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07.01.2013

13:19 Uhr

Netzstimmen zum Ehe-Aus der Wulffs

„Der Dschungelcamp-Flieger hat extra gewartet“

VonTina Halberschmidt

Das Ehe-Aus der Wulffs beschäftigt auch das Netz. Die einen machen sich über die „Ex-Bundespräsidenten-Ex-Gattin“ und die Trennung lustig, die anderen kritisieren die Medien.

Ausgetanzt: Der frühere Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina haben sich offiziell getrennt. dpa

Ausgetanzt: Der frühere Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina haben sich offiziell getrennt.

Hannover„Laut Bild-Zeitung haben sich Bettina und Christian Wulff getrennt.“ Diese Meldung brachte das Social-Media-Team des Handelsblatt am Montag auf der Facebook-Fanpage – und erntete damit reichlich Kritik. Viele Nutzer erklärten, das Beziehungsleben von Christian und Bettina Wulff interessiere sie nicht. Ein Nutzer kritisierte, dass die Trennung den Medien überhaupt eine Meldung wert sei: „Das Privatleben anderer ist also eine Headline? Wie erbärmlich! Den Journalisten möchte ich sehen, der sich darüber freut, wenn die eigene Trennung groß publik gemacht wird!

Andere machten sich aber durchaus Gedanken über den Grund für das Ehe-Aus. „Hat sie ihn nun etwa fallen gelassen, weil er in die Bedeutungslosigkeit gefallen und vermögenstechnisch auch nicht mehr interessant ist?“, fragt Ingrid Schweikert.

Chronologie Christian Wulff

25. Oktober 2008

Christian Wulff, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, bekommt von der Unternehmergattin Edith Geerkens einen Privatkredit über 500.000 Euro zum Kauf eines Hauses in Burgwedel bei Hannover.

18. Februar 2010

Die Grünen im niedersächsischen Landtag wollen vom damaligen Ministerpräsidenten Wulff unter anderem wissen, welche Spenden beziehungsweise Sponsoringleistungen er oder die CDU in den vergangenen zehn Jahren vom Unternehmer Egon Geerkens erhalten haben und ob es geschäftliche Beziehungen zu Geerkens gab. Wulff verneint dies.

21. März 2010

Die im Dezember 2009 aufgenommenen Gespräche mit der Stuttgarter BW-Bank führen zur Unterzeichnung eines kurzfristigen günstigen Geldmarktdarlehens, mit dem Wulff das Geerkens-Darlehen ablöst. Der Zinssatz beträgt 2,1 Prozent. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vermutet Ende 2011 einen Zusammenhang zwischen dem sehr günstigen Darlehen und dem Einsatz Wulffs als niedersächsischer Ministerpräsident für den Einstieg des VW-Konzerns bei Porsche.

17. August 2011

Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet, dass Journalisten das Grundbuch von Wulffs Haus einsehen dürfen, wenn dies für eine journalistische Recherche erforderlich ist. Mehrere Medien recherchieren zu dem Fall.

12. Dezember 2011

Bundespräsident Wulff besucht die Golfregion und versucht Medienberichten zufolge, den „Bild“-Chefredakteur Kai Dieckmann zu erreichen, um auf die anstehende Berichterstattung über seinen Privatkredit Einfluss zu nehmen. Er spricht Diekmann auf die Mailbox und droht den „endgültigen Bruch“ mit dem Springer-Verlag für den Fall an, dass diese „unglaubliche“ Geschichte tatsächlich erscheine.

13. Dezember 2011

Die „Bild“-Zeitung berichtet erstmals über das Darlehen und fragt, ob Wulff das Landesparlament getäuscht habe. Sein Sprecher Olaf Glaeseker teilt mit, Wulff habe die damalige Anfrage korrekt beantwortet. Es habe keine geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens gegeben und gebe sie nicht.

22. Dezember 2011

Wulff tritt erstmals persönlich in der Affäre an die Öffentlichkeit und entschuldigt sich für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Er bekräftigt jedoch, im Amt bleiben zu wollen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt“, versichert das Staatsoberhaupt. Kurz vor seiner Erklärung im Schloss Bellevue entlässt Wulff seinen langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker ohne Angabe von Gründen.

4. Januar 2012

Der Bundespräsident bricht sein Schweigen. In einem Fernseh-Interview zur besten Sendezeit beantwortet Christian Wulff Fragen zur Kredit-Affäre. Im Gespräch mit ARD und ZDF räumte Wulff ein, dass der Drohanruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann „ein schwerer Fehler“ gewesen sei, der mit seinem eigenen Amtsverständnis nicht vereinbar sei. Der Fehler tue ihm leid und er habe sich auch entschuldigt. Zugleich betonte Wulff, er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man sich kein Geld von Freunden leihen könne. Ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre machte der Bundespräsident in dem Interview auch klar, dass er nicht zurücktreten wolle. „Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte Wulff. Mit Blick auf das Darlehen der BW Bank sagte er, es handele sich um normale und übliche Konditionen. Das gesamte Risiko der Zinsentwicklung liege bei ihm, so Wulff. Er habe keine Vorteile genossen, es handele sich um ein Angebot wie für andere auch.

