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21.01.2015

14:19 Uhr

Neue EU-Sicherheitsvorgabe

Schausteller sehen Volksfeste bedroht

Kein Kettenkarussell und Riesenrad? Die Umsetzung einer EU-Norm lässt Schausteller das Schlimmste befürchten. Das Aus für Jahrmärkte und Volksfeste drohe, warnen sie. Jetzt bekommen sie Unterstützung aus der Politik.

Ein Kettenkarussell auf dem Oktoberfest in München, dem größten Volksfest der Welt. dpa

Ein Kettenkarussell auf dem Oktoberfest in München, dem größten Volksfest der Welt.

HannoverKrake, Kettenkarussell und Riesenrad könnten auf Volksfesten bald der Vergangenheit angehören. Denn wegen einer neuen Sicherheitsvorgabe der EU befürchten einige Schausteller das Ende traditioneller Jahrmärkte. Künftig droht ihnen bundesweit der Verlust der Betriebsgenehmigung, sollten ihre Fahrgeschäfte nicht der EU-Norm entsprechen. Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbunds, mahnt ohnehin, die Zahl der Volksfeste sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Nach der neuen Regelung sollen Berechnungen der Statik etwa belegen, dass bestimmte Fahrgeschäfte wie Kettenkarussells künftig Personen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 100 Kilogramm tragen können – statt wie bisher nur 75 Kilogramm.

„Das kommt einer Neuabnahme der Fahrgeschäfte gleich und könnte für viele Traditionsunternehmen das Aus bedeuten“, sagt Benno Fabricius, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Lüneburg und Umgebung. „Die Umsetzung der europäischen Vorschrift stellt alle bisher in Deutschland angewendeten Sicherheitsstandards für Fahrgeschäfte in Frage.“ Viele Kollegen hätten ihre Fahrgeschäfte schon ins Ausland verkauft.

Das Oktoberfest in Zahlen (2014)

Besucher

Rund 6 Millionen kommen alljährlich auf die Wiesn in München, der Rekord von 1985 lag bei 7,1 Millionen. Die Stadt als Veranstalter möchte gar nicht mehr Gäste anlocken - sonst wird es zu eng.

Festgelände

Das Wiesn-Gelände hat 34,5 Hektar - wenig für die riesige Besucherzahl. An die 400 000 Menschen drängen an einem starken Tag auf das Areal.

Wirtschaftsfaktor

Gut eine Milliarde Euro bringen die Besucher ein. Rund 435 Millionen Euro gaben sie etwa 2013 Umfragen und Berechnungen zufolge für Fahrgeschäfte, Bier, Hendl und Co. auf dem Fest aus. Der größere Anteil kam aber Einzelhandel, Hotellerie und Gastronomie sowie Bahn, Taxi und anderen Beförderungsmitteln zugute.

Beschäftigte

Rund 8000 fest angestellte und 5000 wechselnde Arbeitskräfte sind an den 16 Festtagen im Einsatz.

Festzelte

Das größte ist das Hofbräuzelt mit 10 000 Sitzplätzen inklusive Biergarten. Alle Zelte zusammen: rund 119 000 Plätze.

Essen & Trinken

2014 tranken die Gäste 7,7 Millionen Maß Bier. Dazu verzehrten sie rund 500 000 Brathähnchen, 112 Ochsen und 48 Kälber.

Toiletten

Rund 1500 Sitzplätze, ein Kilometer Stehplätze und 32 behindertengerechte Toiletten. Die Benutzung kostet nichts.

Trachten & Schützenzug

Mit bis zu 9000 Teilnehmern und sieben Kilometern Länge ist er am ersten Wiesn-Sonntag einer der größten der Welt.

Umwelt

Die Festleitung ist stolz auf die Fortschritte. Restmüll und Wasserverbrauch sanken um ein Vielfaches. Die Zahlen bleiben trotzdem enorm. Der Stromverbrauch liegt bei rund drei Millionen Kilowattstunden, etwa der Jahresverbrauch von 1200 Haushalten. Restmüll: Mehr als 900 Tonnen. Speisereste und Knochen: fast 400 Tonnen.

Fundsachen

Gut 3500 im vergangenen Jahr, darunter 900 Ausweise, 770 Kleidungsstücke, 530 Geldbörsen, 400 Schlüssel, 330 Smartphones und Handys, 305 Taschen, Rucksäcke und Beutel, 230 Brillen, 95 Regenschirme und Stöcke. Als Kuriosa wurden abgegeben: 2 Eheringe, 1 Katzentransportbox, 1 Schlagzeug-Beckenset. Gesucht wurde ein Bundesverdienstkreuz 2. Klasse.

Anstich

Zwei Schläge sind Bestmarke. Rekordhalter Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) schaffte das 2005 erstmals. Sein Nachfolger Dieter Reiter brauchte bei seiner Premiere im vergangenen Jahr knapp vier. Als 1950 der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer erstmals zum Schlegel griff, brauchte er 19 Schläge.

Vor allem in ländlichen Regionen behielt man die traditionellen Märkte bei, um Unterhaltung zu bieten, wie Andreas Matuschak erklärt. Er organisiert im Jahr rund 250 Volksfeste in Norddeutschland.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

21.01.2015, 14:41 Uhr

Und schon wieder schlägt die EU-Bevormundung (Mafia) in der europäischen/deutschen Markt-Gesellschaft zu.
Diese Grün-Sozialisten wollen alles und jeden unter ihre Konrotlle bringen. Freie Marktwirtschaft und damit die Freiheit und die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung ist in dieser Grün-Sozialistische bestimmten EU-Mafia nicht mehr gewollt. Nur noch Gesetze, Bevormundung, Verordnungen und totale Kontrolle als DDR 2.0.

Account gelöscht!

21.01.2015, 14:43 Uhr

Und schon wieder schlägt die EU-Bevormundung (Mafia) in der europäischen/deutschen Markt-Gesellschaft zu.
Diese Grün-Sozialisten wollen alles und jeden unter ihre Konrotlle bringen. Freie Marktwirtschaft und damit die Freiheit und die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung ist in dieser Grün-Sozialistische bestimmten EU-Mafia nicht mehr gewollt. Nur noch Gesetze, Bevormundung, Verordnungen und totale Kontrolle als DDR 2.0.

Frau Ich Kritisch

21.01.2015, 15:18 Uhr

diese Regelung kann doch im Original nur aus den USA kommen - da sind doch die Leute alle so fett.

im Vorfeld des TTIP werden schon mal Anpassungen vorgenommen - zum Wohle der großen Freizeitcenter ala Disney!

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