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21.09.2013

11:05 Uhr

Nach Mord an Rapper

Griechische Polizei nimmt Rechtsradikale fest

Nach dem Mord an Rapper Pavlos Fyssas hat die Polizei die Neonazi-Partei Goldene Morgenröte im Visier. 13 Personen aus dem Umkreis der politischen Gruppierung wurden festgenommen. Der Täter soll am Samstag aussagen.

Auf der Suche nach den Drahtziehern des Mordes an Rapper Killah P: Die griechische Polizei nahm mehrere Verdächtige fest. ap

Auf der Suche nach den Drahtziehern des Mordes an Rapper Killah P: Die griechische Polizei nahm mehrere Verdächtige fest.

AthenDrei Tage nach dem Mord an einem bekannten Rapper und linken Aktivisten bei Piräus greifen die griechischen Behörden durch. In der Nacht zum Samstag nahmen sie acht Personen fest, die entweder Mitglieder der als neonazistisch eingestuften Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) sind oder ihrem Umfeld angehören.

Der Rapper Pavlos Fyssas (Künstlername: „Killah P.“) war in der Nacht zum Mittwoch erstochen worden. Der geständige Täter, der als Anhänger der Goldenen Morgenröte gilt, ist am Samstagmorgen vor dem Vernehmungsrichter erschienen. Der 45-Jährige traf unter Polizeischutz am Gericht ein, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach Polizeiangaben gestand er, in der Nacht zum Mittwoch in Keratsini, einem Arbeiterviertel bei Athen, den 34-jährigen Rapper Pavlos Fyssos erstochen zu haben. Den Angaben zufolge soll er auch zugegeben haben, Mitglied der Neonazipartei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) zu sein. Die Partei selbst bestreitet jede Verstrickung in die Tat.

Wie die Zeitung „Kathimerini“ auf ihrer Website berichtet, wurden in der zentralgriechischen Stadt Chalkis vor den örtlichen Morgenröte-Parteibüros drei Männer in Polizeigewahrsam genommen, die mit Helmen, Schilden und Knüppeln ausgerüstet waren.

In Thessaloniki verhaftete die Polizei fünf Männer, die Propagandamaterial der Partei bei sich hatten und angaben, Mitglieder der Goldenen Morgenröte zu sein. Bei ihnen wurde Pfefferspray, Totschläger, Messer und ein Knallkörper gefunden. Außerdem verbot die Polizei für Samstag eine Essensausgabe der Partei „nur für Griechen“ im Westen Athens.

Der Tod Fyssas' löste spontane Demonstrationen gegen Faschismus in Griechenland und im kleinerem Umfang auch in anderen europäischen Städten aus. Bei der größten Kundgebung in Piräus kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.

Die Goldene Morgenröte, deren Vertreter Einwanderer als „Untermenschen“ bezeichnet haben, bekam bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr fast sieben Prozent der Stimmen. Seitdem hat die umstrittene Partei in der von der schweren Wirtschaftskrise gebeutelten Bevölkerung weiter an Rückhalt gewonnen: Jüngsten Umfragen zufolge käme sie derzeit auf rund zwölf Prozent.

Auf Anweisung des Ministeriums für Öffentliche Ordnung werden künftig alle Ermittlungen zu Gewalttaten, hinter denen Chrysi Avgi stehen soll, von den Antiterror-Diensten übernommen, wie Polizeivertreter am Freitag mitteilten. Minister Nikos Dendias habe zudem angeordnet, bis auf weiteres allen 18 Abgeordneten der Neonazi-Partei sowie den örtlichen Parteibüros den Polizeischutz zu entziehen.

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