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16.07.2014

15:48 Uhr

Nach ZDF-Show-Skandal

Pilawa übt Kritik an seinem alten Arbeitgeber

Das ZDF kommt nach dem Ärger um seine Rankingshow „Deutschlands Beste“ nicht zur Ruhe. Nun übt auch ARD-Moderator Jörg Pilawa Kritik am Mainzer Sender. Und Fernsehratsvorsitzender Ruprecht Polenz hat eine Lösung parat.

Jörg Pilawa kritisiert seinen ehemaligen Arbeitgeber ZDF. dpa

Jörg Pilawa kritisiert seinen ehemaligen Arbeitgeber ZDF.

MainzTV-Moderator Jörg Pilawa (48), zu Jahresbeginn vom ZDF zur ARD gewechselt, hat seinen alten Sender nach den Manipulationen an der Rankingshow „Deutschlands Beste“ kritisiert. „Die scripted reality ist jetzt auch in der Unterhaltung angekommen“, sagte der 48-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Das Fernsehen entferne sich auf diese Weise vom Zuschauer. Unter „scripted reality“ versteht die Branche TV-Beiträge, die dokumentarisch wirken, aber von Drehbuchautoren verfasst werden.

Das ZDF hatte in den zwei Shows „Deutschlands Beste!“ am 2. und 3. Juli die angeblich nach Umfragen beliebtesten 50 Frauen und Männer vorgestellt. Am vergangenen Freitag räumte der Sender ein, dass die Redaktion die Listen gezielt manipuliert habe. Eingeladene Gäste der Shows seien im Ranking nach oben gestuft worden. Das ZDF prüft derzeit „arbeitsrechtliche Konsequenzen“. Möglicherweise werden diese noch in der laufenden Woche getroffen.

Die Kontrollgremien des ZDF

Die Aufgaben des Fernsehrats

Der ZDF-Fernsehrat überwacht das Programm und die Richtlinien für die Sendungen, befasst sich mit Beschwerden, genehmigt den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushaltsplan und wählt den Intendanten.

Die Mitglieder des Fernsehrats

Der ZDF-Fernsehrat hat 77 Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen. Dazu zählen zum Beispiel die großen Kirchen, der Zentralrat der Juden in Deutschland, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände, Umweltverbände und der Deutsche Sportbund. Die 16 Länder schicken je einen Vertreter, der Bund entsendet drei und die politischen Parteien schicken zwölf Vertreter. Die Mitglieder sollen in ihrer Zusammensetzung die Vielfalt der Gesellschaftsordnung repräsentieren. Es gibt grob eingeteilt zwei Freundeskreise: CDU-nah und SPD-nah. Der Fernsehrat tagt meist viermal im Jahr. Vorsitzender ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz.

Aufgaben des Verwaltungsrats

Der ZDF-Verwaltungsrat überwacht die Tätigkeit des Intendanten, beschließt über dessen Dienstvertrag und über den Haushaltsplan, den der Intendant entwirft.

Die Mitglieder des Verwaltungsrats

Der ZDF-Verwaltungsrat hat 14 Mitglieder: Neben fünf Vertretern der Länder und einem des Bundes werden acht Mitglieder vom Fernsehrat gewählt. Sie dürfen weder einer Regierung noch einer gesetzgebenden Institution wie etwa Bundes- oder Landtag angehören. Der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) leitet den Verwaltungsrat. Weitere Ländervertreter sind die Ministerpräsidenten von Bayern und Sachsen, Horst Seehofer (CSU) und Stanislaw Tillich (CDU), Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und Brandenburgs Ex-Regierungschef Matthias Platzeck (SPD).

Der Intendant

Thomas Bellut vertritt das ZDF nach außen und ist für alle Geschäfte und die Programmgestaltung verantwortlich.

Der Vorsitzende des ZDF-Fernsehrats, Ruprecht Polenz, schlug inzwischen vor, bei künftigen Shows mit Umfragen Experten mitwirken zu lassen. „Zu möglichen strukturellen Konsequenzen könnte gehören, dass bei jeder Sendung, in die Zuschauer per Umfrage repräsentativ einbezogen werden sollen, eine Stelle mitwirkt“, teilte Polenz der Nachrichtenagentur dpa in Mainz mit. Dies solle eine Institution sein, die mit derartigen Befragungen Erfahrungen habe „wie zum Beispiel die ZDF-Medienforschung oder die Forschungsgruppe Wahlen“.

