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07.04.2006

21:00 Uhr

Neue Höchststände

"Uns lässt man hier alleine mit der Flut"

Das Hochwasser der Elbe trifft die Menschen am nördlichen Flusslauf unerwartet hart. In Lauenburg in Schleswig-Holstein stieg das Wasser am Freitag höher als beim Jahrhunderthochwasser von 2002.

HB HITZACKER/LAUENBURG. Die Altstadt von Hitzacker in Niedersachsen versank in schlammigen Fluten. Und der Unterlauf der Elbe schwillt noch immer an. Mecklenburg-Vorpommern bereitet sich auf das voraussichtlich größte Elbe-Hochwasser seit 1895 vor.

Einen Grund für die heftige Flut sehen manche Experten elbaufwärts. Dort hätten die nach 2002 erneuerten Deiche gehalten, so dass der Fluss seine Wassermassen jetzt vollständig mit sich nach Norden führe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte den vom Hochwasser betroffenen Bundesländern Unterstützung zu.

Brandenburg nahm das Hochwasser regelrecht in die Zange: Nicht nur an der Elbe, sondern auch an Havel und Oder war die Lage angespannt. In Hamburg werden bis Dienstag höhere Wasserstände erwartet, die Behörden sehen aber keine Gefahr. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ging das Hochwasser zurück. Dort waren die Werte von 2002 nicht erreicht worden. In Dresden blieben Hofkirche, Zwinger, Schloss und Semperoper verschont. Die Stadt hob als erste in Sachsen den Katastrophenalarm wieder auf. Die Behörden stellen sich aber darauf ein, dass die Fluten nur sehr langsam abfließen und der Druck auf die Deiche bis Ostern anhält.

An der Elbe bei Lauenburg stand das Wasser 9 Meter hoch, 2002 waren es 8,70 Meter. Kritik gab es an den Behörden, die nicht vor den Gefahren gewarnt hatten. „Drüben in Niedersachsen wird überall Katastrophenalarm ausgelöst und uns lässt man hier alleine“, sagte ein Anwohner. Nach den Prognosen hatten die meisten noch am Vortag geglaubt, das Hochwasser werde ihnen diesmal nichts anhaben. Doch dann stieg das Wasser binnen weniger Stunden um rund zwei Meter. Teile der historischen Altstadt mit bis zu 500 Jahre alten Fachwerkbauten standen unter Wasser.

Die Fachleute seien von dem hohen Wasserstand in Lauenburg überrascht worden, sagte die Leiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Bettina Kalytta. „Diesmal hatten wir im Raum Dresden viel weniger Wasser als 2002, aber bei uns ist mehr angekommen.“ Ein Grund sei die Schneeschmelze im Erzgebirge, im Riesengebirge und im Thüringer Wald. Außerdem hätten die neuen Deiche im Osten gehalten und die Wassermassen abgeleitet.

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