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11.07.2017

11:38 Uhr

Nachwuchs-Hacker

Kinderleicht Programmieren lernen

VonMona Fromm

Gibt es in Deutschland keine guten Programmierer? Nein, heißt die Antwort der Coding Schulen und Initiativen für Programmiernachwuchs. Kinder sollen die Welt verstehen, auch digital. Dazu braucht es mehr als nur Code.

Mit derlei Fingerübungen wird der Nachwuchs ans Programmieren herangführt.

Selbstgebaute Alarmanlage

Mit derlei Fingerübungen wird der Nachwuchs ans Programmieren herangführt.

Krefeld„Komm, los, wir haben alle vier Zahlen für den Code!“, ruft Simon*. Er rennt los in Richtung Tresor. Sein Zettel, auf dem der Code steht, flattert im Wind. Justus* rennt ihm hinterher. Die beiden lachen. Am Tresor wartet schon Felix. Der Mitarbeiter bei „Jugend hackt“, einer Initiative zur Förderung des Programmiernachwuchses, überwacht das Schließfach. Drei. Piep. Sechs. Piep. Eins. Piep. Fünf. Piep. Stern-Taste. Piep. Piep. Der Tresor ist offen.

Die beiden Jungs schlagen triumphierend ein und nehmen sich einen Gewinn: einen selbstgemachten Schlüsselanhänger aus dem 3D-Drucker. Er sieht aus wie der Kopf einer Katze, nur verpixelt, finden auch die Kinder. Tatsächlich handelt es sich um ein Alpaka, das Wappentier der Initiative. An einem Samstagvormittag konnten Kinder ab zehn Jahren in der Mediothek in Krefeld die digitale Welt erkunden. Beim Workshop von „Jugend hackt“ konnten sie nicht nur 3D-Drucker ausprobieren, sondern auch kleine Alarmanlagen und Roboter bauen und programmieren. Was sie dazu brauchten, sind Kreativität, Konzentration und ein bisschen Grips.

Die Deutschen, die ehemaligen Dichter und Denker, haben zwar Grips – sind den neuen Medien und Technologien gegenüber aber nicht offen genug. Die große Exportnation, die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt ist anderen Ländern in Sachen Industrie voraus. Doch die größten Tech-Konzerne und die guten Ideen dahinter kommen aus den USA. Der technische Fortschritt ist hierzulande nur gemächlich. Damit die Maschinen, die mehr und mehr in Betrieben genutzt werden, auch in Zukunft bedient und entwickelt werden können, muss jetzt die digitale Bildung Priorität haben. „Industrie 4.0“ hat bei Google rund 20 Millionen Treffer. „Bildung 4.0“ jedoch hat nur 542.000 Ergebnisse.

Unter Bildung 4.0 fällt zum Beispiel der Unterricht im digitalen Klassenzimmer – oder das Fach Programmieren auf dem Stundenplan. Doch damit ist Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Das ergab die ICILS-Studie 2013, die computer- und informationsbezogene Kompetenzen bei Achtklässlern testete. Nirgendwo kommen Computer seltener im Unterricht zum Einsatz als in Deutschland. In Großbritannien lernen Erstklässler bereits die Grundlagen des Programmierens und finnische Schüler können in Fächern wie Mathematik, Biologie oder Physik coden. An deutschen Schulen gibt es zwar das Fach Informatik, aber es ist nur in neun Bundesländern Pflicht. Die Fähigkeiten im Umgang mit neuen Technologien bezeichnen die Studienautoren lediglich als rudimentär.

Simon ist erst 13, weiß aber schon viel über den Umgang mit Computern und dem Internet. Der Junge in Sportschuhen, grasgrünem T-Shirt und grasgrüner Kappe geht in die siebte Klasse einer Schule in Krefeld; er könnte genauso gut eine Coding Schule besuchen. In Düsseldorf zum Beispiel können Kinder und Jugendliche dort in Kursen Programmiersprachen spielerisch lernen und verstehen, wie die digitale Welt funktioniert. Doch viele in Simons Alter können noch nicht so locker mit dem Computer umgehen, geschweige denn Roboter programmieren. Laut der 2014 durchgeführten Studie „Medienbildung an deutschen Schulen“ können 98 Prozent der 13- bis 15-Jährigen im Internet surfen. Aber das Erstellen einer Website oder das Programmieren beherrschen nur 17 bzw. 18 Prozent. Das Konzept für digitale Bildung fehlt. Und es fängt bei der Ausbildung der Lehrkräfte an. Nur zwei Prozent der Lehrer in Deutschland unterrichten überhaupt Informatik.

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