Der Fernsehratsvorsitzende hatte in einem Schreiben an die Mitglieder des Kontrollgremiums erklärt, der Vorfall habe die Glaubwürdigkeit des ZDF beschädigt. Es müsse Konsequenzen geben, damit sich so etwas nicht wiederhole.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Manfred Zimmer

16.07.2014, 16:31 Uhr

"Das ZDF kommt nach dem Ärger um seine Rankingshow „Deutschlands Beste“ nicht zur Ruhe."

Das ZDF wird wohl künftig keine Umfrageergebnisse mehr veröffentlichen. Es gibt da noch so einige zweifelhafte Shows, die manipuliert sein könnte. Ich denke da unter anderem an das Politbarometer.

Herr Andreas Glöckner

16.07.2014, 16:36 Uhr

Glaubt Herr Pilawa eigentlich, dass er bei der ARD sicher ist? Besser er schaut sich das Kontrollgremium der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten an.

Überhaupt bekommt das Deutschland nach der Krise nicht das Gesicht, an das man glaubt, wenn Menschen "gemeinsam" eine Krise durchgestanden haben. Das Deutschland heute, im Konflikt mit den USA und Russland, aufgebaut auf Lügen, die noch nicht mal von den Machern dieses Landes selbst oder deren Gegenern kommen, sondern von den Medien.

Das Fernsehen ist keine geeignete Informationsquelle. Und es ist war, der Mensch glaubt nur an das, an das er glauben will. Wie die Medien letztlich in ihre eigenen Informationsmuster "verwickelt" werden konnten, keine Ahnung. Die Frage ist, wie lange sie brauchen werden, um zu durchschauen, dass der Erfolg, den falschen Menschen zugeschrieben wurde, und das sie es selbst waren, die diese Überzeichnungen vorgenommen haben. Natürlich,so kann man sagen, dass man medial erfolgreich war. Ein Koch,der sein eigenes Essen nicht isst, ist ein schlechter Koch. So gesehen hat die mediale Propaganda selbstüberzeugend und damit gut gearbeitet.

Wer zu kurz kommt sind die eigentlichen Denker dieses Landes. Die nicht immer blonde Haare haben und noch seltener blauäugig sind. So wie schon in anderen Jahrhunderten zuvor.

Die deutsche Innovationskraft kommt woanders her, sie kommt jedenfalls nicht von den vermeintlich "deutschen" Medien.
Und Herr Pilawa? Nun,wenn er nicht bald die Augen öffnet, dann wird er auch nicht merken, dass er vom Regen in die Traufe gefallen ist.

Herr Jürg Walter Meyer

16.07.2014, 17:47 Uhr

Die Sucht nach dem Besten / der Besten!
Nach dem ADAC nun das ZDF - wo wird in Deutschland bei der Kür des Besten / der Besten sonst noch manipuliert?
Das Verhalten des ADAC, wie des ZDF ist ein Skandal. Eine Frage, die sich aufdrängt, die aber anscheinend unter den Teppich gekehrt wird ist die: Ist Geld geflossen, wurde bestochen? Vor allem bei der Kür des "Besten Autos", der "Beliebtesten Automarke" oder wie auch immer im Detail die Frage lautete, die der ADAC kompetent beantwortete, ist Bestechung vorstellbar. Nur vorstellbar?
Die Quelle für diese Manipulationen ist der Drang der deutschen Presse / der deutschen Politiker / der deutschen Gesellschaft, alles und jedes zu klassifizieren und möglichst in vielen "Disziplinen" der Beste / die Beste zu sein. So versteht sich Deutschland nicht nur als der Meister im Durstlöschen, sondern, ernsthafter, als das Land mit der bester Ausgestaltung des dualen Bildungssystems, was nicht der Fall ist oder als das Land der besten Mülltrennung / -entsorgung, was ebenfalls nicht zutrifft, um nur zwei Beispiel zu nennen. Liegt Deutschland in der Pisa-Rangliste relativ weit hinten ist das Land niedergeschlagen. Grüne und rote Politiker nehmen dieses "Versagen" zum Vorwand und starten ideologisch geprägte Schul"reformen" und - siehe Baden-Württemberg - setzen diese um, koste es was es wolle. Die Politiker, die dies auslösen sind in Pension, wenn es sich zeigen wird, welche Misserfolge ihre "Reformen" sind.
Vergleichen! Es lässt sich nicht alles vergleichen und aneinander messen auch wenn es scheinbar das gleiche ist, wie zum Beispiel die Bildung: Es gibt keine gemeinsame OECD- / EU-Bildungskultur – deren Erfolg im Ländervergleich gemessen und klassifiziert werden kann. Es darf dies auch nie geben.
Nicht nur die EU, sondern auch die OECD hat ihren bürokratischen Wasserkopf, wo viele Menschen Überflüssiges, ja Falsches ersinnen und durchführen.

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