr wieder, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Ein Mensch befindet sich immer noch in kritischem Zustand. Zusammen mit zwei weiteren Intensivpatienten wird er in einer Klinik in Güstrow behandelt, wie die zuständigen Stellen mitteilten.

Alle Todesopfer sind inzwischen identifiziert. Die Opfer stammen aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Evangelische Landeskirche Mecklenburgs und die Katholische Kirche luden für Mittwoch nach Rostock zu einem Gottesdienst ein, um der Toten und Verletzten zu gedenken.

Schwerster Unfall in der Geschichte des Bundeslandes

Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Kavelstorf hatten am Samstag damit begonnen, die beschädigte Betondecke auf der Richtungsfahrbahn nach Rostock großflächig abzufräsen. Der Belag sei auf etwa 100 Meter "thermisch zersetzt" gewesen, der Beton durch die starke Hitzeentwicklung regelrecht zerbröselt, erläuterte ein Polizeisprecher.

Der vermutlich durch einen Sandsturm ausgelöste Unfall mit etwa 80 beteiligten Fahrzeugen war der bislang schwerste Unfall in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns. Ein eingekeilter Pkw fing nach Polizeiangaben Feuer, das sich durch den starken Wind schnell auf weitere Fahrzeuge sowie einen mit Kohlenwasserstoff beladenen Gefahrguttransporter ausbreitete. Den Schaden schätzte ein Polizeisprecher auf mehrere Millionen Euro. An den Rettungs- und Bergungsmaßnahmen waren nach Angaben der Polizei mehrere Hundert Einsatzkräfte beteiligt, darunter 150 Polizisten und Feuerwehrleute, die Tag und Nacht die teilweise ausgebrannten Autowracks bargen. Zum Einsatz kamen zudem 60 Rettungsfahrzeuge der medizinischen Dienste aus der Region Rostock und Güstrow.

Gedenkgottesdienst am Mittwoch

Zum Gedenken an die Unfallopfer findet am Mittwoch in der Rostocker St. Marienkirche ein ökumenischer Gottesdienst statt. Viele Menschen seien nach dem Unglück erschüttert, hieß es in einer Erklärung der Evangelischen Landeskirche Mecklenburgs und des Erzbischöflichen Amtes Schwerin. Der Gottesdienst solle Raum für Trauer und Klage geben, aber auch Trost spenden und Menschen in ihrer Not stärken. Mitglieder der Landesregierung hätten ihr Kommen zugesagt.

Von

dapd

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