18. Januar 2012

Im Auftrag Wullfs stellt sein Anwalt nun doch Journalisten-Anfragen und Antworten auf knapp 240 Seiten online.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart sieht keine Anhaltspunkte gegen Wulff wegen seines Hauskredites bei der BW-Bank zu ermitteln.

19. Januar 2012

Die Staatsanwaltschaft durchsucht das Haus und Büro von Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker und die Räumlichkeiten des Eventmanagers Manfred Schmidt. Ermittelt wird wegen Korruptionsverdacht. Glaeseker soll die private Lobby-Veranstaltung Nord-Süd-Dialog „gefällig gefördert“ haben.

8. Februar 2012

Die Bild-Zeitung berichtet, dass der Filmunternehmer David Groenewold für Wullf und seine spätere Frau Bettina einen Urlaub auf Sylt gebucht und bezahlt habe. Wulffs Anwalt erklärt, der damalige Ministerpräsident habe die Kosten später in bar beglichen habe. Groenewold soll vor drei Wochen das Sylter Hotel angerufen und zum Stillschweigen verpflichtet haben. Im gleichen Jahr gab das Land Niedersachsen dem Filmunternehmen eine Bürgschaftszusage.

16. Februar 2012

Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt beim Bundestag die Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten. Es bestehe ein Anfangsverdacht auf Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, so die Staatsanwaltschaft. Der Bundestag entscheidet nun, ob gegen Wulff strafrechtlich ermittelt wird.

Wulff soll als Ministerpräsident Kontakte zu dem Filmfonds-Manager David Groenewold gehabt haben. Auch gegen Groenewold wird ermittelt. Der Antrag zur Aufhebung der Immunität gegen einen Bundespräsidenten ist einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik.

17. Februar 2012

Wulff erklärt seinen Rücktritt, woraufhin die Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen beginnt.

2. März 2012

Fünf Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamts und ein Staatsanwalt durchsuchen das Wohnhaus von Wulff in Großburgwedel.

8. März 2012

Wulff wird mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet. Viele Prominente bleiben der Zeremonie fern.

22. Juli 2012

Neue Vorwürfe werden bekannt: Wulff soll sich als Ministerpräsident dafür eingesetzt haben, der Versicherungswirtschaft Vorteile zu verschaffen. 2008 verbrachten die Wulffs ihre Flitterwochen im Haus eines Versicherungsmanagers in Italien.

8. September 2012

Bettina Wulff geht gegen die Verbreitung von Gerüchten und Denunziationen vor. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, Wulff habe eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Prostituierte oder Escort-Dame seien falsch.

10. September 2012

Das ursprünglich erst für November angekündigte Buch der früheren First Lady, „Jenseits des Protokolls“, ist bereits in vielen Buchhandlungen erhältlich. Darin setzt sie sich nun auch publizistisch gegen die Gerüchte zur Wehr.

11. September2012

In mehreren Interviews erhebt Wulff Vorwürfe auch gegen ihren Mann. Sie beklagt unter anderem, an seiner Seite habe sie eigene Bedürfnisse unterdrücken müssen. Um die ganze Situation zu verarbeiten, habe sich das Paar therapeutische Hilfe gesucht.

15. September 2012

Nach heftiger öffentlicher Kritik an ihrem Buch und ihren Interviews sagt Bettina Wulff mehrere geplante Auftritte in Fernseh-Talkshows ab. Das bestätigen die betroffenen Sender.

9. Oktober 2012

Die Flitterwochen der Wulffs im Haus eines Versicherungsmanagers rechtfertigen keine Ermittlungen wegen Vorteilsannahme, teilt die Staatsanwaltschaft Hannover mit.

14. November 2012

Die Staatsanwaltschaft kann nach eigenen Angaben noch nicht absehen, wie lange die Ermittlungen gegen Christian Wulff noch dauern werden.

7. Januar 2013

Die Wulffs haben sich „einvernehmlich räumlich“ getrennt, wie der Anwalt der Eheleute bestätigt. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf „hochrangige Kreise der CDU“ über die Trennung berichtet.

Gert-Henrik Bormann geht sogar noch weiter: Er gibt den Medien eine nicht geringe Mitschuld an der Trennung. „Gerade auch journalistischer Voyeurismus, Dauerhetze, gerade auch durch richtig fiese Schlagzeilen usw. Welche Beziehung soll so etwas durchhalten? Da haben die Medien ganz schön Schuld auf sich geladen!“

Ähnlich sieht es Plato F. Steern: „Warum schaffen es die Medien nicht endlich einmal, die Privatsache der Familie Wulff auch Privatsache sein zu lassen. Die hochrangigen Plaudertaschen der CDU (die laufend der Bild berichten) sollten sich in Grund und Boden schämen.“

Aber es sind auch Spötter unter den Kommentatoren: „Der Flieger für das Dschungelcamp hat extra gewartet, mal sehen wer von beiden einsteigt“, schreibt ein Nutzer auf der Handelsblatt-Fanpage. „Was für ein fieser Zynismus“, antwortet ein anderer.

