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23.04.2014

11:30 Uhr

Nach Unglück am Mount Everest

Das dicke Geschäft in dünner Luft

VonMichael Stahl

Hunderte oft wenig erfahrene Kletterer bezahlen viel Geld, um das „Dach der Welt“ zu erklimmen. Damit könnte jetzt Schluss ein. Nach dem Tod von 16 Sherpas haben ihre Kollegen die Expeditionsvorbereitungen abgebrochen.

Bald geschafft: Die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel sind nur noch mit Höheneuphorie und unbändigem Willen zu meistern. ap

Bald geschafft: Die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel sind nur noch mit Höheneuphorie und unbändigem Willen zu meistern.

Sie haben zusammengepackt und verweigern nun alle Aufstiege. Nach dem Lawinenunglück am Mount Everest mit 16 Toten haben mehrere internationale Expeditionen ihren Aufstieg abgebrochen. Außerdem wollen zahlreiche nepalesische Bergsteiger, die für die meisten Tourengeher unerlässlich sind, am Mittwoch aus Respekt vor ihren Kollegen aus dem Basislager absteigen.

„Die Sherpas haben abgestimmt, dass sie absteigen möchten, und packen zusammen“, erklärte Ed Marzec, dessen US-Expedition bei dem Unglück drei Bergführer verloren hat. Auch der geplante Sprung mit einem Wingsuit vom höchsten Berg der Erde wurde abgesagt. Alle 16 Tote waren Sherpas, bislang wurden 13 Leichen geborgen.

Die nepalesische Regierung, für die die großen Expeditionen aus aller Welt eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes sind, will den Streik noch abwenden. Der Tourismusminister und Vertreter von Bergsteigergruppen würden am Donnerstag ins Basislager fliegen, um die Sherpas umzustimmen, sagte Dambar Parajuli, Präsident des Verbandes der Tourenexpeditionen in Kathmandu.

Inzwischen haben der dritte große Touren-Organisator seine Besteigungen für dieses Jahr gestrichen. "Nach langer Diskussion und nach Berücksichtigung aller Aspekte wurde beschlossen, diese Saison aufzugeben", teilte die in Neuseeland beheimatete Firma Adventure Consultants am späten Dienstagabend mit. Das Unternehmen hatte bei dem Lawinenunglück am vergangenen Freitag drei seiner Bergsteiger verloren.

Rekorde rund um den Mount Everest

Erste Menschen auf dem Everest

Edmund Hillary und Tenzing Norgay stehen 29. Mai 1953 als erste Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest.

Erste Frau

Am 16. Mai 1975 erreicht die Japanerin Junko Tabei als erste Frau das Dach der Welt.

Ohne zusätzlichen Sauerstoff

Peter Habeler und Reinhold Messner besteigen den Berg am 8. Mai 1978 ohne künstlichen Sauerstoff.

Winterbesteigung

Die erste erfolgreiche Besteigung im Winter gelingt den Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy am17. Februar 1980.

Solobesteigung

Am 20. August 1980 klettert Reinhold Messner alleine und ohne künstlichen Sauerstoff auf den Gipfel.

Paraglide-Flug

Der Franzose Jean Marc Boivin fliegt nach seinem erfolgreichen Gipfelsturm mit einem Paraglieder vom Berg.

Längster Gipfelaufenthalt

Babu Chiri Sherpa aus Nepal verbringt am 6. Mai 1999 21 Stunden auf dem Gipfel.

Die schnellste Besteigung

Lhakpa Gelu Sherpa aus Nepal gelingt am 26. Mai 2003 der Aufstieg von Süden her in zehn Stunden und 56 Minuten. Von Norden aus stellt der Südtiroler Hans Kammerlander am 24. Mai 1996 den Rekord von 16 Stunden und 45 Minuten auf.

Erste Abfahrt auf Skiern

Davo Karnicar aus Slowenien fährt am 7.Oktober 2000 in fünf Stunden vom Gipfel zum Basecamp ohne die Skier abzuschnallen.

Erste Abfahrt auf einem Snowboard

Der Franzose Marco Siffredi fährt am 23.Mai 2001 mit dem Snowboard vom Gipfel.

Der erste Blinde auf dem Gipfel

Ohne Augenlicht schafft es als erster Erik Weihenmayer aus den USA am 25.Mai 2001 auf den Berg.

Die meisten Besteigungen

Apa Sherpa stand insgesamt 21 Mal auf dem Dach der Welt.

Jüngster Mensch auf dem Everest

Der jüngste Besteiger ist bislang der US-Amerikaner Jordan Romero, der 2010 im Alter von 13 Jahren den Gipfel erreichte.

Ältester Mensch auf dem Everest

Am 23. Mai 2013 erreicht mit dem 80-jährigen Japaner Yuichiro Miura der bislang älteste Mensch auf dem Gipfel.

Zuvor hatten bereits die Alpine Ascents International und der Discovery Channel ihre Projekte für den höchsten Gipfel der Erde auf Eis gelegt. Tausende Bergsteiger, die zum Teil schon viel Geld für Expeditionen bezahlt haben, stehen vor einer bitteren Enttäuschung - und der nepalesischen Tourismusbranche und dem Staat drohen verheerende Einbußen.

Das Geschäft mit dem Mount Everest wäre ernsthaft in Gefahr. Denn mit dessen Besteigung verdienen viele Seiten viel Geld. Die Chronologie der Profits mit dem spektakulärsten aller Berge beginnt 1953 – mit einer Schlagzeile der britischen „Evening News“, die falscher nicht hätte sein können: „Er wird nie wieder erstiegen werden“, schrieb das Blatt damals, kurz nachdem die Nachricht über die erfolgreiche Erstbesteigung des höchsten Bergs im Königreich eintraf.

Der neuseeländische Bienenzüchter Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay hatten am 29. Mai 1953 gegen 11.30 Uhr als erste Menschen den Gipfel des Mount Everest erreicht. Seitdem hat das nepalesische Tourismusministerium mehr als 5000 weitere Gipfelstürmer registriert.

Was damals als historische und heldenhafte Entdeckerleistung rund um den Globus gefeiert wurde, ist heute zu einem einträglichen Geschäft geworden. Schnellster Aufstieg, ältester Gipfelbezwinger, der erste Blinde auf dem Dach der Welt: Kritiker beklagen schon lange, der Everest würde zunehmend von Selbstdarstellern instrumentalisiert. Zu sehr stünden kommerzielle Interessen im Fokus, sagen sie.

Einer dieser „Selbstdarsteller“ ist Aydin Irmak. Im Jahr 2012 versuchte der New Yorker Fahrradhändler mit seinem Drahtesel den Gipfel zu erreichen. Es wäre ein schöner PR-Gag gewesen, für ihn und die von ihm engagierte Expeditionsagentur.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

23.04.2014, 16:05 Uhr

"...hinterließen gleichzeitig immer größere Abfallberge, die dem Everest den Ruf als höchste Mülldeponie der Welt einbrachte."
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Dieser Massentourismus auf den Gipfel mit seinen Auswüchsen ist eine Schande! Qomolangma ist immer noch ein heiliger Ort! Ein bißchen mehr Ehrfurcht vor der Natur dort könnte nicht schaden!

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