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29.10.2013

15:49 Uhr

Nach Sturm „Christian“

Zugverkehr bis Mittwoch beeinträchtigt

Nach einem der schwersten Herbststürme der vergangenen Jahre hat das Aufräumen begonnen. Die Bahn kämpft mit Bäumen auf ihren Strecken und beschädigten Hochspannleitungen. Besonders betroffen ist Schleswig-Holstein.

Orkantief „Christian“

Mindestens 14 Tote nach heftigem Herbststurm

Orkantief „Christian“: Mindestens 14 Tote nach heftigem Herbststurm

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Berlin/MünchenEiner der schwersten Herbststürme der vergangenen 15 Jahre hat in Norddeutschland und Nordeuropa massenhaft Bäume umgeknickt, Dächer abgedeckt und Autos eingedrückt. Mindestens 16 Menschen starben europaweit bei den Unwettern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 172 Stundenkilometern. Nach dem Durchzug von Orkantief „Christian“ war die Bahn fieberhaft mit dem Aufräumen beschäftigt. Von der Stärke her sei „Christian“ vergleichbar mit den Orkanen „Lothar“ (Dezember 1999) und „Kyrill“ (Januar 2007), teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Der DWD habe zwei Tage vorher auf bevorstehende Gefahren hingewiesen.

Ein großer Teil der Zugverbindungen im Norden war auch am Dienstag erheblich gestört. Frühestens am Mittwoch sollten laut Bahn Reisende wieder mit der Bahn von Hamburg in Richtung Kiel, Flensburg, Dänemark und an die Nordseeküste fahren können. Genau beziffern lassen sich die Schäden aber noch nicht. Für eine Schätzung der Schäden sei es noch zu früh, sagte ein Sprecher des weltgrößten Rückversicherers Munich Re am Dienstag in München.

Sturmschäden

Haus

Für Sturmschäden am Haus etwa durch umgestürzte Bäume kommt die Wohngebäudeversicherung auf. Schäden am Hausrat, also etwa beschädigte Möbel, übernimmt die Hausratversicherung. Sturmschäden sind grundsätzlich ab Windstärke acht abgesichert, was einer Windgeschwindigkeit von mehr als 62 Stundenkilometern in der Stunde entspricht. „Christian“ erreichte teils deutlich mehr als 100 Stundenkilometer. Verbraucherschützer raten Betroffenen, so schnell wie möglich den Versicherer zu informieren und eine Schadensliste, möglichst mit Fotos zu erstellen.

Auto

Bei Schäden am Auto greifen in der Regel Teil- oder Vollkasko des Autohalters. Fällt etwa ein Baum oder Ziegel auf einen geparkten Wagen, ist laut der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein die Teilkasko zuständig. Versichert ist allerdings nicht der Wiederbeschaffungswert, sondern in der Regel nur der Zeitwert des Wagens. Fährt dagegen ein Autofahrer gegen einen bereits umgestürzten Baum, ist dies demnach ein Unfall und ein Fall für die Vollkasko-Versicherung.

Flug

Flugreisende haben bei Ausfall eines Fluges Anspruch auf einen Ersatzflug. Bei Verspätungen ab fünf Stunden können Reisende aber auch von ihrem Flug zurücktreten und sich den Preis erstatten lassen. Anspruch auf Entschädigung gibt es aber nicht, da es sich um höhere Gewalt handelt.

Bahn

Wenn ein Zug etwa wegen eines Sturms zu spät ankommt, muss die Bahn ihren Fahrgästen den Fahrpreis teilweise erstatten. Bei Fällen höherer Gewalt gelten die gleichen Regeln wie bei selbst verschuldeten Verspätungen, wie der EuGH kürzlich in einem Urteil entschied. Die Höhe der Rückerstattung des Fahrpreises richtet sich nach der EU-Verordnung über die Rechte und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr. Demnach kann ein Fahrgast 25 Prozent des Fahrpreises zurückverlangen, wenn die Verspätung 60 bis 119 Minuten beträgt. Bei Verspätungen von mehr als zwei Stunden hat er Anspruch auf die Hälfte des gezahlten Fahrpreises.

In Deutschland hatten die Stürme seit Sonntag mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. Im niedersächsischen Bad Bentheim und in Schleswig-Holstein in Braderup kamen zudem bei Verkehrsunfällen zwei weitere Menschen ums Leben. In beiden Fällen schloss die Polizei einen Zusammenhang mit dem Unwetter nicht aus. In Europa gab es damit zusammen mindestens 16 Tote – davon vier in Großbritannien, je zwei in Dänemark und den Niederlanden und einen in Frankreich. Meist waren umgestürzte Bäume die Ursache.

Besonders schwer hat Orkan „Christian“ in Schleswig-Holstein gewütet. Die stärkste Böe im Flachland sei mit 172 Kilometern pro Stunde in St. Peter Ording gemessen worden, sagte DWD-Meteorologe Lars Kirchhübel. Allein hier mussten Polizei und Feuerwehr zu fast 3600 Einsätzen ausrücken. „Für unsere Leitstellen war die Zählung elektronisch nicht mehr zu bewältigen“, erklärte die Sprecherin des Lagezentrums: „Wir stiegen auf Papier und Bleistift um.“ Nach Angaben eines Sprechers der Provinzial-Versicherung sind Schäden in Millionenhöhe entstanden.

Mehrere Tausend Mitarbeiter der Deutschen Bahn waren damit beschäftigt, beschädigte Oberleitungen zu reparieren und umgestürzte Bäume von den Gleisen zu holen. Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis berichtete, dass unter anderem zwischen Wilster in Dithmarschen und Husum an der Nordseeküste ein ganzer Wald auf den Schienen liegen soll.

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