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11.04.2011

17:06 Uhr

Nachbeben bedrohen AKWs

Japanischer Botschafter stellt Energiekonzept infrage

Japan ist zum wiederholten Male von einem schweren Nachbeben erschüttert worden. Diesmal war auch die Kühlung des Unglücksreaktors Fukushima betroffen. Unabhängig davon wird die Evakuierungszone erweitert.

Schweres Nachbeben in Japan

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TokioEinen Monat nach Tsunami, Erdbeben und Atomunfall sieht der japanische Botschafter in Berlin, Takahiro Shinyo, sein Land vor gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen. „Wir müssen darüber nachdenken, was der beste Mix von Energiequellen ist“, sagte Shinyo am Montag. Dabei gehe es auch um die Nutzung erneuerbarer Energien.

Beim Wiederaufbau für 300.000 Menschen könne sich die Gestaltung von Städten, Kommunen und Wohnungen verändern. Möglich seien Öko-Städte. „Das ist ein Neubeginn japanischer Lebensweise“, ergänzte der Botschafter. Über die Sicherheit von Atomenergie müsse in Japan diskutiert werden. „Im Moment kämpfen wir. Aber später müssen wir darüber nachdenken.“

Für den Wiederaufbau geht Shinyo von umgerechnet 130 bis 220 Milliarden Euro aus. Wie viel Minus die japanische Wirtschaft in diesem Jahr zu verkraften habe, sei noch nicht abzusehen. Allein bei den japanischen Fluggesellschaften sei die Zahl der Reisenden seit März um die Hälfte bis zu zwei Dritteln zurückgegangen. Zulieferungen in der Auto- und Mobilfunkbranche wolle Japan so schnell wie möglich wieder aufnehmen. Helfen würde dem Land auch ein Freihandelsabkommen mit der EU. Gespräche darüber erhofft sich Japan im Mai.

Ursachen und Folgen von Nachbeben

Was ist ein Nachbeben?

„Bei einem Beben bricht ein Teil der Erdkruste auf. Da gibt es eine richtige Bruchfläche“, erklärt Zschau. Weil bei allen Beben die Erdoberfläche nicht vollkommen durchbricht, sondern nur teilweise, ist die Erde unter Spannung gesetzt und Teile der Erdkruste brechen hintereinander weg. Auch an den Rändern des Bruches baut sich viel Spannung auf. Dort reißt die Erdkruste weiter ein - auch das sind Nachbeben.

Gibt es bei jedem Beben Nachbeben?

Ja. Die Stärke des Bebens spielt keine Rolle. Auch kleinere Erdbeben haben Nachbeben, sie sind einfach schwächer. In Japan gibt es laut Zschau fast täglich Nachbeben der Stärke 4.

Wie stark können Nachbeben sein?

In der Regel sind die Nachbeben kleiner als das Hauptbeben. „Man kann von der Faustregel ausgehen, dass die stärksten Nachbeben etwa eine Stufe kleiner sind als das Hauptbeben“, sagt Zschau. Das würde heißen, bei dem Hauptbeben in Japan am 11. März von einer Magnitude 9,0 können die Nachbeben durchaus eine Stärke von acht erreichen.

Klingen die Nachbeben mit der Zeit ab?

Die gute Nachricht lautet: Ja. Mit der Zeit klingen die Nachbeben ab, weil die Bereiche, die erschüttert worden sind, an der Erdoberfläche durchbrochen wurden. Die Wahrscheinlichkeit für stärkere Ereignisse nimmt ab. Die schlechte Nachricht lautet: Das Beben am 11. März war so stark, dass es in den nächsten Monaten viele weitere Nachbeben geben wird. „Noch nach Jahren wird sich die Aktivität in der Region nicht völlig beruhigt haben“, sagt Zschau. Die Gefahr eines großen Nachbebens aber „dürfte in etwa einem Jahr vorbei sein“, prophezeit Zschau.

Ist nur die Krisenregion von weiteren Beben betroffen oder sind auch andere Regionen gefährdet?

Die gesamte Region, die vom Hauptbeben im März erschüttert wurde, ist von weiteren Nachbeben bedroht. Ein Beben der Magnitude sieben bricht maximal eine Fläche von 20 bis 30 Kilometer auf. Ein Beben der Stärke acht könnte laut Zschau eine Fläche weiter als 100 Kilometer erschüttern, das Beben der Stärke neun muss etwa 500 Kilometer weit gereicht haben. Bei schweren Beben sind deshalb auch Randgebiete der Krisenregion von weiteren Nachbeben betroffen.

Die wichtigsten beiden Aufgaben seien nun, die Evakuierten zu betreuen und den Atomunfall in den Griff zu bekommen, sagte der Botschafter. Die Folgen der Katastrophe seien auch in Tokio zu spüren. „Wir leben in einer Stromgesellschaft. Nun müssen wir Strom sparen. Es wird dunkler in Tokio“, sagte der Botschafter. Auch das werde die Lebensweise verändern. Ein radikales Umsteuern bei Japans Atomenergie hält er „von heute auf morgen“ allerdings für unmöglich.

Shinyo dankte Deutschland ausdrücklich für die Anteilnahme, Unterstützung und Spenden. Kritik am Gastland äußerte Shinyo aber auch: „Meiner Meinung nach haben sich die Medien hier zu sehr auf die Atomkatastrophe konzentriert.“ Im Japan gebe es nur örtlich begrenzt hohe Werte. Radioaktivität werde regelmäßig gemessen.

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