Trotzdem – nicht wenige machen sich über das Ende der Wulffschen Ehe lustig. So zum Beispiel Max Meerbosch: „Jetzt kommen Sylvie [van der Vaart] und [Christian] Wulff / Bettina und Rafael zusammen.“ Sein Beitrag erhielt zahlreiche „Likes“. Auch @vonFriedland spielt in seinem Tweet darauf an, dass das Ehe-Aus der Wulffs bereits die zweite prominente Trennung innerhalb weniger Tage ist: „Bettina van der Wulff.“

Christian Wulff: Ein Steckbrief

Geburt

Christian Wulff ist am 9. Juni 1959 in Osnabrück als Christian Wilhelm Walter Wulff geboren.

Ausbildung

Sein Abitur bestand Wulff 1980 mit der Note 1,9. Danach studierte Wulff bis 1986 Jura in seiner Heimatstadt Osnabrück.

Beruf

1990 Niederlassung als Rechtsanwalt in Osnabrück .

Partei

1975 CDU-Eintritt, 1978-1980 Bundesvorsitzender Schüler-Union, 1994-2008 Landesvorsitzender in Niedersachsen, seit 1998 stellvertretender CDU-Bundesvorsitzender.

Abgeordneter

Von 1986 bis 2001 im Rat der Stadt Osnabrück, von 1994 bis 2010 im niedersächsischen Landtag

Wahlen

Niederlagen: 1994 und 1998 erfolglose Kandidatur gegen Gerhard Schröder (SPD) um das Amt des Ministerpräsidenten in Hannover.

Wahlsiege: 2003 Gewinn der Landtagswahl und Ministerpräsident Niedersachsens bis 2010, im gleichen Jahr wird Wulff im dritten Wahlgang zum Bundespräsidenten und somit zum Staatsoberhaupt gewählt.

Familie

Verheiratet: Von 1988 bis 2006 mit Rechtsanwältin Christiane; von 2008 bis 2013 mit Journalistin Bettina.

Kinder: aus erster Ehe Tochter Annalena (geb. 1993), gemeinsam mit Bettina Sohn Linus Florian (geb. 2008); Bettina Wulff hat aus früherer Beziehung Sohn Leander (geb. 2003).

Das Süddeutsche Zeitung Magazin verkündete derweil bei Facebook, man habe ein neues Wort gelernt: „Ex-Bundespräsidenten-Ex-Gattin“. Mehr als 1.000 Fans gefällt das.

Auch die Statusmeldung des Zeit-Magazins kommt bei den Nutzern gut an: Fast 500 „Likes“ gab’s für diese Statusmeldung: „Eigentlich hört man am Anfang des Jahres doch mit dem Rauchen auf und nicht mit den Ehen.“

Bei Twitter postet @robvegas: „Eigentlich verkörpert Christian Wulff Deutschland perfekt. Job weg, Ansehen weg, Frau weg und keine Chance auf sozialen Aufstieg.“

@frauvgluckstein zwitschert: „Dürfte man jetzt wieder 'Bettina, pack deine Brüste ein' singen, ohne direkt eine Klagewelle fürchten zu müssen?“

Kommentare (2)

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stetson

07.01.2013, 16:27 Uhr

Ich gebe zu, dass mich das Privatleben der beiden auch nur sehr am Rande interessiert, in diesem speziellen Fall rundet es aber das Gesamtbild dieses Pärchens ab, das die Öffentlichkeit von Anfang an überdurchschnittlich stark gesucht hat und zwar mehr als es das Amt des Bunde4spräsidenten erforderte. Insbesondere Frau Wulff hat dabei den Eindruck der treibenden Kraft erweckt,nicht zuletzt noch durch ihre peiniche Autobiografie. Wer sich so gezielt in den Blickpunkt der Medien stellt, muss dann eben auch aushalten, dass nicht nur die glanzvollen Highlights medial ausgeschlachtet werden, sondern auch die persönlichen Tiefpunkte. Am Ende bleibt ein beinahe bemitleidenswerter Christian Wulff auf der Strecke und eine extrem auf den eigenen Vorteil bedachte Bettina Wulff, die mit 39 Jahren eine andere Erwartung an die Zukunft zu haben scheint, als diese mit einem 14 Jahre älteren Verlierer zu verbringen. Was nicht für sie spricht.

Fan

07.01.2013, 19:49 Uhr

Mal sehen wann Frau Wulff sich mit Jan Klatten zeigt. Gemeinsam sind sie schon länger.

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