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02.01.2015

09:49 Uhr

Nach Panik in Schanghai

China will die Massen stärker kontrollieren

VonFinn Mayer-Kuckuk

Nach der Massenpanik in Schanghai, bei der 36 Menschen starben, hagelt es Kritik für die Regierung. Zu spät wurden Sicherheitskräfte mobilisiert. Experten fordern die Nutzung von Sozialen Medien zur Warnung vor Gefahren.

Falschgeld-Regen als Auslöser

Silvester-Tragödie: 35 Tote bei Massenpanik

Falschgeld-Regen als Auslöser: Silvester-Tragödie: 35 Tote bei Massenpanik

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PekingZwei Tage nach der Massenpanik mit 36 Toten in Schanghai steht die Stadt immer noch unter Schock. „Die Regierung trägt die Schuld, weil da nichts organisiert war“, schreibt eine Nutzerin in ihrem Mikroblog, dem chinesischen Gegenstück zu Twitter. Bürger der Stadt legten am Ort der Katastrophe Blumen ab. Der Bürgermeister schwieg jedoch auch am 2. Januar immer noch zum Unglück.

Kurz vor Mitternacht war es in der Silvesternacht am Ufer des Huangpu-Flusses in einer Masse von ungefähr 300.000 Menschen zu einer Panik gekommen, bei der einige Menschen offenbar im Stehen zerquetscht, andere von der nachrückenden Menge totgetrampelt wurden. Es hat vor allem die Schwachen getroffen: Das jüngste Opfer war ein 12-jähriger Junge, viele waren weibliche Teenager.

Die historische Uferpromenade, der so genannte Bund, ist das ganze Jahr über ein Ziel für Einheimische wie Ausflügler. Nachts ist von hier aus die Lichtschau der Wolkenkratzer im gegenüberliegenden Finanzviertel zu sehen. Deshalb ist der Bund auch ein beliebtes Ziel für Nachtschwärmer an Silvester.

Gerade deshalb stehen nun die Polizei und die Stadtbehörden in der Kritik. Im vergangenen Jahr hatte es hier am Bund eine ähnlich große Ansammlung von Schaulustigen gegeben. Eine geplante Lasershow hat die Stadt deshalb verboten – um nicht zu viele Touristen anzuziehen. Die Polizei hätte also gewarnt sein können.

Die Ereignisse zum Jahreswechsel

Massenpanik in Schanghai

In Shanghai brach am Silvesterabend eine Massenpanik aus, die 36 Menschen in den Tod riss und Dutzende weitere verletzte. Die Katastrophe trifft die ostchinesische Hafenmetropole eine halbe Stunde vor Mitternacht, als einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge dollarscheinähnliche Coupons aus einem Fenster geworfen werden. Mitten in der beliebten Flussufergegend Bund geschieht das schlimmste Unglück, das eine der größten Städte der Volksrepublik in den vergangenen Jahren erlebt hat.

Tote in Deutschland und Dänemark

Bei zwei Unfällen mit Silvesterböllern kamen in Dänemark drei Menschen ums Leben. Zwei weitere wurden verletzt. Auch in Deutschland gab es wegen der Knallerei Tote: In Sachsen kam in Striegistal ein 19-Jähriger beim Versuch ums Leben, illegale Feuerwerkskörper abzufeuern. In Alveslohe in Norddeutschland starb ein 18-Jähriger, nachdem er von einem Feuerwerkskörper getroffen worden war.

Gebete in Indonesien

Der Absturz des Air-Asia-Flugzeugs 8501 und eine todbringende Schlammlawine in Zentraljava trübten in Indonesien die Feierlichkeiten. In der Hauptstadt Jakarta gab es Gebete für die Opfer der Katastrophen. Es fand aber auch das jährliche Jakarta Night Festival statt. In Surabaya, wo der Unglücksflieger der Fluglinie Air Asia mit 162 Menschen an Bord am Sonntag startete und dann auf halbem Weg nach Singapur abstürzte, wurden alle Feiern untersagt.

