Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.04.2013

11:38 Uhr

Nachfolger von Königin Beatrix

Niederländisches „Königslied“ erntet Spott und Kritik

Die Textdichtung für die Lobeshymne auf den künftigen König Willem-Alexander sorgt für ordentlich Zündstoff. Nach einem Sturm der Entrüstung zieht der Komponist das „schlechteste Lied aller Zeiten“ nun wieder zurück.

Der Komponist hat das Königslied für den künftigen niederländischen Monarchen Willem-Alexander zurückgezogen. ap

Der Komponist hat das Königslied für den künftigen niederländischen Monarchen Willem-Alexander zurückgezogen.

Den HaagNach einem Sturm der Entrüstung in der Bevölkerung hat der Komponist das Königslied für den künftigen niederländischen Monarchen Willem-Alexander zurückgezogen. Angesichts des Shitstorms im Internet habe er keine andere Wahl gesehen, teilte John Ewbank in der Nacht zum Sonntag auf seiner Facebook-Seite mit. Das Komitee für den Thronwechsel habe Verständnis für die Entscheidung geäußert, berichtete der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NOS am Sonntag.

Seit der offiziellen Präsentation des Songs am Freitag wurden die Schöpfer und vor allem Komponist Ewbank mit nicht selten persönlich verletzender Kritik überhäuft. Sein Twitter-Account sei durch eine Flut von beleidigenden Mitteilungen lahmgelegt worden, beklagte Ewbank. Unter anderem sei er aufgefordert worden, sich „in Schande begraben zu lassen“. Zudem seien die Steinigung und die Verbrennung auf einem Scheiterhaufen als Strafen für das „schlechteste Lied aller Zeiten“ gefordert worden.

Die Empörungswelle brechen

Monitoring betreiben

Beobachten Sie genau, was im Internet über Ihre Marke und Ihr Unternehmen geschrieben wird. Ein solches Monitoring können Sie selbst machen oder bei einer Agentur in Auftrag geben. So banal es auch klingt: Längst nicht alle Unternehmen wissen, was auf ihren eigenen Facebook-Seiten läuft. Ein Beispiel: Unlängst wurde die Facebook-Seite der Unilever-Marke Dove mit Links zu Pornoseiten überschwemmt. Da stellt sich durchaus die Frage: Schaut denn da niemand drauf?

Fangemeinde aufbauen

Bauen Sie sich systematisch eine eigene Fangemeinde auf, seien Sie im Internet aktiv, begeistern Sie Ihre Kunden. Sollten Sie dann doch einmal angegriffen werden – ob gerechtfertigt oder nicht – springt Ihnen auf jeden Fall der beste Anwalt zur Seite, den es gibt: Ihre eigene Fangemeinde. Ein Vorzeigebeispiel ist in diesem Fall die Drogeriekette DM.

Empörung nicht unterschätzen

Verschwenden Sie keine Zeit an den Gedanken, dass Sie nicht Opfer von Shitstorms werden können, wenn Sie gar nicht erst in den sozialen Netzwerken aktiv sind. Denn Kundenempörung kann sich überall entladen. Da ist es schon besser, es passiert auf Ihrer eigenen Webseite, wo Sie beschwichtigend eingreifen können.

Risiko einordnen

Wenn Sie plötzlich eine Ansammlung kritischer Kommentare entdecken, müssen Sie schnell eine Risikoeinordnung vornehmen. Ihre Social-Media-Kompetenz sollte so groß sein, dass Sie innerhalb einer Stunde einschätzen können, wer der Absender des Protests ist, wie groß seine Reichweite ist und welche Ernsthaftigkeit dahintersteht.

Eingreifen - oder es lassen

Anschließend müssen Sie die Frage klären, ob Sie eingreifen wollen. Handelt es sich beispielsweise nicht um substanzielle Kritik an Ihrem Unternehmen, dann ist die Cool-bleiben-Strategie richtig. Allerdings sollten die Provokateure darauf hingewiesen werden, dass ihre Sprache jugendfrei und nicht beleidigend sein sollte. Andernfalls drohen Sie, die Stänkerer zu sperren.

Stellung nehmen

Sollte die Kritik der Internet-User substanziell sein, dann sollten Sie auch dazu Stellung nehmen. Das heißt noch lange nicht, dass Sie in den ersten Stunden nach Ausbruch des Sturms sofort mit einer fertigen Lösung aufwarten müssen. Aber Sie sollten authentisch sein und zeigen, dass Sie derzeit alles daransetzen, den Sachverhalt aufzuklären.

Gelassen bleiben

Wenn Sie erst mal mitten im Auge des Web-Orkans stehen, dann bleiben Sie gelassen. Zeigen Sie Empathie und hören den Protestlern zu. Wichtig ist: Fangen Sie nicht an, zurückzuschimpfen oder oberlehrerhaft zu wirken. Komplizierte sachliche Argumente, so richtig sie sein mögen, sind in diesem Moment fehl am Platz. Greifen Sie stattdessen die Netzsprache auf und zeigen ein wenig Humor.

Keine Beiträge löschen

Löschen oder zensieren Sie nicht die Beiträge von Ihren Kritikern. Zeigen Sie sich souverän und stellen Sie sich den Vorwürfen.

