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24.11.2011

14:16 Uhr

Nachrichten in der Nacht

Schlaf-Simsen ist „wachsendes Phänomen"

„Schatz, bist du da? Ich muss dir etwas sagen", schrieb eine Texanerin via Handy - während sie schlief. Wissenschaftler glauben, dass Schlaf-Simsen gerade bei jungen, technikaffinen Menschen ein wachsendes Phänomen ist.

Das Handy ist bei vielen jungen Menschen zu einer Art Armverlängerung geworden. dpa

Das Handy ist bei vielen jungen Menschen zu einer Art Armverlängerung geworden.

Düsseldorf/LondonSchlafwandeln war gestern - das neue nächtliche Phänomen heißt Schlaf-Simsen. Die britische Zeitung „The Telegraph" berichtet, dass immer mehr Handybesitzer unbewusst schlafend SMS verschicken. Schlafforscher sehen darin die logische Konsequenz aus der zunehmenden Technikaffinität junger Menschen. Das britische Blatt berichtet von dem Fall einer 24-Jährigen Texanerin, die während einer SMS-Konversation mit ihrem Freund eingeschlafen und dennoch weiter getextet haben soll. „Schatz, bist du da? Ich muss dir etwas sagen", soll sie - längst eingedöst - geschrieben haben, bevor sich die Nachrichten schließlich zu einem unverständlichen Buchstabensalat entwickelten.

Doch ist es tatsächlich möglich, mit geschlossenen Augen und geistesabwesend Textnachrichten per Handy zu versenden, die dann auch noch Sinn ergeben? In diesem Punkt sind die Wissenschaftler noch uneins. Ron Kramer von der Amerikanischen Akademie für Schlafmedizin hält das offenbar für möglich. Der Grund: „Simsen ist für einige Menschen der jüngeren Generation ein natürlicher Automatismus wie das Autofahren geworden." Eine ähnliche Meinung vertritt auch Jan Van den Bulck von der Katholischen Universität im belgischen Leuven. Seiner Meinung nach sind Handys in vielen Fällen so etwas wie die Verlängerung der Finger junger Menschen geworden.

Die britische Zeitung „The Daily Mail" hingegen spricht beim Schlaf-Simsen von „kleinen Nachrichten, die noch nicht einmal Esperanto-Experten entziffern könnten" und zitiert den Schlafexperten David Cunnington vom Zentrum für Schlafstörungen in Australien: „Wir hatten zwar schon Patienten, die davon berichtet haben, dass sie im Schlaf SMS an Freunde und Verwandte verschickt haben, aber ich glaube nicht, dass es sich dabei um ein Massenphänomen handelt." Ein anderes Schlafphänomen trete seiner Erfahrung nach noch viel häufiger auf: das E-Mailen im Schlaf. Eine Frau hatte etwa in der Nacht ihre Freunde per E-Mail zu einer Party eingeladen und war dann verwundert als diese mit Sekt vor ihrer Haustür auftauchten.

Aber ob nun die Nachricht am PC oder übers Handy - in beiden Fällen sei Stress die Ursache. "Menschen sind tagsüber mit tausend Dingen beschäftigt. Das kann dazu führen, dass sie selbst nachts das Gefühl haben, im „Bereitschaftsmodus" zu sein", erklärt Cunnington.

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