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25.04.2015

16:24 Uhr

„Nachtwölfe“ auf dem Weg nach Berlin

Außenministerium entzieht russischen Rockern Visa

Die russischen „Nachtwölfe“ fahren nach Berlin: Die Biker wollen die rote Armee mit einer „Siegesfahrt“ ehren. Die deutsche Botschaft hatte den Rockern Visa ausgestellt. Das Auswärtige Amt entzog sie ihnen nun wieder.

Alexander Zaldostanow, der Präsident des russischen Motoradclubs „Nachtwölfe“ nimmt an einer Tour des Clubs in Moskau teil: Er ist mit weiteren Rockern gegenwärtig auf den Weg nach Deutschland. dpa

Motorradclub „Nachtwölfe“

Alexander Zaldostanow, der Präsident des russischen Motoradclubs „Nachtwölfe“ nimmt an einer Tour des Clubs in Moskau teil: Er ist mit weiteren Rockern gegenwärtig auf den Weg nach Deutschland.

MoskauTrotz Einreiseverbots nach Polen haben rund 20 Mitglieder des russisches Rockerclubs Nachtwölfe am Samstag in Moskau ihre Fahrt auf Motorrädern Richtung Berlin gestartet. Der Vorsitzende des Clubs, Alexander Saldostanow, sagte, die Fahrer könnten versuchen, das Verbot zu umgehen, indem sie einzeln an verschiedenen Grenzstationen nach Polen einreisen würden. Polen hatte am Freitag erklärt, die Rocker wegen ihres aggressiven nationalistischen Auftretens nicht einreisen lassen zu wollen.

Die deutsche Botschaft in Moskau hatte dem umstrittenen Bikerclub erst zehn Visa für die Einreise erteilt. Das Kanzleramt hatte das Bundesaußenministerium nach „Bild“-Informationen aufgefordert, die Einreisegenehmigungen zu annullieren. Die Bundesregierung stellte daraufhin doch dem geplanten Weltkriegs-Korso in den Weg. „Führenden Mitgliedern der Nachtwölfe wird die Einreise nach Deutschland verweigert“, hieß es am Samstag in Regierungskreisen in Berlin. Die deutschen Behörden hätten zudem jene Visa annulliert, die „unter Vorspiegelung falscher Tatsache erschlichen“ worden seien.

Auch der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, hatte die Bundesregierung zuvor aufgefordert, den russischen Rockern, die in Berlin einen Motorradkorso durchführen wollen, die Einreise zu verweigern.

„Deutschland sollte seinen Nachbarn Polen in dieser Angelegenheit nicht allein lassen. Es kann nicht sein, dass russische Chauvinisten und Stalin-Verehrer das 70. Jubiläum des Kriegsendes für martialische Aufzüge in ihren Nachbarländern missbrauchen“, sagte Knabe dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). 

Viele Polen lehnen die geplante Motorradkavalkade ab - vor allem angesichts der Spannungen mit Russland wegen der Kämpfe in der Ukraine. Sie sind der vor mehr als 20 Jahren aufgelösten Sowjetunion zwar dankbar, dass sie die Deutschen aus ihrem Land vertrieb. Doch haben sie nicht vergessen, dass der sowjetische Diktator Josef Stalin 1939 als Bundesgenosse Adolf Hitlers in Polen einfiel, 1940 in Katyn einen Massenmord an polnischen Offizieren ausführen ließ und 1944 den Warschauer Aufstand gegen die Deutschen kaum unterstützte. In der vergangenen Woche hatte Ministerpräsidentin Ewa Kopacz die Reisepläne der Nachtwölfe als Provokation bezeichnet.

Knabe hatte in der vergangenen Woche bereits den Berliner Polizeipräsidenten aufgefordert, in der Angelegenheit aktiv zu werden. In einem Schreiben bat er ihn zu verhindern, dass das sowjetische Ehrenmal wie 2013 erneut „für pietätlose Propagandaaktion“ missbraucht werde. „Ich möchte Sie ausdrücklich dazu ermuntern, die geplante Kundgebung im Vorfeld rechtlich genau zu prüfen und sie gegebenenfalls auch zu unterbinden“, hieß es in dem Brief.

„Unsere Reise ist eine Demonstration des Vertrauens, nicht der Stärke. Wir wollen die Gräber unser Großväter besuchen, das ist unsere Pflicht“, sagte der Biker Saldostanow. Der vom russischen Präsidenten Wladimir Putin unterstützte Rockerklub ist in der Vergangenheit durch aggressive nationalistische Aussagen hervorgetreten und soll auch die Separatisten in der Ukraine unterstützt haben.

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