New York – Die Kugel fällt

Rund eine Million Menschen pilgerten an den New Yorker Times Square, um zum Jahreswechsel um Mitternacht traditionell die sogenannte Waterford Kristallkugel fallen zu sehen. Viele US-Städte kopieren das inzwischen - auf ihre Weise. In Las Cruces in New Mexico fällt eine Chilischote, in Atlanta ein Pfirsich, in Nashville eine stilisierte Musiknote. Die Polizei war wegen der Massenaufläufe zu den Silvesterfeiern auf Habachtstellung, weil es nochmals Proteste gegen den Tod zweier unbewaffneter schwarzer Männer bei Polizeieinsätzen geben sollte. In Boston nahmen Dutzende Menschen an einer kurzen Demonstration vor der öffentlichen Bibliothek teil. Zu Festnahmen kam es nicht.

Feuerwerk Down Under

In Sydney versammelten sich mehr als 1,5 Millionen Menschen bei warmem Sommerwetter im berühmten Hafen der Stadt, um sich das Feuerwerk über der Harbour Bridge, der Oper und anderen Orten am Wasser anzusehen. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Gewalttäter mit einer Geiselnahme in einem Café in Sydney Australien erschüttert. Bei der Silvesterparty wurde an die beiden Todesopfer erinnert.

Neuer Rekordversuch in Dubai

Im vergangenen Jahr hatte Dubai laut dem „Guinness-Buch der Rekorde“ den Titel für das weltgrößte Feuerwerk gewonnen - diesmal wollte das Golfemirat zum Jahreswechsel den Weltrekord für die größte mit LED-Lampen beleuchtete Fassade brechen. Dazu leuchteten rund 70 000 Lämpchen am mit 828 Metern höchsten Gebäude der Welt, dem Burdsch Chalifa. Als die Uhren Mitternacht anzeigten und ein abermals riesiges Feuerwerk startete, projizierten die Leuchten Bilder der Anführer des Emirats - laut der Eigentümerfirma Emaar Properties unter den Augen eines Teams vom Guinness-Buch, das den Rekord nun prüft.

Brände auf den Philippinen

Bei den Silvesterfeiern im Inselstaat kam es zu mindestens 17 Bränden. Die Behörden registrierten dieses Jahr zum Jahreswechsel mehr als 350 Verletzte. Bei einem wohl von Silvesterböllern entfachten Großbrand in einem Elendsviertel der Hauptstadt Manila verloren drei Menschen ihr Leben. Fast 1000 Hütten in dem Slum Quezon City brannten nieder, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten.

Feierversuche in Bagdad

In der kriegsverwüsteten irakischen Hauptstadt hoben die Behörden die seit mehr als zehn Jahren geltende nächtliche Ausgangssperre für einen Abend auf, damit die Bewohner von Bagdad lange auf den Straßen bleiben können. Das Verkehrsaufkommen in der Stadt war kurz nach Sonnenuntergang ungewöhnlich hoch. Wichtige Straßen wurden von der Polizei aus Sorge vor Selbstmordanschlägen von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat für Fahrzeuge geschlossen.

Dennoch standen dem Ansturm von Zehntausenden von Leuten anfangs nur 700 Polizisten gegenüber. Zugangsbeschränkungen gab es keine. Der Regierung zufolge war nichts organisiert, weil hier offiziell keine Party geplant war – die Leute haben sich spontan eingefunden.

Polizeisprecher Cai Lixin bestritt am Freitag nicht direkt, dass die Mannschaftsstärke vor Ort nicht ausreichte, wies aber auch auf grundsätzliche Probleme der Beamten hin. „Verstärkung war unterwegs, konnte aber wegen der dichten Menschenmenge nicht ins Problemgebiet vordringen.“ Die Polizisten hätten gezögert, die Menge gewaltsam zu teilen, um nicht noch mehr Druck und Unruhe zu erzeugen.

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