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26.08.2016

19:32 Uhr

Nationaler Trauertag am Samstag

Erdbebenopfer bekommen ein Staatsbegräbnis

Die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien bekommen ein Staatsbegräbnis. Zu der Trauerfeier an diesem Samstag in Ascoli Piceno kommen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi.

Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. AFP; Files; Francois Guillot

Erdbeben in Italien

Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge.

RomDie Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien werden bei einem Staatsbegräbnis geehrt. Zu der Trauerfeier an diesem Samstag in Ascoli Piceno in den Marken kommen auch Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi. Zugleich wurde für Samstag ein nationaler Trauertag ausgerufen. Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden sollen in ganz Italien auf halbmast gesetzt werden, um der mindestens 278 Toten zu gedenken. Es sei „der Tag der Trauer“, sagte Parlamentspräsidentin Laura Boldrini.

In der kleinen Stadt Amatrice, wo allein 218 Menschen in den Tod gerissen wurden, soll kommenden Dienstag eine Trauerfeier stattfinden. Allerdings ohne einen Leichnam, die Toten wurden an anderen Orten aufgebahrt. Renzi wird auch hier erwartet. Amatrice wurde vom Erdbeben am stärksten betroffen, der historische Stadtkern liegt in Schutt und Asche.

388 Menschen wurden nach Angaben des Zivilschutzes verletzt ins Krankenhaus gebracht. Mindestens 2500 Menschen wurden obdachlos. Eine offizielle Zahl zu den Vermissten gab es nicht. Aber nachdem in den Marken keine Vermissten mehr gemeldet wurden, beschränkte sich die Suche vor allem auf Amatrice. 238 Menschen konnten lebend geborgen werden. Unter den Erdbebenopfern sind auch mehrere Ausländer, nach bisherigen Erkenntnissen aber keine Deutschen.

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Erst jetzt zeigt sich das Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe: mehr als 250 Tote, Hunderte Verletzte, Tausende Obdachlose. Weitere Nachbeben schrecken die Menschen auf. Die Regierung verspricht Millionen für den Wiederaufbau.

Mehr als 1000 Nachbeben seit den schwersten Erdstößen in der Nacht zum Mittwoch versetzten Überlebende und Retter in Angst und Schrecken. Nach einem Beben der Stärke 4,8 drohte auch eine wichtige Brücke nach Amatrice einzustürzen. „Wenn die Brücke nachgibt, haben wir keine Verbindung mehr zur Außenwelt“, sagte Bürgermeister Sergio Pirozzi. Der Ort sei komplett kaputt, es bestehe keine Hoffnung, die alten Gebäude zu retten. Auch das historische Wahrzeichen von Amatrice, der weithin sichtbare Stadtturm, drohte einzustürzen.

Die Regierung von Ministerpräsident Matteo Renzi versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge. „Wir haben die moralische Pflicht gegenüber den Frauen und Männern dieser Gemeinden“, sagte Renzi nach einer Krisensitzung des Ministerrats am Donnerstagabend. „Der Wiederaufbau dieser Dörfer ist die Priorität der Regierung und des Landes.“ Am Abend kam Renzi mit Zivilschutzchef Fabrizio Curcio und Vertretern der betroffenen Regionen zu einem weitern Krisentreffen in Rom zusammen. Dabei sollte es um den Wiederaufbau gehen.

Der Ministerrat hatte zudem den Notstand ausgerufen und erste Hilfsgelder von 50 Millionen Euro zugesagt, insgesamt stehen 234 Millionen Euro bereit. Auch die Erdbebenvorsorge müsse verbessert werden. „Das muss unsere Hausaufgabe für die Zukunft sein“, so Renzi.

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Der Erdbebenschutz wurde auch nach dem schweren Erdbeben von L'Aquila mit 309 Toten vor sieben Jahren verbessert, die Regeln werden jedoch oft nicht umgesetzt. Viele der alten Häuser waren am Mittwoch innerhalb von Sekunden in sich zusammengebrochen.

Derweil gab es auch erste Versuche der Plünderung. In Amatrice wurde ein Mann festgenommen, der in ein Haus eindringen wollte, teilte die Polizei mit.

Auch mehr als 60 Stunden nach der Katastrophe suchten Retter am Freitag in Amatrice weiter nach Überlebenden. Feuerwehrsprecher Luca Cari sagte, noch bestehe die Aussicht, Überlebende unter den Mauerbergen zu finden. „Noch sind wir in der Phase der Hoffnung“, sagte der dem Sender RAI. Ein Video von einem Mädchen, das aus einem Schuttberg in Amatrice gerettet wurde, fand weltweit Aufmerksamkeit.

Die Solidarität war so groß, dass Helfer bereits zurückgerufen wurden. In der Not standen alle zusammen. Auch Migranten spendeten Blut oder halfen bei den Rettungsarbeiten.

Von

dpa

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