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24.01.2011

16:06 Uhr

Nach Tankerunglück

Mega-Stau auf dem Rhein löst sich langsam auf

Der Schiffsverkehr auf dem Rhein fließt allmählich wieder. Mehr als eine Woche nach der Havarie eines Schwefelsäuretankers können wieder Schiffe die Unglücksstelle passieren - rheinaufwärts. In der Gegenrichtung stecken noch 300 Schiffe fest.

Bergungsarbeiten auf dem Rhein: Die Engstelle ist langsam wieder passierbar. Quelle: dapd

Bergungsarbeiten auf dem Rhein: Die Engstelle ist langsam wieder passierbar.

ST. GOARSHAUSEN. Eineinhalb Wochen nach der Havarie bei St. Goarshausen hat sich der Schiffsstau rheinaufwärts wieder aufgelöst, die Gegenrichtung ist allerdings weiter gesperrt. Die Lage sei entspannt, nur wenige Schiffe würden warten, hieß es am Montag bei der Einsatzleitung. In der gesperrten Richtung warten hingegen schon 300 Schiffe auf die Weiterfahrt. Inzwischen gehen die Sicherungsarbeiten mit Schwimmkränen an dem Wrack weiter. Sie sollen noch bis zu drei Tage dauern, hieß es. Erst danach könnten Taucher in dem auf der Seite liegenden Tankschiff mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord nach den beiden Vermissten suchen. Auch solle dann eine Probe der Chemikalie genommen werden, um ihren Zustand zu prüfen.

Das niederländische Bergungsunternehmen Mammoet will zuvor einen der beiden bislang zur Sicherung eingesetzten Kräne austauschen. Am Dienstagmorgen werde der Schwimmkran "Grizzly" mit einer 200-Tonnen- Hebeleistung von dem um 100 Tonnen stärkeren Kran "Amsterdam" abgelöst, teilte das Pressezentrum "Havarie Loreley" mit. Erst nach dem Wechsel wollen die Experten weitere Stahlseile unter dem Schiff durchziehen. Ziel sei, dass der Havarist wie in einer Hängematte liegt.

Das ist auch notwendig, um die Schwefelsäure abpumpen zu können. Die Reederei der gekenterten "Waldhof" hat nach Angaben der Einsatzleitung dafür zwei leere Tankschiffe angefordert. Direkt am Wrack hatte sich in der Vorwoche eine mehrere Meter tiefe Mulde gebildet, der Tanker drohte abzurutschen. Wegen des Kran-Einsatzes sei dies nun aber keine zusätzliche Gefahr mehr, hieß es.

Dennoch bleibt der Rhein stromabwärts weiter gesperrt. Es wird befürchtet, dass sich das mit Stahlseilen gesicherte Wrack bei Fahrten in Fließrichtung wegen der stärkeren Strömung losreißen könnte. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) geht von Umsatzausfällen in Millionenhöhe aus. Je nach Typ und Größe des Schiffs betrage der durchschnittliche Ausfall der Erlöse bis zu 4000 Euro täglich. Ausdrückliches Lob gab es dennoch für das Krisenmanagement: Sicherheit und Sorgfalt hätten gerade wegen der Ladung des Schiffes oberste Priorität, hieß es beim BDB.

Schwefelsäure wird von Experten als schwach wassergefährdend eingestuft. Allerdings entstehen beim Mischen der Säure mit Wasser hohe Temperaturen. Das Tankschiff war am 13. Januar aus ungeklärter Ursache gekentert. Zwei Besatzungsmitglieder waren leicht verletzt aus dem Rhein gerettet worden, zwei weitere Männer werden vermisst.

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