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24.03.2012

13:39 Uhr

Nach Toulouse-Morden

Die Effizienz der Polizei zu hinterfragen ist „inakzeptabel“

Kritik am Polizeieinsatz in Toulouse findet Frankreichs Innenminister unangebracht - aus Respekt vor den Opfern. Die Mutter des Attentäters Merah ist wieder frei. Sein Bruder ist stolz auf den Mörder.

Hunderte Menschen gedenken am Freitag den Opfern des Toulouse-Attentäters. dpa

Hunderte Menschen gedenken am Freitag den Opfern des Toulouse-Attentäters.

ParisDie französische Regierung hat die Kritik an dem Polizeieinsatz zur Festnahme des Serienmörders von Toulouse als parteipolitisch motiviert zurückgewiesen. Er rufe alle Beteiligten zu Würde und Respekt auf, sagte Innenminister Claude Guéant der Tageszeitung „Le Figaro“ (Samstag).

Man dürfe nicht vergessen, dass es sieben Opfer gebe, darunter drei Kinder. „Es ist inakzeptabel, die Effizienz der Polizei zu hinterfragen“, sagte der Minister. Guéant hatte den Einsatz beaufsichtigt, bei dem der Islamist Mohamed Merah getötet wurde.

Die Mutter des Attentäters wurde einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP zufolge am Freitagabend freigelassen. Merahs am Mittwoch festgenommener älterer Bruder und dessen Frau wurden am Samstag Medienberichten zufolge für weitere Befragungen nach Paris gebracht. Der als religiöser Fundamentalist beschriebene 29-jährige Abdelkader Merah sagte, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber „stolz“ auf sie. Dies berichtete das Magazin „Le Point“. Die Ermittler gehen davon aus, dass auch sein Bruder Abdelkader zur Islamistenszene gehört und in die Anschläge verwickelt sein könnte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat die Polizei Sprengstoff seinem Auto gefunden. Wie sein Bruder Mohamed war er im Visier der Sicherheitskräfte. Abdelkader soll 2007 geholfen haben, islamistische Kämpfer in den Irak zu schmuggeln.

Der Bruder des Toulouse-Attentäters, Abdelkader Merah, wird zum Verhör in die Nähe von Paris gebracht. dapd

Der Bruder des Toulouse-Attentäters, Abdelkader Merah, wird zum Verhör in die Nähe von Paris gebracht.

Frankreichs Politiker haben nach den Morden von Toulouse den Präsidentschaftswahlkampf wieder aufgenommen. Der sozialistische Kandidat, François Hollande, vermutete schwere Verfehlungen der Sicherheitsdienste. Der Attentäter Mohamed Merah, ein Franzose algerischer Abstammung, stand nach Reisen nach Afghanistan und Pakistan unter Beobachtung.

Merah war am Donnerstag im Kugelhagel der Polizei getötet worden. Der 23-Jährige hatte am Montag vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen. Zuvor hatte er am 11. und 15. März mit derselben Waffe in Toulouse und Montauban drei Soldaten umgebracht.

Das Drama von Toulouse und Montauban sei eine Erinnerung an die Terrorgefahr, die immer noch über dem Land schwebe, sagte Guéant der Zeitung. Frankreich sei noch niemals zuvor mit einem solchen Einzelattentäter konfrontiert worden. Es sei daher für die Sicherheitskräfte sehr schwierig gewesen, die Handlungen dieses „einsamen Wolfs“ vorherzusagen.

Guéant wies auch den Vorwurf von Sicherheitsexperten zurück, die Polizei habe es verabsäumt, Merah mit Gas außer Gefecht zu setzen. Der Attentäter hatte sich 32 Stunden lang in seiner Wohnung verschanzt. Der Einsatz von Gas werde von internationalen Konventionen verboten, stellte der Minister klar. Die Polemik komme von Leuten ohne Kenntnis der Lage.

Merah habe gesagt, er wolle den Märtyrertod, erzählte der Chef des Polizei-Einsatzkommandos, Amaury de Hautecloque, dem „Figaro“. „Er wollte zu Allah und seinen 72 Jungfrauen.“ Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als ihn zu töten. „Er kam raus wie der Teufel aus der Kiste.“

Kommentare (3)

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Peace

24.03.2012, 14:59 Uhr

Zum Thema "Morde in Toulouse durch einen Islamisten" ist für mich der größte Skandal, die einseitige Berichterstattung "unseres" öffentlich rechtlichen Rundfunks. Die Empörung richtet sich hier nicht gegen den islamistischen Kindsmörder, gegen die religiös ideologische Rechtfertigung seiner Untaten, die der Täter triumphieren hervorstieß, sondern gegen die Polizei und den vermeintlichen politischen Nutzen, den die französischen Parteien aus dem Toulouser Alptraum für ihren Wahlkampf ziehen können.

Es ist unschwer zu erraten, wie die Berichterstattung ausgeschaut hätte, wären der Täter kein Islamist gewesen.

Account gelöscht!

24.03.2012, 15:21 Uhr

Sie haben ja Recht, aber wenn das Thema in den Massenmedien wahrheitsgetreu journalistisch aufbereitet würde, ständen nicht wenige europäische Staaten vor einem Bürgerkrieg ähnlich dem in Irland bis vor wenigen Jahren.

Analyste

24.03.2012, 15:58 Uhr

Ja, die Angst vor den Islamisten und die daraus resultierende Vogel-Strauß-Politik ist sicherlich ein wichtiger Hintergrund der Verharmlosungs-Berichterstattung hierzulande. Man muss aber wirklich feststellen, dass ein imperialistischer Kampf des Islam/ismus gegen unsere Rechtsordnungen im Gange ist. Und auch: dass die Islamisten / islamistischen Terroristen vom Volk in islamischen Staaten mehrheitlich gedeckt werden, siehe die 70 % Wahlerfolge für die Islamisten in Palestina, Ägypten, Tunesien etc. Diese Analyse ergibt wohl auch, dass die Terroristen als die eigentlichen Kampftruppen des Islamismus zu verstehen sind. Diese bilden zusammen mit den Milizen (siehe Libanon, Irak, Iran) die wahre Macht in islamischen Staaten und eben die asymmetrischen Angriffsstruppen außerhalb.

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