Agendasetting betreiben

Sorgen Sie dafür, dass das Thema des tobenden Shitstorms nicht Ihr Unternehmen und dessen Außenwirkung beherrscht. Betreiben Sie Agendasetting: Wählen Sie andere Themen aus, für die sich Ihre Kunden interessieren könnten und treiben Sie diese voran. Damit relativieren Sie die Bedeutung des Shitstorms.

Mit dem Unplanbaren rechnen

Rechnen Sie mit dem Unvorhersehbaren, mit dem Unplanbaren. Unternehmen, die alles kontrollieren wollen – auch ihre Kunden – werden an den Möglichkeiten der sozialen Netzwerke verzweifeln. Denn dort übernehmen nun einmal immer mehr die Konsumenten die Kommunikation.

Das Komitee für den Thronwechsel erklärte, Anliegen des Königslieds sei es gewesen, Menschen zu verbrüdern und nicht, sie zu entzweien. An der Textdichtung für die Lobeshymne auf den künftigen König hatten sich zuvor Hunderte von wohlmeinenden Niederländern im Internet beteiligt.

Königin Beatrix im Kurzporträt

1938

Beatrix Wilhelmina Armgard van Oranien-Nassau kommt am 31. Januar auf Schloss Soestdijk in Baam (Niederlande) zur Welt.

1956

Als offizielle Thronfolgerin tritt sie in den Staatsrat ein. Im selben Jahr beginnt sie ihr Studium an der Universität Leiden - Jura, Soziologie, Geschichte.

1961

Juristische Promotion

1966

Gegen großen Widerstand in der niederländischen Bevölkerung heiratet sie den deutschen Diplomaten Claus von Amsberg (1926-2002).

1967-69

Ihre Söhne Willem-Alexander, Johan Friso und Constantijn kommen zur Welt.

1980

Beatrix' Mutter, Königin Juliana, dankt am 30. April ab. Beatrix wird noch am selben Tag gekrönt.

1996

Karlspreis der Stadt Aachen für ihre Verdienste um die Zusammenarbeit in Europa

2002

Hochzeit von Thronfolger Willem-Alexander und seiner Braut Máxima aus Argentinien. Am 6. Oktober stirbt Prinz Claus nach langer Krankheit.

2012

Beatrix' Sohn Johan Friso wird beim Skifahren in Österreich von einer Lawine verschüttet. Er erleidet einen schweren Hirnschaden und bleibt möglicherweise lebenslang im Wachkoma.

2013

Die Königin kündigt am 28. Januar ihren Rücktritt an. Neues Staatsoberhaupt soll am 30. April Kronprinz Willem-Alexander werden.

Rund 3300 Menschen schickten Text-Ideen zu angeblich typisch niederländischen Symbolen, darunter Fahne, Löwe, Wasser und Wind - aber auch Eintopf. 51 bekannte niederländische Künstler nahmen den Song schließlich auf. Er sollte beim Thronwechsel von Königin Beatrix zu Willem-Alexander am 30. April in Amsterdam als Hymne des Tages erklingen.

Am Freitagabend hatten bereits tausende Niederländer im Internet eine Petition gegen den Song unterschrieben. "Aus Protest gegen dieses schwachsinnige 'Königslied' trete ich hiermit als niederländischer Bürger zurück", heißt es in der Petition mit dem Titel "Ich sage Nein zum Königslied".

Das mehr als fünfminütige Stück ist eine Mischung aus Volksmusik, Chorgesängen und Rap. "Ich habe noch nie ein so schlechtes Lied gehört", schrieb einer der Unterzeichner der Petition. "Wenn du es noch nicht bist, wirst du mit diesem Lied spontan zum Republikaner", schrieb ein anderer. Ein weiterer Internetnutzer nannte das Lied einen "Angriff auf die Niederlande".

Auch der Text des Lieds wurde kritisiert. "Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt, ich werde wachen, wenn du schläfst, ich beschütze dich gegen den Sturm, ich bewahre dich in Sicherheit, solange ich lebe", heißt es etwa in dem Lied. Inspiriert ist der Text, wie es offiziell heißt, durch Beiträge von mehr als 3300 Niederländern, die der Einladung gefolgt waren, ihre "Träume" für die Zukunft ihres Landes mitzuteilen.


Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

wadenzwicker

21.04.2013, 17:25 Uhr

Haben die Niederländer denn keine Hymne? Die sollte doch eigentlich reichen. Und wenn man dann noch das ganze nutzlose blaublütige Personal ausrangieren tät', dann wärs perfekt.

Account gelöscht!

21.04.2013, 19:04 Uhr

Glücklich das Land, das solche Probleme hat.

Und ich habe mich nach mehreren Aufenthalten immer getröstet, dass nicht wir das Land mit dem am wenigsten ausgeprägten aber schrillsten Humor sind, sondern die Holländer.

Mit der Aktion, im Jahr 2013 einen Barden der Gattung Troubadix öffentlich zu steinigen und auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen verbunden mit einer flächendeckenden Petition gegen den Song unter dem Motto: "Aus Protest gegen dieses schwachsinnige 'Königslied' trete ich hiermit als niederländischer Bürger zurück" haben sie uns wieder den Rang abgelaufen.

Jetzt sind wir wider auf dem letzten Platz. Und alles nur wegen einem Lied, das zugegeben extrem dümmlich ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×