Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.07.2013

22:03 Uhr

Nach Prozess um Tod von Trayvon Martin

Präsident Obama ruft nach Freispruch zu Ruhe auf

Nach Protesten gegen das Urteil im Prozess um den Tod von Trayvon Martin forderte US-Präsident Obama die Bürger zu „ruhigem Nachdenken“ auf. Gleichzeitig brachte er wieder schärfere Waffengesetze ins Gespräch.

Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod von Trayvon Martin protestierten etliche Bürger gegen das Urteil. AFP

Nach dem Freispruch im Prozess um den Tod von Trayvon Martin protestierten etliche Bürger gegen das Urteil.

SanfordNach dem Freispruch im Prozess um den Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin hat US-Präsident Barack Obama zur Ruhe aufgerufen. „Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden“, erklärte Obama am Sonntag mit Blick auf das Urteil der Geschworenen, die den Nachbarschaftswächter George Zimmerman am Vortag freigesprochen hatten. Die sechs Mitglieder der Jury waren nach 16-stündigen Beratungen zu dem Schluss gekommen, dass Zimmerman nicht des Totschlags an dem unbewaffneten Jugendlichen schuldig sei. In einigen Städten in den USA protestierten Menschen gegen das Urteil.

„Ich fordere nun jeden einzelnen Amerikaner dazu auf, den Aufruf zu ruhigem Nachdenken zu befolgen“, wie er von den Eltern Trayvon Martins geäußert worden sei, erklärte Obama. Er kam nicht auf seine früheren Äußerungen zurück, in denen er gesagt hatte, falls er einen Sohn hätte, so hätte dieser „wie Trayvon Martin ausgesehen“.

Obama brachte den Fall aber in Verbindung mit seinem Einsatz für strengere Waffengesetze. „Wir sollten uns fragen, ob wir alles unternehmen, um die Welle der Gewalt mit Schusswaffen aufzuhalten“, erklärte Obama. Es gelang ihm Anfang des Jahres nicht, für schärfere Waffengesetze eine parlamentarische Mehrheit zusammenzubekommen.

Der Fall Trayvon Martin

26. Februar 2012:

In Sanford (Florida) erschießt George Zimmerman den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin. Zimmerman, Mitglied einer Nachbarschaftswehr, wird zunächst festgehalten und kurz darauf wieder freigelassen. Er erklärt, aus Notwehr gehandelt zu haben.

8. März 2012:

Die Eltern von Trayvon Martin initiieren eine Internetpetition, in der sie die Strafverfolgung Zimmermans fordern.

13. März 2012:

Die US-Medien werden auf den Fall aufmerksam.

16. März 2012:

Im Internet werden Mitschnitte von Notrufen veröffentlicht, die Augenzeugen abgesetzt haben. Darunter ist auch ein Anruf Zimmermans, der einen „verdächtigen Typen“ meldet.

19. März 2012:

Das US-Justizministerium kündigt Ermittlungen an. Eine 16-Jährige erzählt dem Anwalt der Familie Martin, dass Trayvon Martin sie kurz vor seinem Tod angerufen habe, da er verfolgt werde.

20. März 2012:

Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass am 10. April über eine Anklage gegen Zimmerman entschieden werden soll.

21. März 2012:

Martins Eltern nehmen in New York am „Million Hoodie March“, einer Demonstration gegen Rassismus und für Gerechtigkeit, teil. Viele Teilnehmer tragen einen schwarzen Kapuzenpullover („Hoodie“) - ähnlich jenem, den Martin am 26. Februar anhatte. In den folgenden Tagen weiten sich die Protestkundgebungen auf mehrere US-Städte aus. Via Facebook und Twitter machen Millionen Menschen ihrem Ärger Luft. Bilder mit prominenten „Hoodie“-Trägern kursieren, auf Twitter weisen Prominente auf den Fall hin.

23. März 2012:

US-Präsident Barack Obama spricht den Eltern des Opfers sein Mitgefühl aus: „Wenn ich einen Sohn hätte, er würde wie Trayvon aussehen.“ Bereits 1,5 Millionen Menschen unterstützen die Internetpetition von Martins Eltern. 3. April: Auch das FBI ermittelt nun in dem Fall.

9. April 2012:

Zimmerman äußert sich erstmals seit seinem Abtauchen kurz nach Martins Tod. Über das Internet ruft er zu Spenden für seinen rechtlichen Beistand auf.

11. April 2012:

Die Sonderermittlerin der Staatsanwaltschaft teilt mit, dass Anklage gegen Zimmerman erhoben wird. George Zimmerman muss sich wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz („second degree murder“) verantworten.

5. Juni 2012:

Zimmerman kommt gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar erneut auf freien Fuß. Eine erste Haftentlassung gegen Zahlung von 150 000 Dollar Kaution war vier Tage zuvor wegen falscher Angaben über die Vermögensverhältnisse aufgehoben worden.

21. Juni 2012:

Sanfords Polizeichef Bill Lee wird gefeuert. Im Zusammenhang mit dem Fall Trayvon Martin habe er das Vertrauen und den Respekt eines Teils der Gemeinde verloren, hieß es zur Begründung.

26. Februar 2013:

Am Jahrestag der tödlichen Schüsse auf Trayvon Martin halten Hunderte Demonstranten in New York eine Mahnwache ab. Viele Teilnehmer tragen Kapuzenpullover.

20. Juni 2013:

Mit zehn Tagen Verzögerung werden die Geschworenen für den Prozess gegen Zimmerman gewählt. Sechs Frauen - fünf Weiße und eine Hispano-Amerikanerin - sollen über Schuld oder Unschuld entscheiden.

24. Juni 2013:

In Sanford beginnt der Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft Zimmerman vor, Martin bewusst erschossen zu haben. Der Angeklagte beharrt weiter auf Notwehr.

11. Juli 2013:

Die Schlussplädoyers beginnen. Staatsanwalt Bernie de la Rionda nennt Zimmerman einen „Möchtegern-Cop“, der in dem 17-Jährigen einen Kriminellen gesehen habe. Verteidiger Mark O'Mara entgegnet, Zimmerman habe aus Notwehr geschossen und sei freizusprechen.

13. Juli 2013:

Die Geschworenen befinden Zimmermann des Mordes mit bedingtem Vorsatz für nicht schuldig. Er verlässt das Gericht als freier Mann.

Die sechs Frauen in der Jury, darunter fünf Weiße, mussten einstimmig über Schuld und Unschuld des angeklagten Nachbarschaftswächters entscheiden. Sie begannen die Beratungen am Freitag, vertagten sie aber nach kurzer Zeit auf Samstag. Zuvor hatten die Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussplädoyers gehalten. Bei einem Schuldspruch wegen schweren Totschlags drohte Zimmerman lebenslange Haft. Zuletzt befand er sich gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

Zimmerman hatte Trayvon Martin am Abend des 26. Februar 2012 auf einem Patrouillengang in Sanford erschossen, nachdem es in der Gemeinde eine Reihe von Einbrüchen gegeben hatte. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach Hause. Zimmerman beteuert, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Der Fall sorgte in den USA für großes Aufsehen, da der Verdacht bestand, dass bei der Tat und beim anschließenden Umgang der Polizei mit dem Fall Rassismus im Spiel war.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×