Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2011

20:41 Uhr

Naturkatastrophe

Wirbelsturm Yasi wütet an Australiens Küste

Zyklon Yasi bricht mit zerstörerischer Gewalt über der Küste Australiens herein. Der Wind peitscht, die Wellen toben. Zehntausende Menschen harren in ihren verbarrikadierten Häusern aus. Yasi ist einer der schlimmsten tropischen Wirbelstürme seit Menschengedenken.

Das Satellitenbild zeigt, wie der Zyklon Yasi Queensland erreicht. dpa

Das Satellitenbild zeigt, wie der Zyklon Yasi Queensland erreicht.

HB SYDNEY. Der gigantische Zyklon Yasi hat die australische Nordostküste mit voller Wucht getroffen. Orkanartige Winde mit Spitzenböen von rund 300 Kilometern entwurzelten Bäume und rissen Strommasten um. Meterhohe Wellen krachten an die Strände. Das Epizentrum des Wirbelsturms hat nach Angaben von „abc-news“ das kleine Resort Mission Beach zwischen Cairns und Townsville mit voller Wucht getroffen und mit starkem Regen sowie heulenden Stürmen überzogen.

Selbst rund dreißig Kilometer von der Küste entfernt hat es den kleinen Ort Tully getroffen. Der Ort biete ein Bild der Zerstörung mit abgedeckten Häusern und Stromleitungen, die der mächtige Wirbelsturm zerrissen hat, berichtete der „Sydney Morning Herald“ am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit). Unterdessen schwächt sich die Kraft des Zyklons über dem Festland aber bereits ab, da er dort auf kühlere Luft trifft. „Yasi“ sei am Morgen (Ortszeit) von der höchsten Kategorie fünf der international gebräuchlichen Saffir-Simpson-Skala auf die Kategorie drei herunter gestuft worden, berichtet die Zeitung.

In weiten Teilen des Küstengebietes harrten auch in der Nacht zu Donnerstag (Ortszeit) zehntausende Menschen in Notunterkünften aus oder hatten sich in ihren Häusern verbarrikadiert. „Es ist der schlimmste Sturm seit Menschengedenken“, sagte die Bürgermeisterin von Cairns, Val Schier. Die Stadt liegt am oberen Ende der Einfallschneise des Monster-Sturms.

Yasi ist nach Angaben von Wetterforschern einer der stärksten je registrierten tropischen Wirbelstürme. „Wir sehen uns einem Sturm mit katastrophalen Proportionen ausgesetzt, und das in einem dicht besiedelten Gebiet“, sagte auch die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh. „Es wird sehr, sehr beängstigend.“ In dem Gebiet leben rund 300 000 Menschen.

Nach Angaben des Unwetterexperten Thomas Sävert von Meteomedia geht die potenzielle Zerstörung von drei Faktoren aus: dem heftigen Wind, dem starken Regen und Flutwellen. Nach Erwartungen der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach wird innerhalb von 48 Stunden so viel Regen fallen wie in Deutschland in einem halben Jahr.

In der Nacht saßen auch 2000 Menschen im Dunkeln, die in dem als Notlager genutzten Earlsville-Einkaufszentrum in Cairns Unterschlupf gefunden hatten. In Townsville weiter südlich fiel der Strom ebenfalls aus. „Die Wellen und der Wind - das ist einfach unglaublich“, berichtete Robert White, der in Townsville in Strandnähe in einem Haus im vierten Stock wohnt, im australischen Rundfunk. „Wir haben von oben bis unten Glas und hoffen, dass das hält. Wir haben schon unsere Couch und andere Möbel vor die Fenster und Glastüren gerückt.“

In der Region sitzen auch ausländische Touristen fest. Von Cairns und Townsville aus reisen normalerweise viele Besucher auf das Great Barrier Reef. Mission Beach ist für viele Touristen der Ausgangsort für Tauchexpeditionen ins Great Barrier Reef. Zahlreiche Hotels wurden geräumt, teilte das Tourismusbüro von Queensland in München mit.

Der deutsche Hobbytaucher Franz Konrath hat sich in einem Hotel in Sicherheit gebracht. Der Kapitän eines Tauchbootes habe ihn gewarnt, berichtete er der Nachrichtenagentur dpa am Telefon. „Der Zyklon ist das größte Ding, das jemals auf Australien zugekommen ist“, sagte der Kapitän nach den Worten Konraths. Über seine eigene Empfindung sagte der 52-Jährige: „Angst nicht. Aber schon ein mulmiges Gefühl.“

Tracey Forde hatte für sich und ihre Kinder einen der letzten Plätze in einer Notunterkunft in Cairns ergattert. „Es ist so beängstigend“, sagte sie im Rundfunk. „Man weiß einfach nicht, was kommt. Wir hoffen, dass wir in zwei Tagen noch hier sind.“ In Tully in der Nähe von Innisfail sah Ross Sorbello, wie der Wind die Bäume aus dem Boden riss. „Wir beten, dass wir es durch die Nacht schaffen“, sagte er der Nachrichtenagentur AAP. „Häuser können wir wieder aufbauen, jetzt geht es um das Überleben.“

An der Nordostküste Australiens hatte erst 2006 der schwere Zyklon „Larry“ hohe Schäden verursacht. In dem Ort Innisfail wurden tausende Häuser beschädigt. Yasi ist aber wesentlich größer und stärker. Die Ortschaft lag wieder in der Einfallschneise des Wirbelsturms. Der Sturm hatte sich in der Nähe der Fidschi-Inseln gebildet und dort auch seinen Namen erhalten. Auf seinem Weg über den Pazifik an die australische Küste hat Yasi gewaltige Energie aufgenommen; ein Grund ist das derzeit rund 30 Grad warme Wasser des Ozeans.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×